Unter dem Begriff Giralgeld oder auch Buchgeld versteht man Forderungen gegen eine Bank aufgrund eines Guthabens auf dem Girokonto. Giralgeld wird im Finanzwesen dem Bargeld gegenübergestellt und damit als Zahlungsmittel eingestuft, da Zahlungen unbar durch Überweisungen von Girokonto zu Girokonto erfolgen können. Der Name Giralgeld leitet sich vom italienischen Wort "giro" ab, welches übersetzt Kreislauf oder Rundlauf bedeutet. Was hat es genauer mit Buchgeld auf sich?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wie funktioniert Giralgeldschöpfung?
  3. Das Giralgeld als Zahlungsmittel
  4. Risiken
  5. Vorteile
  6. Nachteile
  7. Verwandte Themen
  8. Jetzt Girokonten vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Giralgeld handelt es sich um Geld, welches nicht in konkreter Form existiert.
  • Giralgeld kann geschaffen werden, ohne dass es Bargeld benötigt.
  • Einlagen als Buchgeld stellen nur eine Forderung gegen eine Bank dar.
  • Das Giralgeld übersteigt den Bargeldumlauf um ein Vielfaches.

Wie funktioniert Giralgeldschöpfung?

Die Hoheit für die Ausgabe von Bargeld in Noten oder Münzen, dem eigentlichen gesetzlichen Zahlungsmittel, liegt bei den nationalen Notenbanken, in der Eurozone bei der Europäischen Zentralbank. Im Gegensatz zu Bargeld ist es in einem herkömmlichen Finanzsystem, in dem kein Vollgeld genutzt wird, den Geschäftsbanken jedoch möglich, künstlich Giralgeld zu erzeugen.

Mit der Vergabe eines Darlehens, der dem Darlehensnehmer unbar zur Verfügung gestellt wird, erhöht sich die Geldmenge, ohne dass tatsächlich mehr Bargeld dahinter steht. Solange der Darlehensnehmer oder der Empfänger einer Überweisung diese nicht bar abhebt, entsteht Geld, welches de facto nicht in Barmitteln existiert. Weist ein Konto ein Guthaben auf, spricht man von einer Sichteinlage.

Das Giralgeld als Zahlungsmittel

Mit Giralgeld kommt fast jeder täglich in Kontakt. Jeder Überweisung oder Lastschrift liegt Buchgeld zugrunde. Vor dem Hintergrund, dass fast jeder Haushalt in Deutschland über ein Girokonto verfügt, ist es inzwischen durchaus zulässig, Barzahlungen für das Erbringen einer Leistung gänzlich auszuschließen. Prominente Beispiele dafür sind Mietverträge oder Arbeitsverträge.

Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, wie er heute stattfindet, wäre ohne Buchgeld kaum machbar. Daran ändern auch die Dienstleistungen der Geldtransfergesellschaften nichts.

Das Risiko der Giralgeldschöpfung

Laut Bericht der Deutschen Bundesbank überwiegt Giralgeld Bargeld um ein Vielfaches. Der Bestand an Giralgeld lag in der Eurozone im August 2013 bei 4.858 Milliarden Euro. An Bargeld waren lediglich 957 Milliarden Euro in Umlauf.

Damit wird das Risiko der Giralgeldschöpfung deutlich. Eine unkontrollierte Kreditvergabe der Banken könnte im Extremfall, ohne Mindestreservehaltung und die Vorgaben zur maximalen Kreditvergabe gemäß Kreditwesengesetz (KWG), nachhaltige Folgen haben. Es würde unbegrenzt Geld geschaffen, welches nicht existiert, sondern nur in Datenbanken vorhanden ist. Sollten alle diese Gelder liquidiert werden, würden also alle Kontoinhaber gleichzeitig das Buchgeld in Bargeld wandeln wollen, müssten die Notenbanken Geld ohne Ende drucken – die klassische Hyperinflation, wie sie zur Weltwirtschaftskrise führte, wäre wieder da.

Die Vorteile von Giralgeld

Unbare Zahlungen bieten zweifellos Vorteile. Der Weg zur Bank entfällt, das Diebstahlsrisiko wird gemindert, wenn kein Geld im Haus ist. Die Nutzung von Giralgeld hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt. Bis vor einiger Zeit lag die Abwicklung des unbaren Zahlungsverkehrs ausschließlich bei den Banken. Mit PayPal wurden Überweisungen auch ohne unmittelbare Einbindung eines Kreditinstitutes möglich. Zahlungen per E-Mail etablieren sich immer mehr, Handys als elektronisches Portemonnaie sind auf dem Vormarsch.

Banktransaktionen können (meist) lückenlos nachvollzogen werden. Damit erfüllt Buchgeld in Strafverfahren einen wichtigen Bestandteil zur Aufklärung, wenn es sich beispielsweise um Steuerdelikte handelt. Bargeld spielt daher in der Schattenwirtschaft, zum Beispiel bei Schwarzarbeit, nach wie vor eine entscheidende Rolle.

Giralgeld: Nachteile gibt es auch

Ein Risiko, welches das Gros der Verbraucher betrifft, sind Fehlbuchungen. Der Schuldner muss sicherstellen, dass er die Zahlungsanweisung korrekt erteilt hat. Nur wenn er dies nachweisen kann, ist ihm die Bank zu Schadensersatz verpflichtet, wenn die Zahlung nicht beim Empfänger ankommt.

Einen weiteren Nachteil, der mit dem verstärkten Aufkommen von Giralgeld seit den 1970er Jahren eingetreten ist, stellt die Entkopplung von materiellen Werten und tatsächlich vorhandenem Bargeld dar.

Angenommen, ein Staat gibt eine Anleihe aus, die verzinst wird. Die Zinsen fließen unbar auf das Konto der Anleihezeichner. Besichert wird die Anleihe durch das Staatsvermögen. Übersteigen die künftigen Zinszahlungen auf die Konten der Anleihezeichner das Anwachsen des Staatsvermögens in diesem Zeitraum, entsteht eine nicht mehr gedeckte Differenz in der Giralgeldschöpfung.

Bei Einlagen auf einem Konto handelt es sich um eine Forderung gegenüber der Bank. Geht die Bank in die Insolvenz und es besteht keine oder nur eine bedingte Einlagensicherung, verliert der Kunde sein Geld. Hätte er dieses in einem Safe aufbewahrt, wäre ihm das Geld sicher.

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