Den meisten Sparern geht Rendite vor Nachhaltigkeit

17.02.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Ökologische Nachhaltigkeit hört bei vielen Deutschen auf, wenn es um das eigene Bankkonto geht. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Unternehmensberatung BearingPoint. Hierzulande würde nur rund jeder Fünfte (21 Prozent) etwas höhere Kontogebühren akzeptieren, wenn die Bank dafür in ökologisch nachhaltige Projekte investiert. Damit sind Deutsche an grünen Finanzprodukten deutlich weniger interessiert als Österreicher (31 Prozent) und Schweizer (33 Prozent).

Sicherheit, Kosten und Rendite sind die wichtigsten Kriterien

„Viele Deutsche sind von grünen Finanzprodukten noch nicht überzeugt“, sagt Thomas Steiner, globaler Leiter Banking und Capital Markets bei BearingPoint. Neben dem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber Banken liege das vor allem an fehlenden Informationen. „Im Abbau dieser Informationsdefizite liegt unseres Erachtens großes Potential für die Neukundengewinnung", so Steiner.

Aktuell sind laut der Studie fast 70 Prozent der Deutschen nicht bereit, einen Aufschlag auf die Kontoführungsgebühren in Kauf zu nehmen, damit die Bank verstärkt in ökologisch nachhaltige Projekte investiert. Nahezu die Hälfte der Befragten gaben zudem an, auf keinen Fall die Bank wechseln zu wollen, nur weil diese ein ökologisch nachhaltigeres Produktangebot bietet. In der Schweiz und in Österreich sind die Menschen hingegen deutlich offener für einen Wechsel zu einer nachhaltigen Bank.

Während die Klimadebatte in der Öffentlichkeit viele Lebensbereiche erfasst hat, spielt die ökologische Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten noch eine untergeordnete Rolle. Nach wie vor sind die Kriterien Sicherheit, Kosten und Rendite bei Geldanlagen von zentraler Bedeutung. Lediglich für vier Prozent der Befragten ist die ökologische Nachhaltigkeit das wichtigste Kriterium bei der Investitionsentscheidung.

Für Jüngere ist ökologische Nachhaltigkeit wichtiger

Das ist nach Einschätzung von BearingPoint aber kein Grund, das Thema jetzt zu vernachlässigen. Denn die Umfrage zeigt auch, dass sich Privatkunden durchaus für ökologisch nachhaltige Bankprodukte interessieren, obwohl viele dafür keine höheren Gebühren in Kauf nehmen wollen.

So würden 30 Prozent der 18- bis 24-jährigen zu einer anderen Bank mit einem breiteren Portfolio an ökologisch nachhaltigen Produkten wechseln, sofern keine schlechteren Konditionen vorliegen. Unter den über 55-Jährigen geben nur 17 Prozent diese Bereitschaft an. Viele junge Menschen sind demnach offener, für die ökologische Nachhaltigkeit die Bank zu wechseln, als es die ältere Generation ist.

Anreizsysteme, wie beispielsweise eine Kreditkarte, mit der durch nachhaltiges Einkaufsverhalten ökologische Nachhaltigkeitspunkte gesammelt und in Boni umgewandelt werden können, rufen insbesondere bei der jungen Altersgruppe großes Interesse hervor.

Vertrauens- und Informationsdefizite

Die geringe Bereitschaft der Verbraucher zugunsten höherer Nachhaltigkeit höhere Kosten in Kauf zu nehmen, könnte auch mit mangelndem Vertrauen zusammenhängen. „Wenn Verbraucher mehr Gebühren zugunsten von ökologischen Maßnahmen zahlen müssen, sind sie oft nicht sicher, ob ihr Geld auch wirklich zu diesem Zweck eingesetzt wird“, sagt Stefan Schütt von BearingPoint. Je höher das Vertrauen der Verbraucher in eine Bank beziehungsweise Marke sei, desto höher sei auch die Bereitschaft, Gebühren oder Renditeabschläge für einen guten Zweck in Kauf zu nehmen.

Hinzu kommt ein grundsätzliches Informationsdefizit. Die große Mehrheit der Befragten weiß noch sehr wenig über grüne Geldanlagen und Finanzprodukte. Über 60 Prozent der Befragten gaben an, nicht darüber Bescheid zu wissen, ob die eigene Bank ökologisch nachhaltige Produkte anbietet. Besonders ausgeprägt ist in Deutschland mit 70 Prozent das Informationsdefizit bei der Altersgruppe der über 55-Jährigen.