Wann sich die Meilenjagd auch für Wenigflieger lohnt

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Berlin – Mit Vielfliegerprogrammen und den entsprechenden Karten wollen die Airlines ihre Kunden an sich binden und ihre Treue belohnen. Doch nicht jeder ist ein echter Vielflieger. Was machen zum Beispiel Menschen, die nur ein- oder zweimal im Jahr ins Flugzeug steigen? Für sie ist es schwierig, ausreichend Meilen für Prämienflüge zu sammeln – doch es gibt Wege, wie auch Wenigflieger Flugmeilen sammeln können.

Die meisten Fluggesellschaften locken ihre Passagiere mit Vielfliegerkarten. Doch nicht jeder Fluggast bringt es auf mehrere Flüge im Jahr. Allerdings hat man mehrere Jahre Zeit, um Prämienmeilen anzuhäufen.

"Die Programme sind kostenlos, man verliert also nichts", sagt Ravindra Bhagwanani, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Global Flight. So habe man die Chance, einen Freiflug zu bekommen. "Das ist für die meisten Wenigflieger die begehrteste Prämie." Allerdings müssen Meilensammler eines beachten: Steuern und Gebühren des Prämienfluges sind extra zu zahlen.

Ab wie vielen Flügen bringt eine Vielfliegerkarte eine Prämie?

"Man sollte versuchen, bei einem Programm möglichst viele Meilen zu sammeln – in der Luft und am Boden", sagt Alexander Koenig. Er war als Unternehmensberater selbst Vielflieger und ist Gründer von First Class and More, einem Spezialisten für geschicktes Meilensammeln. Beim Miles-and-More-Programm der Lufthansa etwa gebe es unzählige Aktionen, mit denen man Prämienmeilen sammeln kann.

Wer mindestens zwei- bis dreimal jährlich am besten Langstrecke fliegt, könne es in wenigen Jahren zum einen oder anderen Prämienflug bringen, sagt Oliver Kühn, Chefredakteur des Magazins "Reise & Preise". Vorausgesetzt, die Fluggäste wählen das richtige Programm.

Ein Beispiel: "Für einen Flug nach Neuseeland gibt es in der Economy Class im besten Fall 22.000 Meilen", erklärt Kühn. Um nach Mallorca und zurück zu fliegen, brauche man etwa im Executive-Club der British Airways 15.000 Meilen. Nach London und zurück kommt man schon für 8.000 Meilen. Das ist vergleichsweise attraktiv.

Doch nicht alle Airlines und Verbünde geben die Flüge bereits für so wenige Meilen her: Bei der Lufthansa kostet ein regulärer Europaflug (hin und zurück) 30.000 Meilen – eine Schwelle, die viele nur schwer erreichen. Eine so genannte Flysmart-Prämie bekommt man zwar für die Hälfte der Meilen, kann sie aber frühestens zwei Wochen vor der Reise buchen. Bei Air Berlin wiederum gibt es Schnäppchen-Prämien bereits ab 3.000 Meilen pro Strecke.

Wie finde ich das richtige Vielfliegerprogramm?

Man muss sich die Programme im Detail anschauen. Die Star Alliance um die Lufthansa sei für den Gelegenheitsflieger meist nicht relevant, sagt Ravindra Bhagwanani. Zu teuer sind die Prämienflüge und vor allem die Gebühren, die man noch zusätzlich zahlen muss.

Oliver Kühn rät, nicht unbedingt bei der Airline Meilen zu sammeln, mit der man am häufigsten unterwegs ist. "Manchmal gibt es bei einer Partnergesellschaft der jeweiligen Airline-Allianz mehr Meilen."

Ein Beispiel: "Wer viel mit Lufthansa fliegt, kommt bei United Airlines meist schneller zum Prämienflug – denn bei deren Flügen werden mehr Meilen gutgeschrieben." Und: Wer bei Lufthansa sammelt, kann seine Meilen für Prämienflüge bei der Tochter Eurowings einsetzen. "Da sind die Gebühren geringer."

Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Airlines und Verbünden?

Oft gilt: Wer wenig bezahlt, bekommt auch wenige Meilen. Doch manche Airlines schreiben für die günstigsten Buchungsklassen, die man meist angeboten bekommt, 100 Prozent Meilen gut – andere nur 25 Prozent, wie Kühn berichtet. Unter den großen Airlines seien British Airways (Oneworld) und United Airlines (Star Alliance) am großzügigsten. "Knauseriger seien Miles and More von Lufthansa oder Flying blue von Air France, die auf die günstigsten Tarife nur 25 Prozent geben.

"Blinde Treue macht in den meisten Fällen keinen Sinn, man muss sich immer das Preis-Leistungsverhältnis anschauen", rät Bhagwanani. Bei Billigfliegern sind die Vielfliegerprogramme nicht so weit verbreitet wie bei den großen Gesellschaften – doch sie können sich lohnen.

Worauf muss man achten, wenn man Flüge bucht?

Man sollte auf den Preis schauen, sagt Bhagwanani. "Und dabei alle Meilen mitnehmen, die man bekommen kann." Gelegenheitsflieger sollten für mehr Meilen keine Extra-Kosten in Kauf nehmen: "Das lohnt sich selten." Koenig rät, die Flugbuchung direkt auf der Webseite der Fluggesellschaft durchzuführen. Dort wird nämlich immer die Buchungsklasse mit angegeben.

Lässt sich das Meilenkonto nur mit Flügen füllen?

Es gibt verschiedene andere Wege. So kann man zum Beispiel über die Deutschlandcard für Air-Berlin-Flüge sammeln, Payback-Punkte können für das Miles-and-More-Konto umgewandelt werden. "Über eine Kreditkarte der jeweiligen Fluggesellschaft kann man ebenfalls Extrameilen sammeln", sagt Kühn. Der Kaufbetrag wird dabei nach einem bestimmten Schlüssel in Meilen umgewandelt. "Manchmal gibt es sogar für den Wechsel des Stromanbieters oder für den Kauf eines neuen Autos ordentlich Meilen." Allein Lufthansa biete mehr als 300 zusätzliche Sammelmöglichkeiten. Allerdings sollte man genau die Gebühren gegenrechnen: "Man muss etwa 10.000 Euro im Jahr umsetzen, damit sich die Gebühren lohnen", gibt Bhagwanani als Richtwert.

Kann ich als Familie gemeinsam Meilen sammeln?

Bei vielen Airlines und Allianzen sammelt jeder Passagier für sich, auch Kinder müssen eine eigene Karte haben. Das Zusammenlegen von Meilen auf einer Karte ist oft mit zusätzlichen Gebühren verbunden. Aber es gibt Ausnahmen: Manche Fluggesellschaften, etwa British Airways und Etihad, bieten ein Familienkonto an.