Autoversicherung mit Telematik - gut für vorsichtige Fahrer

08.12.2020 | 08:49

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Vorsichtig fahren, weniger zahlen. Mit diesem Motto locken Telematik-Tarife seit einigen Jahren die Autofahrer und rund 500.000 Privatkunden nutzen die Angebote bereits. Sie lassen dafür ihren Fahrstil ein stückweit überwachen und senken bei vorsichtiger Fahrweise den Preis der Kfz-Versicherung. Mit den Tarifen ist im besten Fall eine kräftige Ersparnis drin, wie eine aktuelle Auswertung von Verivox zeigt.

Für vorsichtige Fahrer eine attraktive Option

Verivox hat für drei Modellfälle die günstigsten „normalen“ Tarife am Markt und die Preise der Telematik-Tarife gegenübergestellt, wenn der Kunde den maximalen Rabatt erreicht. Dann lagen die Telematik-Angebote vorn – zwischen 17 und 29 Prozent. Bei einigen Tarifen ist zusätzlich ein Startbonus berücksichtigt, der nach dem ersten Jahr entfällt.

„Für vorsichtige Fahrer sind Telematik-Tarife eine attraktive Option, aber sie sollten nicht nur auf die maximale Ersparnis achten“, sagt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. Wenn die Kfz-Versicherer den Fahrstil ihrer Kunden analysieren lassen, spielen viele persönliche Faktoren eine Rolle wie Bremsverhalten, Beschleunigung, Kurvenverhalten und Geschwindigkeit. Aber auch Uhrzeit und Straßenart haben Auswirkungen, die der Autofahrer oft nicht beeinflussen kann.

Der maximale Rabatt, den sich ein Autofahrer „erfahren“ kann, liegt bei 30 Prozent. Das wird nur ein kleiner Teil der Versicherten erreichen. „Doch selbst mit der durchschnittlichen Ersparnis, die Branchenvertreter nennen, bleiben viele Angebote günstig und teilweise unterhalb der Spitze des Marktes der ‚normalen‘ Tarife“, sagt Wolfgang Schütz. „Autofahrer sollten beim Beitragsvergleich auf beides achten – den Preis, den sie bei Abschluss des Vertrages zahlen, und den möglichen Rabatt.“

Neue Anbieter, aber einige geben auch auf

Insgesamt haben aktuell zehn Versicherer Telematik-Lösungen. Davon sind sechs Versicherer in die Preisauswertung eingeflossen. Zwei Versicherer haben zwar Telematik-Lösungen, es sind aber keine klassischen Telematik-Tarife. Zwei Versicherer haben nicht teilgenommen.

Im laufenden Jahr gab es viel Bewegung. Zwei Versicherer sind neu hinzugekommen – ADAC und DEVK. Zwei weitere Versicherer haben einen Test gestartet. Es gibt aber auch drei Versicherer, die ihre Angebote eingestellt haben oder aktuell nicht vertreiben. Außerdem richteten sich die Telematik-Tarife in den ersten Jahren vorrangig an jüngere Fahrer, mittlerweile stehen die meisten Angebote allen Autofahrern offen.

Zwei weitere neue Player am Markt sind der Rückversicherer Scor und MSK, ein Dienstleister für Versicherungsmathematik. Sie haben gemeinsam einen Telematik-Service entwickelt. Versicherer können – so das Versprechen – das Paket kaufen und schlüsselfertig einen Telematik-Tarif anbieten. Außerdem bauen die Partner einen Datenpool auf. Versicherer sind beim Berechnen der Risiken dann nicht nur auf den eigenen – anfangs kleinen – Bestand angewiesen, sondern können auf mehr Daten zugreifen.

Autofahrer finden es gerecht, Raser zur Kasse zu bitten

Ob sich die Tarife letztendlich durchsetzen, ist immer noch fraglich. „Zum einen kann es die hohen Rabatte auf Dauer nur geben, wenn mit der Telematik die Unfallzahlen deutlich sinken. Andererseits sehen wir bei Versicherern, die ihre Telematik-Tarife aufgegeben haben, eine deutliche Skepsis gegenüber der Technik“, sagt Wolfgang Schütz.

Viele Autofahrer fänden es übrigens gerecht, wenn der Fahrstil Einfluss auf dem Versicherungsbeitrag hätte. Das zeigt eine Studie des Kölner Instituts für Versicherungswesen aus dem Jahr 2017. 63 Prozent hielten es für gerecht, wenn das „Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit“ bei der Preisberechnung berücksichtigt würde. Nur 24 Prozent meinten, es sei ungerecht. 53 Prozent stimmten zu, dass „häufiges schnelles Fahren“ mit teureren Kfz-Beiträgen bestraft wird.