Niedrigenergiehaus – das klingt nach einem definierten, nachhaltigen Baukonzept. Tatsächlich wird dieser Begriff häufig benutzt, ist jedoch nicht eindeutig bestimmt.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Niedrigenergiehaus: Kein geschützter Begriff
  3. Gängige Niedrigenergiehaus-Konzepte
  4. Abgrenzung zu Niedrigstenergiehaus, Passivhaus und Co.
  5. Vorteile eines Niedrigenergiehauses
  6. Nachteile eines Niedrigenergiehauses
  7. Verwandte Themen
  8. Weiterführende Links
  9. Baufinanzierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Als Niedrigenergiehaus wird meistens ein EnEV-Haus oder ein KfW-Effizienzhaus bezeichnet. In einigen Regionen Deutschlands gelten gesonderte Regelungen für energieeffiziente Gebäude, welche ebenfalls so bezeichnet werden können.
  • Mit einem Niedrigenergiehaus spart der Eigentümer langfristig Heiz- und gegebenenfalls Stromkosten und sorgt für ein angenehmes Klima in den Räumen.
  • Beim Kaufen oder Renovieren muss er allerdings mit Mehrkosten rechnen, die sich erst im Laufe der Zeit wieder ausgleichen.

Niedrigenergiehaus: Kein geschützter Begriff

Der international gängige Richtwert für ein Niedrigenergiehaus liegt bei einem Heizwärmebedarf von maximal 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, was einem durchschnittlichen Verbrauch von circa sieben Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr gleichkommt. Allerdings muss seit der Energieeinsparverordnung von 2009 jeder Neubau in Deutschland mindestens dieser Norm genügen und darf sich demnach auch als Niedrigenergiehaus bezeichnen. Auch ein Altbau kann diesem Energiestandard gerecht werden, wenn er entsprechend saniert wird. Der bedeutendste Faktor beim Bauen oder Nachrüsten eines Niedrigenergiegebäudes ist eine optimale Wärmedämmung: Weniger Wärmeverlust verursacht geringere Heizkosten.

Gängige Niedrigenergiehaus-Konzepte

Hausbauer oder -eigentümer können im Begriffsdschungel rund um das Thema Niedrigenergiehaus schnell den Überblick verlieren. Alleine in Deutschland existieren diverse Bezeichnungen oder Standards, die alle unterschiedlichen Regeln unterliegen, von unterschiedlichen Behörden geprüft und teilweise staatlich gefördert werden.

EnEV-Haus

Ein Haus, das in Sachen seines Primärenergiebedarfs mindestens der Energieeinsparverordnung von 2009 (EnEV) genügt, bezeichnet man als EnEV-Haus.

KfW-Effizienzhaus

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert die Projekte von Bauherren finanziell, wenn sie dabei verschiedene Energiestandards erfüllen. Bei KfW 55 darf der jährliche Primärenergiebedarf beispielsweise nur 55 Prozent des Referenzwertes aus der Energieeinsparverordnung betragen. Für Neubauten existieren die Kategorien KfW 40, KfW 40 plus und KfW 55, für sanierte Gebäude die Standards KfW 55, KfW 70, KfW 85, KfW 100, KfW 115 und Denkmal.

Ein KfW-Effizienzhaus unterscheidet sich äußerlich nicht von anderen Häusern, sein Innenleben zeichnet sich jedoch durch eine vorbildliche Wärmedämmung aus. Nicht nur die Wände, sondern auch Dach und Bodenplatte sind nach außen hin abgedichtet. Eine zentrale Lüftungsanlage regelt die Luftzirkulation, die Wärme für Heizung und Warmwasser stammt häufig ganz oder teilweise aus erneuerbaren Energien wie etwa Photovoltaik.

Regionale Standards für Niedrigenergiehäuser

In einigen Regionen Deutschlands gelten gesonderte Regelungen für energieeffiziente Gebäude und deren Förderung. So gibt es in Norddeutschland den sogenannten Niedrig-Energiehaus-Standard Schleswig-Holstein: Hier muss der nach EnEV festgelegte Maximalwert des jährlichen Primärenergiebedarfs um mindestens 20 Prozent unterschritten werden. Gleichzeitig muss der spezifische Transmissionswärmeverlust mindestens 30 Prozent unter dem zulässigen Höchstwert liegen. Auch die Stadt Freiburg hat einen eigenen Effizienzhausstandard gesetzlich verankert: Der Freiburger Effizienzhausstandard 55 ist nahezu identisch mit dem KfW-Standard 55, allerdings wird zusätzlich eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung verlangt.

Abgrenzung zu Niedrigstenergiehaus, Passivhaus und Co.

Niedrigenergiehäuser sind nicht zu verwechseln mit anderen nachhaltigen Baukonzepten. Das Passivhaus ist beispielsweise nicht nur optimal gedämmt, sondern nutzt auch die Energie der Sonne bestmöglich, zum Beispiel durch nach Süden ausgerichtete Glasfronten, die deren Wärme einfangen. Bei der Konstruktion wird zudem darauf geachtet, dass keine sogenannten Wärmebrücken entstehen, über die die Wärme schneller nach draußen gelangen würden. Stattdessen wird eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Ein Passivhaus wird an seinem Jahresheizbedarf gemessen – er darf höchstens bei 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter liegen.

Null- oder Plusenergiehäuser sind sogar dazu in der Lage, ihren eigenen Energiebedarf selbst zu decken beziehungsweise ein Plus an Energie zu erzeugen. Dies wird in der Regel durch eine Passivhaus-Bauweise erreicht, die ein aktives System zur Energieerzeugung ergänzt. Das können zum Beispiel eine Wärmepumpe oder Solarzellen auf dem Dach sein.

Das Niedrigstenergiehaus ist ein vom Europäischen Parlament geprägter Begriff. Es zeichnet sich laut Definition durch einen sehr geringen Energiebedarf aus, der wiederum größtenteils aus nachhaltigen Energiequellen gedeckt werden soll. In Deutschland legt man diese Bestimmungen so aus, dass die Anforderungen für den Niedrigstenergiestandard mit maximal 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr sogar noch unter den Höchstwerten eines Passivhauses liegen.

Vorteile eines Niedrigenergiehauses

Wer zukunftsorientiert und ökologisch bauen möchte, für den lohnt es sich, auf ein Niedrigenergiehaus zu setzen, das die Vorgaben der Energieeinsparverordnung deutlich unterschreitet. Nicht nur für die Umwelt hat eine möglichst geringe, neutrale oder gar positive Energiebilanz Vorteile. Der Bauherr spart dadurch Heizkosten. Besitzt das Haus eine eigene Photovoltaikanlage oder ein anderes vergleichbares System zur Energiegewinnung, lassen sich außerdem die Stromkosten senken. Zudem sorgen Dämmung und Belüftungsanlagen für ein angenehmes Klima in den Räumen, denn genauso wie benötigte Wärme nicht nach außen gelangt, ist das Haus im Umkehrschluss auch gegen sommerliche Hitze geschützt.

Nachteile eines Niedrigenergiehauses

Isolierung, Belüftungsanlagen sowie Solarzellen auf dem Dach haben allerdings ihren Preis, weshalb der Bauherr in der Regel mit Mehrkosten von drei bis acht Prozent rechnen muss. Für viele angehende Eigentümer sicherlich ein Nachteil, da die finanzielle Belastung beim Bau oder Erwerb einer Immobilie ohnehin schon hoch ist. Allerdings lassen sich die Kosten für ein Niedrigenergiehaus durch die geringeren Betriebskosten im Laufe der Zeit wieder ausgleichen. Um den finanziellen Aufwand so gering wie möglich zu halten, können Bauherren mithilfe von Verivox einen Immobilienkredit mit günstigen Konditionen finden sowie die unter "Weiterführende Links" aufgeführten Fördermöglichkeiten für energieeffizientes Bauen und Sanieren nutzen.

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