Corona-Einbruch überwunden: Privatvermögen steigt auf neues Rekordhoch

25.08.2020 | 10:00

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Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf das Finanzvermögen und das Sparverhalten privater Haushalte. Das zeigt eine Analyse von Barkow Consulting im Auftrag der ING Deutschland. Während die Deutschen im ersten Quartal rund 128 Milliarden Euro verloren hatten, stieg das Vermögen bis Ende Juni auf ein neues Rekordhoch.

Deutsche kamen vergleichsweise glimpflich davon

Für die Untersuchung wurden Daten der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der Europäischen Zentralbank (EZB), des statistischen Bundesamts und von Eurostat ausgewertet. Der Ausblick für das erste Halbjahr wurde auf Basis der Entwicklung der Kapitalmärkte mit Hilfe statistischer Schätzverfahren ermittelt.

Erwartet heftig hat sich die Corona-Pandemie im ersten Quartal auf das Finanzvermögen privater Haushalte der gesamten Eurozone ausgewirkt. Deutsche kamen mit einem Verlust von 128 Mrd. Euro oder 2,0 % sogar noch vergleichsweise glimpflich davon. In der Eurozone insgesamt sank der Gesamtwert aller Finanzanlagen im ersten Quartal um 771 Milliarden Euro – ein Verlust von 3,0 Prozent. Das war der mit Abstand höchste Finanzvermögensverlust binnen drei Monaten in den letzten 20 Jahren.

Deutsche hielten in der Krise weniger Aktien

Dass es die Deutschen nicht so heftig traf, lag am hohen Anteil von Bankeinlagen und Bargeld (41 % in Deutschland gegenüber 35 % in der Eurozone) sowie Versicherungen (37 % in Deutschland gegenüber 35 % in der Eurozone) am gesamten Anlagevermögen. Diese Anlageformen reagieren gar nicht oder nur in geringem Maße auf Schwankungen des Kapitalmarktes. Der Anteil an Aktien, die stark mit dem Kaptalmarkt schwanken, ist hierzulande entsprechend geringer (10 % in Deutschland gegenüber 17 % in der Eurozone).

Anleger haben Börseneinbruch als Chance erkannt

Diese Skepsis scheint aber nun zumindest ein Stück weit überwunden. Thomas Dwornitzak, der bei der ING (früher: ING-DiBa) das Spar- und Anlagegeschäft leitet, spricht von einem Boom im Wertpapierhandel. Viele Anleger hätten die Kurseinbrüche genutzt, um am Aktienmarkt einzusteigen. „Unsere Kundinnen und Kunden haben so viel gehandelt, wie noch nie. Auch die Anzahl der Depot-Neueröffnungen erreichte einen Rekordwert.”

In der Folge ist mit der Erholung der Kapitalmärkte dann auch das Finanzvermögen in Deutschland wieder sprunghaft gestiegen – und zwar bis Ende Juni schätzungsweise um stolze 3,4 Prozent oder 212 Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert von 6,55 Billionen Euro. Innerhalb eines Quartals ist dies der höchste absolute Vermögensanstieg aller Zeiten sowie der dritthöchste prozentuale Anstieg der letzten 20 Jahre.

Vom Sparer zum Anleger

„Vor allem die höheren Aktieninvestments im ersten Quartal haben sich bereits im Folgequartal ausgezahlt“, sagt Dwornitzak. Immer mehr Kunden würden vom Sparer zum Anleger. Vor allem die Möglichkeit, über Fonds- und ETF-Sparpläne mit kleinen Beträgen regelmäßig in Wertpapiere zu investieren, sei für viele attraktiv.