Depotübertrag: In drei Schritten zum Depotwechsel

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Das Wichtigste in Kürze

  • Schritt 1: Vergleichen Sie zuerst mehrere Angebote und suchen Sie sich ein neues Depot ohne Gebühren und mit geringen Orderkosten aus.
  • Schritt 2: Das neue Depot eröffnen Sie einfach online. Sie identifizieren sich mittels PostIdent-Verfahren. Manche Depotbanken ermöglichen auch eine Online-Identifizierung über VideoIdent.
  • Schritt 3: Übertragen Sie Ihre Wertpapiere auf das neue Depot. Danach können Sie das alte schließen, wenn Sie es nicht mehr benötigen.
  • Die Depotübertragung mit Gläubigerwechsel ist ein Sonderfall. Hier wird ein bestehendes Depot ganz oder teilweise an eine andere Person übertragen – zum Beispiel im Zuge einer Erbschaft, einer Schenkung oder einer Veräußerung.

Günstiges Wertpapierdepot finden

+++ Dieser Ratgeber wird regelmäßig aktualisiert. Die folgenden Informationen und Konditionen entsprechen dem aktuellen Stand im Mai 2019. Mögliche spätere Änderungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Bei der Geldanlage gehen alle Kosten zulasten der Rendite. Ein wichtiger Faktor ist das Wertpapierdepot. Wer hohe Depotgebühren zahlt oder mit den Konditionen für den Kauf von Wertpapieren nicht zufrieden ist, sollte über einen Depotwechsel nachdenken. Mit einem Depotübertrag können Anleger ihre Depotkosten oft deutlich senken. Wir erklären Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Depot wechseln und Ihre Wertpapiere reibungslos vom alten auf ein neues Depot übertragen können.

Schritt 1: Neues Depots finden

Für einen Depotübertrag benötigen Sie zuallererst ein neues Depotkonto. Achten Sie auf geringe Kosten. Für Depots bei Filialbanken müssen Sie in der Regel Gebühren zahlen, die sich meist aus einem fixen Grundpreis und einem bestimmten Anteil des aktuellen Depotwerts zusammensetzen. Summiert belaufen sich die jährlichen Depotgebühren dann schnell auf 0,5 bis 1 Prozent des aktuellen Depotvolumens. Diese Depotkosten müssen Sie mit der Rendite Ihrer Wertpapiere erst einmal ausgleichen, bevor Sie in die Gewinnzone vorstoßen.

Keine Depotgebühren beim Online-Broker und bei Direktbanken

Direktbanken und Online-Broker verzichten meist auf jährliche Depotgebühren. Während Direktbanken für gewöhnlich eine breite Palette an Finanzdienstleistungen anbieten, haben sich Broker ganz gezielt auf die Durchführung von Wertpapiergeschäften spezialisiert. In den folgenden Listen finden Sie eine Auswahl von Anbietern, die ohne Depotgebühren auskommen.

Gebührenfreie Depots bei Direktbanken:

Gebührenfreie Depots bei Online-Brokern:

0,5 Prozent Orderprovision sind keine Seltenheit

Ein zweiter wichtiger Kostenfaktor sind die Ordergebühren. Bei den meisten niedergelassenen Banken und Direktbanken steigt der Preis mit dem Ordervolumen. Online-Broker hingegen berechnen oft einen Pauschalpreis für jeden Kauf- und Verkaufsauftrag. Es spielt dann keine Rolle, ob Sie Aktien im Wert von 1.000 oder 10.000 Euro handeln – Ihre Ordergebühren sind immer dieselben. Die folgende Tabelle macht deutlich, wie unterschiedlich die Kosten abhängig von Ihrem Depotanbieter ausfallen können. Sie zeigt die durchschnittlichen Orderkosten der drei größten regionalen Filialbanken sowie der drei größten regionalen Filialbanken, Direktbanken und Broker für unterschiedliche Ordervolumen:

Orderkosten in Abhängigkeit vom Ordervolumen

Depotanbieter 1.000 Euro Order 5.000 Euro Order 10.000 Euro Order 15.000 Euro Order
Regionale Filialbank 12,47 Euro 26,63 Euro 51,63 Euro 76,63 Euro
Überregionale Filialbank 16,63 Euro 20,80 Euro 36,63 Euro 54,13 Euro
Direktbank 9,10 Euro 14,93 Euro 23,27 Euro 36,60 Euro
Broker 5,05 Euro 5,40 Euro 5,83 Euro 6,27 Euro

Je häufiger Sie Wertpapiere kaufen und verkaufen, desto wichtiger ist ein Depot mit niedriger Orderprovision – und zwar umso mehr, je größer das Ordervolumen pro Transaktion ausfällt. Für Anleger, die ihr Depot vor allem zur Verwahrung ihrer Aktien, Fonds und ETFs nutzen und es nur selten umschichten möchten, fallen die Ordergebühren weniger stark ins Gewicht.

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Das Depot muss zum Anleger passen

Welches Wertpapierdepot am besten zu Ihnen passt, hängt also entscheidend davon ab, welcher Typ Anleger Sie sind. Das gilt nicht nur in Bezug auf die Kosten. Weitere Auswahlkriterien sind die handelbaren Börsen und Wertpapiere sowie die möglichen Orderarten. Außerdem bieten einige Depots für ausgewählte Sparpläne Rabatte auf die Ordergebühren.

Rabattierte Sparpläne:
Viele Depotanbieter gewähren Anlegern, die regelmäßig eine bestimmte Summe in einen Fonds- oder ETF-Sparplan investieren, einen Rabatt auf den Kauf. Wie viele ETFs und Fonds zur Auswahl stehen und die genaue Höhe des Preisnachlasses, ist bei den verschiedenen Depots unterschiedlich. Wenn Sie in Sparpläne investieren möchten, ist dies ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl Ihres Depots.

Handelbare Börsen:
Nicht mit jedem Depot haben Sie direkten Zugang zu allen wichtigen Börsenplätzen der Welt. Insbesondere Vieltrader schätzen aber häufig die Möglichkeit, eine Order direkt an einer internationalen Börse platzieren oder am außerbörslichen Handel teilnehmen zu können.

Handelbare Wertpapiere:
Den Handel von Aktien, Fonds und ETFs ermöglichen fast alle Depots. Wer aber auch Zertifikate, Anleihen und Futures kaufen oder mit Währungskursen spekulieren (Forex-Handel) möchte, sollte bei der Auswahl des Depots darauf achten, ob die Bank oder der Broker den Handel dieser Wertpapiere ermöglicht.

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Orderarten:
Vor allem Anleger, die häufig traden, wollen ihre Wertpapierkäufe und -verkäufe zum bestmöglichen Zeitpunkt platzieren. Dabei helfen bestimmte Orderarten: Am häufigsten ist die sogenannte Market-Order. Damit kaufen Sie ein Wertpapier zum nächstmöglichen Zeitpunkt zum dann geltenden Börsenpreis. Mit einer Limit-Order kaufen Sie eine Aktie zum Beispiel erst dann, wenn sie einen bestimmten Kurswert unterschreitet. Eine Stop-loss-Order löst automatisch den Verkauf von Wertpapieren in Ihrem Depot aus, wenn diese unter einen festgelegten Kurs fallen. So lassen sich Verluste begrenzen. Nicht jedes Depot ermöglicht alle Orderarten.

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Schritt 2: Neues Depot eröffnen

Die Depoteröffnung ist unkompliziert. Bei einem Depotwechsel zu einem völlig neuen Anbieter müssen Sie zuerst Ihre persönlichen Daten eingeben. Neben Ihrer Bankverbindung zählen dazu auch Angeben zum Gehalt. Außerdem muss die depotführende Bank von Neukunden die bisherigen Erfahrungen mit Wertpapieren abfragen. Das verlangt die seit 2018 geltende EU-Richtlinie „Mifid-II“, die unerfahrene Anleger vor zu hohen Risiken bei der Geldanlage schützen soll. Wenn Sie später beim Traden Wertpapiere handeln wollen, für die Sie zu wenig Erfahrung haben, würde der Anbieter Sie vor der Geldanlage warnen.

Eröffnen Sie das Depot bei einer Bank, bei der Sie bereits ein Tagesgeld- oder ein Girokonto haben, brauchen Sie nichts weiter zu tun. Neukunden hingegen müssen zur Depoteröffnung nun noch ihre Identität nachweisen. In der Regel geschieht dies mit dem PostIdent-Verfahren. Sie gehen zusammen mit dem Antrag auf Depoteröffnung zu einer Postfiliale und weisen sich dort aus.

Als Alternative bieten manche Banken und Broker auch die Online-Identifizierung mittels VideoIdent an. Bei diesem Verfahren weisen Sie sich in einem Video-Chat ganz bequem am heimischen PC oder Smartphone aus. Nach der Antragstellung kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis Sie Ihr neues Depot nutzen können. Oft geht es deutlich schneller.

Schritt 3: Der Depotübertrag von Alt auf Neu

Um den Depotwechsel abzuschließen, können Sie nun Ihre Wertpapiere vom alten Depot auf das neue übertragen. Sie als Depotinhaber müssen dafür nicht viel tun. Die meisten Direktbanken und Online-Broker halten ein spezielles Formular bereit, mit dem Sie den neuen Depotanbieter zum Übertrag Ihrer Wertpapiere ermächtigen. Sie können entscheiden, ob Sie alle oder nur einen Teil der Wertpapiere aus dem alten Depot übertragen möchten. Außerdem können Sie auch verfügen, dass das alte Depotkonto nach der Übertragung der Wertpapiere gleich gekündigt und geschlossen werden soll.

People Component Oliver Maier

Oliver Maier

Geschäftsführer Verivox Finanzvergleich GmbH

Ein Depotübertrag innerhalb Deutschlands ist immer kostenfrei. Weder der alte noch der neue Depotanbieter dürfen Gebühren für die Übertragung Ihrer Wertpapiere verlangen.

Depotübertrag innerhalb Deutschlands ist kostenlos

Alle weiteren erforderlichen Schritte erledigen die beiden Banken oder Broker untereinander. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ist ein Depotübertrag innerhalb Deutschlands immer kostenlos. Weder der alte noch der neue Anbieter dürfen Ihnen dafür Gebühren in Rechnung stellen. Soll ein Depot aus dem Ausland übertragen werden, erfragen Sie die Gebühren am besten bei der abgebenden Depotbank.

Keine Veräußerung möglich, während der Depotübertrag läuft

Ein Depotübertrag innerhalb Deutschlands ist meist binnen ein bis zwei Wochen vollzogen. Die Übertragung von ausländischen Depots kann etwas länger dauern. Während das Portfolio vom alten auf das neue Depot übertragen wird, können Anleger nicht über ihre Wertpapiere verfügen. Sie können Ihre Aktien und Fondsanteile also nicht veräußern, während der Übertrag aufs neue Depot läuft.

Das alte Depot: behalten oder kündigen?

Ihr altes Depot wird nach einem Depotübertrag nicht automatisch geschlossen. Solange Sie es nicht explizit kündigen, bleibt es auch dann offen, wenn Sie sämtliche Wertpapiere auf das neue Depot übertragen haben. Allerdings sollten Sie das alte Depot auf Dauer nur behalten, wenn es keine unnötigen Kosten produziert und Sie noch Verwendung dafür haben.

Es kann durchaus Gründe geben, mehr als ein Wertpapierdepot zu nutzen: Manche Anleger unterhalten zum Beispiel ein separates Depot mit einem Sparplan für die eigenen Kinder, Patenkinder oder Enkel. Manchmal lassen sich mit zwei Depots auch Kosten sparen – etwa, wenn das Eine einen niedrigen Pauschalpreis pro Order und das Andere rabattierte ETF-Sparpläne bietet. Dann nutzen Sie das erste Depot zum Traden und das andere zum Sparen. Für viele Anleger dürfte ein Depot aber absolut ausreichen. Wenn Sie das alte Depotkonto nicht mehr benötigen oder es sogar Gebühren kostet, sollten Sie es nach dem Depotübertrag schließen.

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Depotübertrag mit Gläubigerwechsel

Ein Sonderfall ist übrigens der Depotübertrag mit Gläubigerwechsel. Hier wird ein Wertpapierdepot ganz oder teilweise an eine andere Person übertragen – etwa im Rahmen einer Erbschaft, einer Schenkung oder einer Veräußerung.

Grundsätzlich werden auf Veräußerungsgewinne beim Wertpapierverkauf 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag fällig. Wir empfehlen Ihnen deshalb, bei einem geplanten Depotübertrag mit Gläubigerwechsel einen Steuerberater einzubeziehen. Die folgenden Informationen dienen vor allem einer ersten Einordnung, welche steuerlichen Regeln gelten. Sie können eine professionelle Steuerberatung nicht ersetzen.

Depotübertrag im Rahmen einer Erbschaft:
Ein Depotübertrag im Rahmen einer Erbschaft gilt nicht als Veräußerung. Deshalb wird auch keine Abgeltungssteuer abgeführt. Es erfolgt lediglich eine Meldung gemäß Erbschaftssteuergesetz an das Finanzamt. Wenn der Wert des Depots den persönlichen Freibetrag übersteigt, muss also Erbschaftssteuer abgeführt werden. Die Höhe Ihres persönlichen Freibetrags hängt von Ihrem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser ab.

Mehr zum Thema Erbschaftssteuer: Freibeträge und Steuerklassen

Depotübertrag im Rahmen einer Schenkung:
Für eine Schenkung gelten ähnliche Regeln wie bei einem vererbten Depot: Auf das übertragene Depotvolumen muss also keine Abgeltungssteuer gezahlt werden. Schenkungssteuer fällt nur dann an, wenn der Depotwert die persönlichen Freibeträge übersteigt. Wie hoch die Freibeträge sind, hängt auch hier vom Verwandtschaftsgrad ab. Der Freibetrag kann alle 10 Jahre erneut ausgeschöpft werden.

Depotübertrag auf Ehepartner oder ein Gemeinschaftsdepot:
Steuerlich ist der Depotübertrag auf einen Ehepartner als Schenkung zu behandeln. Es gilt ein Freibetrag von 500.000 Euro. Auch ein Depotübertrag auf ein gemeinsam genutztes Depot kann als Schenkung gewertet werden – dann allerdings in der Regel nur zur Hälfte des übertragenen Depotwerts.

Depotübertrag ohne Gläubigerwechsel

Solange Sie Ihre eigenen Wertpapiere von einem Depot auf ein Neues übertragen, sich der Depotinhaber also nicht ändert, gilt der Depotübertrag steuerlich übrigens generell nicht als Veräußerung. Es werden also weder Abgeltungssteuer noch andere Steuern fällig. Achten sollten Sie darauf, dass die Ankaufdaten Ihrer Wertpapiere beim Übertrag korrekt weitergegeben wurden – vor allem das Kaufdatum und der Kaufkurs. Denn diese Anschaffungsdaten sind bei einem späteren Verkauf eine maßgebliche Grundlage für die Besteuerung