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Berufsunfähigkeitsrente richtig beantragen

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hat, erhält eine regelmäßige Rentenzahlung, wenn er krankheitsbedingt nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann. Damit Sie die BU-Rente im Ernstfall schnell erhalten, ist ein vollständiger Antrag wichtig.

Das Wichtigste zum Antrag der BU-Rente

  • Voraussetzung: Einen Anspruch auf die Berufsunfähigkeitsrente haben Sie in der Regel ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit.
  • Antragsprozess: Reichen Sie ärztliche Befunde und Unterlagen vollständig ein. Je besser die Vorbereitung, desto schneller die Entscheidung.
  • Fehler vermeiden: Achten Sie auf korrekte Angaben, reagieren Sie auf Rückfragen und holen Sie sich bei Unklarheiten fachliche Unterstützung. So erhöhen Sie Ihre Chancen auf eine zügige Bewilligung.
  • Ablauf: Der Versicherer prüft Ihre ärztlichen Unterlagen und Gutachten. Bis zur Entscheidung vergehen oft mehrere Wochen bis Monate.
  • Ablehnung: Wird der Antrag abgelehnt, können Sie Widerspruch einlegen oder sich anwaltlich beraten lassen. Eine Schlichtung ist bei BU-Fällen meist nicht bindend.

Berufsunfähigkeitsrente beantragen: Voraussetzungen

Sie haben Ihre Arbeitskraft mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgesichert. Nun ist tatsächlich der Ernstfall eingetreten: Nach Einschätzung Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin können Sie Ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vollständig ausüben.

Jetzt gilt es, die BU-Rente zu beantragen oder – wie der Versicherer sagt – den Leistungsfall zu melden.

Einen Anspruch auf die BU-Rente haben Sie, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie sind nach ärztlicher Einschätzung zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig.
  • Diese Einschränkung wird voraussichtlich dauerhaft bestehen. Das heißt, in den kommenden sechs Monaten oder noch länger ist keine Besserung zu erwarten.

Dann gelten Sie im Sinne der Versicherung als berufsunfähig.

BU-Vertrag und Konditionen prüfen!

Die 50-Prozent-Regel ist der Standard in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Das bedeutet: Ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit erhalten Sie 100 Prozent der vereinbarten BU-Rente. Doch man kann nicht ausschließen, dass es auch Ausnahmen gibt. Zum Beispiel, wenn beim Abschluss der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung auch abweichende Schweregrade oder Staffelregelungen vereinbart wurden. Dann richtet sich die Rentenhöhe nach dem Grad der Berufsunfähigkeit.

Wer prüft, ob ich berufsunfähig bin?

Zunächst beurteilt Ihr Hausarzt, wie stark Ihre Erkrankung Ihre Arbeitsfähigkeit einschränkt. Dabei berücksichtigt er auch Befunde von Fachärzten und Kliniken.

Je nach Krankheitsbild kann diese Einschätzung auch direkt ein Facharzt übernehmen.

Prüfung durch den Versicherer

Auf Basis dieser Unterlagen bewertet die Versicherungsgesellschaft Ihren Fall, wenn Sie die BU-Rente beantragt haben. Dazu kann sie zusätzlich eigene Gutachter beauftragen. Hier besteht die Möglichkeit, dass diese bei der Feststellung des Grades der Berufsunfähigkeit zu einem anderen Ergebnis kommen als Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin.

Berufsunfähigkeit als Diagnose?

Eine Diagnose „Berufsunfähigkeit“ gibt es übrigens nicht. Ärztinnen, Ärzte und Gutachter beurteilen, wie stark Ihre Leistungsfähigkeit im konkreten Beruf eingeschränkt ist.

Abstrakte Verweisung als Stolperstein

Manche Versicherungsverträge enthalten eine Klausel zur sogenannten abstrakten Verweisung. Sie erlaubt es dem Versicherer, Sie auf einen anderen Beruf zu verweisen, wenn eine Berufsunfähigkeit für den aktuellen Job vorliegt, Sie aber grundsätzlich noch arbeitsfähig sind.

In diesem Fall muss keine BU-Rente gezahlt werden.

Beispiel: Ein Dachdecker kann wegen chronischer Schwindelanfälle nicht mehr auf Dächern arbeiten. Der Versicherer darf ihn dann auf eine andere Tätigkeit verweisen, etwa auf eine Arbeit als Gutachter.

Leistungslücken in der BU vermeiden

Achten Sie darauf, dass Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung den Verzicht auf die abstrakte Verweisung ausdrücklich enthält.

Berufsunfähigkeitsrente beantragen – Schritt für Schritt

Berufsunfaehigkeitsrente in 6 Schritten beantragen

Eine Berufsunfähigkeitsrente zu beantragen, dauert meist einige Wochen, manchmal auch mehrere Monate. Mit guter Vorbereitung sparen Sie Zeit und vermeiden unnötige Verzögerungen.

1. Ärztlichen Nachweis holen

Lassen Sie Ihre gesundheitlichen Einschränkungen frühzeitig von Ihrem Hausarzt oder dem Facharzt dokumentieren. Die ärztlichen Befunde sind die Grundlage für Ihren BU-Rentenantrag.

Wichtig ist, dass aus den Unterlagen deutlich hervorgeht, wie stark Ihre Erkrankung Ihre Arbeit beeinträchtigt. Das kann die Prüfung durch den Versicherer vereinfachen.

2. Versicherungsfall melden

Prüfen Sie, ob Sie die vertraglichen Voraussetzungen für die BU erfüllen.

Falls dies zutrifft, informieren Sie den Versicherer formlos per E-Mail, Telefon oder Brief oder auch über Ihren Versicherungsmakler.

Geben Sie Ihre Vertragsdaten an und teilen Sie mit, dass Sie BU-Leistungen beantragen möchten.

3. Fragebogen ausfüllen

Nach Ihrer Meldung sendet Ihnen der Versicherer die Antragsformulare und einen umfangreichen Fragebogen zu. Darin geht es um Ihre berufliche Tätigkeit, die gesundheitlichen Einschränkungen und eventuelle Sozialleistungen wie Krankengeld oder ein laufender Antrag auf die staatliche Erwerbsminderungsrente.

Folgende Unterlagen können für den Antrag erforderlich sein:

  • Steuerbescheide
  • Einkommensnachweise
  • Arbeitsvertrag
  • Reha-Berichte
  • Beschreibung des Berufs und einem typischen Arbeitsalltag

Tipp: Ergänzen Sie eine eigene Stellungnahme

Beschreiben Sie, welche Beschwerden bestehen und wie sie Ihren Arbeitsalltag verändern.

Hilfreich ist ein Vergleich im Format von "Wie haben Sie vor der Erkrankung gearbeitet, und wie arbeiten Sie heute?" So kann der Versicherer die Einschränkungen besser nachvollziehen.

4. Ärztliche Unterlagen beifügen

Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte müssen die Berufsunfähigkeit fachlich bestätigen.

Fügen Sie Ihrem Antrag Atteste, Laborbefunde, ärztliche Gutachten und ähnliche Nachweise bei, die den Eintritt der Berufsunfähigkeit belegen.

Unvollständige Unterlagen führen oft zu Verzögerungen.

Kontrollieren Sie alle Angaben auf Vollständigkeit und Verständlichkeit.

5. Prüfung durch den Versicherer

Nach Eingang des Antrags prüft die Versicherung Ihre Unterlagen. Dabei werden sowohl aktuelle Befunde als auch frühere Angaben in den Gesundheitsfragen kritisch unter die Lupe genommen.

Der Versicherer kann außerdem eigene Gutachter beauftragen.

Oft wird er Ihnen weitere Fragen stellen. Beantworten Sie diese am besten schriftlich, damit Sie im Zweifelsfall einen Nachweis haben, was gefragt wurde und welche Informationen Sie gegeben haben. Reagieren Sie aber auch zeitnah, um den Antragsprozess nicht zu verzögern.

Sorgfalt bei der Antragstellung zahlt sich aus

Unvollständige oder falsche Angaben, die Sie bereits bei der Gesundheitsprüfung beim Vertragsabschluss gemacht haben, können den Versicherungsschutz beim Antrag der BU-Rente gefährden.

Der Versicherer kann dann die Auszahlung der BU-Rente verweigern und sich darauf berufen, dass Sie die vorvertragliche Anzeigenpflicht verletzt haben.

6. Entscheidung des Versicherers

Wird eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent anerkannt, zahlt der Versicherer die vereinbarte BU-Rente, oft rückwirkend bis zum Eintritt der Berufsunfähigkeit.

Bei einer Ablehnung können Sie mit zusätzlichen Unterlagen oder Unterstützung durch einen Fachanwalt für Versicherungsrecht Widerspruch einlegen.

Bei einer Ablehnung können Sie mit zusätzlichen Unterlagen Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen und dafür auch juristische Hilfe in Anspruch nehmen.

Achtung: Schweigepflichtentbindung richtig wählen

Beim Antrag für die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente müssen Sie festlegen, wie der Versicherer medizinische Informationen einholen darf.

Dafür gibt es zwei Varianten:

❌ Umfassende Schweigepflichtentbindung

Der Versicherer darf ohne Rücksprache mit Ihnen Informationen bei Ärzten, Kliniken oder Krankenversicherungen anfordern.

Das ist zwar bequem, kann aber riskant sein: Sie geben die Kontrolle über Ihre Daten ab.

Oft werden mehr Informationen erhoben als nötig, etwa über verjährte oder irrelevante Behandlungen.

Das könnte bei möglichen Widersprüchen zu Problemen führen.

✅ Beschränkte Schweigepflichtentbindung

Hier wird der Versicherer vor jeder Anfrage um Ihre Zustimmung gebeten.

Das dauert etwas länger, schützt aber Ihre Privatsphäre und sorgt dafür, dass nur wirklich notwendige Daten weitergegeben werden.


Unser Tipp:

Wählen Sie unbedingt die beschränkte Schweigepflichtentbindung.

So behalten Sie die Kontrolle über Ihre Gesundheitsdaten und vermeiden Missverständnisse mit dem Versicherer.

Wann muss die Versicherung keine BU-Rente zahlen?

Nicht jeder Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente wird bewilligt.

Versicherer können die Auszahlung der BU-Rente aus verschiedenen Gründen ablehnen:

Grund
Erklärung
BU-Grad nicht erreicht Nach Einschätzung der Gutachter liegt der Grad der Berufsunfähigkeit unter 50 %.
Leistungsausschluss Die Ursache der Berufsunfähigkeit betrifft einen Körperbereich oder eine Erkrankung, die bei Vertragsabschluss vom Schutz ausgeschlossen wurde.
Verletzung der Anzeigenpflicht Relevante Vorerkrankungen wurden bei der Gesundheitsprüfung nicht angegeben.
Arbeitsplatzanpassung (Selbstständige) Bei Verträgen mit Umorganisationsklausel kann der Versicherer die Leistung verweigern und eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes verlangen (wenn zumutbar).
Arbeitsplatzanpassung (Angestellte) Der Ablehnungsgrund gilt nur, wenn der Arbeitgeber die Umgestaltung des Arbeitsplatzes tatsächlich übernimmt.
Fehlende Rückmeldung Reagiert der Versicherte nicht auf Rückfragen, kann der BU-Rentenantrag als abgebrochen gelten. Der Anspruch entfällt damit.

Versicherer prüfen mögliche Ablehnungsgründe sehr gründlich.

Wer vollständige und konsistente Angaben macht und Fristen einhält, senkt das Risiko einer Ablehnung deutlich.

Tipp: Reagieren Sie konsequent und zeitnah auf Rückfragen. Bleiben Sie dran, denn eine fehlende Antwort kann Sie den Leistungsanspruch kosten.

Für Personen, die an Depressionen oder Burnout leiden, kann dies eine besonders große Herausforderung sein. Dann ist es wichtig, dass Sie sich für das Beantragen der BU-Rente Hilfe an die Seite holen.

Rechtliche Unterstützung kann helfen

Ein BU-Antrag ist komplex. Versicherungen arbeiten mit Experten zusammen. Sie sollten das auch tun.

Unser Tipp: Lassen Sie sich schon beim Ausfüllen des Antrags von einem spezialisierten Rechtsanwalt oder einem Experten für BU beraten. Das erhöht Ihre Erfolgschancen und schützt vor teuren Fehlern.

Was tun, wenn der Versicherer den Antrag auf BU-Rente ablehnt?

Wird Ihre BU-Rente abgelehnt, bleiben Sie möglichst ruhig und prüfen Sie die nächsten Schritte genau. Häufig lässt sich die Entscheidung mit ergänzenden Unterlagen oder rechtlicher Unterstützung noch ändern.

1. Ablehnungsgründe genau prüfen

Fordern Sie vom Versicherer eine schriftliche Begründung an.

Prüfen Sie, auf welche Punkte sich die Entscheidung stützt, etwa fehlende Unterlagen, einen zu niedrigen BU-Grad oder widersprüchliche Angaben.

Dokumentieren Sie alle Gespräche und Schriftwechsel mit der Versicherung sorgfältig.

2. Unterlagen nachreichen

Fehlende Belege (wie Arztberichte oder die Tätigkeitsbeschreibung) können Sie nachreichen. Oft lässt sich die Leistungsprüfung so wieder fortsetzen, ohne gleich rechtlich gegen den Versicherer vorzugehen.

3. Rechtliche Hilfe holen

Holen Sie sich einen Anwalt oder eine Anwältin für Versicherungsrecht an die Seite. Die Person kann Ihre Erfolgschancen für einen Widerspruch oder eine Klage vor Gericht einschätzen und Sie bei weiteren Schritten unterstützen.

Achtung: Handeln Sie zeitnah. Für einen Widerspruch gelten oft Fristen von vier Wochen. Begründen Sie ihn sachlich und fügen Sie entsprechende Belege bei, die Ihre Einschätzung untermauern.

4. Schlichtung oder Klage erwägen

Bleibt der Widerspruch erfolglos, gibt es zwei Wege:

  • Schlichtungsverfahren: Sie können sich an einen Ombudsmann oder eine Ombudsfrau wenden. Für Verbraucher ist dieser Service kostenlos. Der Schlichtungsspruch ist nur bis 10.000 Euro Streitwert bindend, bei höheren Summen hat die Entscheidung nur Empfehlungscharakter.
  • Klage: Bringt auch die Schlichtung kein Ergebnis oder ist keine Option für Sie, bleibt der Rechtsweg. Eine Klage ist kostspielig; im Falle einer Niederlage tragen Sie eigene und gegnerische Kosten.

Tipp: Eine Rechtsschutzversicherung kann in solchen Fällen helfen. Sie übernimmt im Rechtsfall die Anwaltsgebühren und Gerichtskosten und bildet damit ein wichtiges Sicherheitsnetz, wenn das Einkommen durch Berufsunfähigkeit wegfällt und die BU nicht zahlt.

Häufig gestellte Fragen

Der Hausarzt stellt fest, ob Sie arbeitsunfähig sind oder nicht. Eine konkrete Diagnose wie Erwerbsunfähigkeit oder Berufsunfähigkeit gibt es nicht.

Der Arzt oder die Ärztin kann aber ein Attest über Ihre gesundheitlichen Einschränkungen ausstellen. Dieses Dokument kann bei einem Antrag auf BU-Rente helfen, da es beschreibt, wie sich die Erkrankung auf Ihre berufliche Leistungsfähigkeit auswirkt.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung belegt lediglich, dass Sie vorübergehend nicht arbeitsfähig sind.

Berufsunfähig sind Sie, wenn diese gesundheitlichen Einschränkungen nach ärztlicher Einschätzung mindestens sechs Monate andauern und Ihre Arbeitskraft zu mindestens 50 Prozent verringern.

Die Bearbeitung dauert meistens zwischen drei und sechs Monaten. Das Analysehaus Franke und Bornberg hat beispielsweise ermittelt, dass die durchschnittliche Bearbeitungszeit bei sechs Monaten liegt. Es kann jedoch auch länger als ein halbes Jahr dauern, ehe der Versicherer eine Entscheidung trifft.

Es gibt keine gesetzliche Frist, aber allgemein gilt: Je früher Sie den Antrag stellen, desto besser. Schließlich kann sich die Bearbeitungszeit über mehrere Monate hinziehen.

Viele Versicherer zahlen rückwirkend, häufig bis zu 36 Monate. Das ist jedoch nicht bei jedem BU-Tarif der Fall.

Versicherer dürfen die Zahlung beenden, wenn sich Ihr Gesundheitszustand verbessert und die Voraussetzungen für BU somit nicht mehr erfüllt sind.

Dazu können sie regelmäßige Nachprüfungen verlangen. Wenn die Versicherung die Leistung einstellen will, muss sie das schriftlich begründen.