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Studie: EZB-Geldpolitik benachteiligt ärmere Haushalte

07.09.2021 | 10:34

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa | Verivox

Die seit Jahren extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hat einer Analyse zufolge die Vermögensverteilung in Deutschland nicht entscheidend verändert. Auswirkungen hat der EZB-Kurs aber doch: Vor allem ärmere Haushalte werden durch die Niedrigzinspolitik benachteiligt.

In allen Vermögensklassen gebe es Gewinner und Verlierer, stellt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen fest. Mehrere Faktoren entscheiden darüber, ob Menschen von den Dauertiefzinsen und den explodierenden Immobilienpreisen profitieren oder nicht. Zu den Faktoren zählen:

  • die wirtschaftliche Lage (ärmer oder reicher)
  • Wohnverhältnisse (Eigentum oder Miete)
  • Wohnort (Stadt oder Land)
  • Alter

Niedrige Zinsen belasten einkommensschwache Haushalte

Zu den Verlierern der EZB-Politik gehören laut Studie die einkommensschwachen Haushalte, da sie erschwert Vermögen aufbauen können. Sie investieren vor allem in Finanzprodukte wie Bankguthaben und Lebensversicherungen, die nun kaum noch Zinsen abwerfen. Die Niedrigzinsphase trifft sowohl junge wie ältere Menschen: Junge Haushalte können kaum Vermögen aufbauen, wenn die Sparzinsen niedrig sind. Ältere Menschen müssen reduzierte Einkommen aus Altersvorsorgevermögen hinnehmen, da auch hier die Zinserträge gefallen sind.

Hausbesitzer profitieren von günstigen Krediten

Profitieren können laut Studie Immobilienbesitzer, die noch vor der Finanzkrise eine Immobilie gekauft haben. Ihnen kommen nun die gesunkenen Zinsen für Immobilienkredite zugute. Außerdem hat sich der Wert ihrer Immobilie erhöht. Ein Nachsehen haben Käufer, die jetzt mit steigenden Immobilienpreisen konfrontiert sind. Für sie wirken sich die niedrigeren Kreditkosten nicht so günstig aus, weil sie ein höheres Kreditvolumen stemmen müssen.

Reichere Haushalte kommen besser weg

Reichere Haushalte konnten ihr Vermögen grundsätzlich leichter mehren. Sie halten ihr Vermögen in riskanteren Vermögensanlagen, in Betriebsvermögen, vermieteten Immobilien, einzelnen Aktiengattungen oder Spezialfonds. Die Autoren der Studie vermuten, dass reichere Haushalte eher in einzelne US-amerikanische Technologiewerte investiert haben als ärmere Haushalte. Diese Aktien haben in der Vergangenheit deutlich an Wert gewonnen. Der Effekt ist allerdings unabhängig von der Geldpolitik der EZB, so die Autoren. Dieses Vermögenswachstum realisiert sich vor allem als Bewertungsgewinn auf dem Papier. Um den Gewinn tatsächlich nutzen zu können, müssten die Besitzer die Vermögenswerte erst einmal verkaufen, geben die Autoren der Studie zu bedenken.

Die Geldpolitik der EZB

Finanzkrise, Euro-Schuldenkrise, Corona-Krise - seit 2008 stemmt sich die EZB mit billigem Geld gegen die diversen Krisen. Der Leitzins im Euroraum liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent, zudem pumpt die Notenbank über gewaltige Kaufprogramme für Staats- und Unternehmensanleihen Milliarden ins System.