Fahrbericht: Alpina macht den BMW X7 zum Dampfhammer

10.07.2020

Bildquelle: ©Alpina / Text: SP-X

Mit dem X7 hat BMW zwar ins Schwarze getroffen und vor allem viele gutsituierte Familien erreicht. Doch weil die Bayern bei allem Luxus mehr Wert auf Utility als auf Sport gelegt haben, gibt’s bei diesem SUV noch reichlich Luft nach oben. Aber nicht mehr lange. Denn bald bringt Alpina den XB7 und macht dem Dickschiff entsprechend Dampf.

In Amerika ist er der Held der vornehmen Soccer-Mums und bei uns verhilft er auch Besserverdienern endlich zum Bus-Gefühl, ohne gleich einen VW fahren zu müssen – mit dem X7 hat BMW bei allen Kunden mit dicker Brieftasche und großem Platzbedarf ins Schwarze getroffen. Doch so viel das Flaggschiff der X-Familie als potenter People Mover taugt, so groß ist die Lücke, die nach oben klafft. Denn als Kind einer gemeinsamen Plattform, mit konventionellem Interieur und ohne dezidierte M-Version ist der X7 viel zu nah am X5, als dass er der BMW-Kundschaft einen echten Aufstieg ermöglichen würde.

Alpina motzt den X7 zum XB7 auf

Bentley Bentayga, Maybach GLS oder gar der Rolls-Royce Cullinan sind für ihn noch meilenweit entfern. Bis jetzt zumindest. Zwar gibt’s von BMW auf absehbare Zeit weder einen X7M und erst recht keinen Zwölfzylinder, und auch die Loungesessel aus dem Siebener werden ihren Weg wohl nicht in den Fond finden. Doch was sie in München bei der AG und Garching bei der M GmbH nicht schaffen, das erledigen sie eben in Buchloe. Dort sitzt Alpina und bringt den X7 als XB7 ein gutes Stück näher an die noblen Konkurrenten.

Grund dafür ist vor allem das Tuning für den 4,4 Liter großen V8-Benziner hinter der riesigen Niere. Wo der ab Werk auf 530 PS kommt und bei 250 km/h abgewürgt wird, kitzelt Alpina 621 PS aus dem Turbo-Triebwerk und gewährt im Auslauf bis 290 km/h. Und weil jetzt 800 statt 750 Nm im Datenblatt stehen, gelingt auch der Sprint ein bisschen besser: Mit 4,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h nimmt der Angreifer aus dem Allgäu seinem braven Bruder immerhin eine halbe Sekunde ab. Und auch die 14,9 Sekunden bis zum Erreichen der 200er-Marke können sich sehen lassen bei einem Auto, das gut und gerne 2,5 Tonnen wiegt.

Vom Dickschiff zum Dampfhammer

Zwar macht der gedopte Achtzylinder das Dickschiff tatsächlich zum Dampfhammer und es raubt einem fast den Atem, wenn der Koloss beim Kickstart davon stürmt wie vom Katapult geschossen. Doch auch wenn sie in Buchloe das Luftfederfahrwerk entsprechend adaptiert, die Wanksteuerung neu programmiert und die Bremsen verstärkt haben, wirkt der X7 unter Volllast nicht wie wütendes Großwild in Panik, sondern zelebriert den Kraftakt auf eine ausgesprochen kultivierte Art und Weise. Ja, er drängt in engen Kurven ein wenig nach außen. Wer kräftig in die Eisen tritt, spürt ein feines Nicken und ein bisschen Rückmeldung von der Fahrbahn. Doch selbst auf der Rennstrecke reicht der Restkomfort noch für den Nachwuchs und nach langen Autobahn-Etappen steigt man entspannter aus als bei der Lufthansa – wenn die denn mal wieder fliegen würde.

Vornehm in Lack und Leder

Mehr Lack und Leder und vor allem mehr Leistung, eine imposante Performance auf kurvigen Landstraßen und trotzdem noch jede Menge Komfort auf der Langstrecke – so entfernt sich der X7 dank Alpina tatsächlich ein gutes Stück vom X5 und rückt näher an Bentley & Co. Das gilt allerdings nicht nur für den Antritt und das Ambiente, sondern auch für den Preis: Statt bei 89.900 Euro wie in München beginnt die Preisliste in Buchloe jetzt bei 155.200 Euro. Damit liegt der XB7 rund 40.000 Euro über dem X7 M50i, der ihm als Basis dient. Und mit ein paar Extras vom Leder für über 20.000 Euro bis zu den imposanten 23–Zoll-Felgen steht unter dem Strich plötzlich eine Zwei an der ersten der sechs Stellen. Auch in dieser Hinsicht ist ein Bentayga dann plötzlich nicht mehr aus der Welt.

Autor: Benjamin Bessinger