Alternative Heilmethoden aus der Naturheilkunde wie die Blutegeltherapie werden immer beliebter. Die kleinen Blutsauger versprechen Linderung bei chronischen Schmerzen. Besonders in der Behandlung von Arthrose und Rheumaerkrankungen findet die Blutegeltherapie immer häufiger Anwendung. Doch wie funktioniert die Blutegeltherapie eigentlich und was gilt es zu beachten?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wirkung der Blutegeltherapie
  3. Behandlungsablauf
  4. Anwendungsbereiche
  5. Nebenwirkungen
  6. Kosten
  7. Verwandte Themen
  8. Weiterführende Links
  9. Private Krankenzusatzversicherung: Vergleich der Tarife

Das Wichtigste in Kürze

  • Die im Speichel der Blutegel enthaltenden Wirkstoffe wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und blutverdünnend.
  • Besonders bei Gelenkerkrankungen wie Arthrose oder Rheuma wird die Blutegeltherapie angewendet.
  • Die Kosten für eine Blutegeltherapie liegen zwischen 40 und 100 Euro pro Sitzung.
  • Nebenwirkungen wie Blutergüsse, Juckreiz oder Rötungen können auftreten, sind aber meist harmlos.

Wirkung der Blutegeltherapie

Schon die alten Griechen, Römer, Inder und Chinesen wussten, wie nützlich die kleinen Blutegel sind und nutzten sie, um Schmerzen jeglicher Art zu bekämpfen. Heutzutage belegen wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Blutegeltherapie. Zwar wird mit einer Blutegeltherapie die Erkrankung nicht geheilt, aber dafür werden die Schmerzen gelindert. So müssen Patienten weniger Schmerzmittel zu sich nehmen.

Der Speichel eines Blutegels enthält 20 bis 30 entzündungshemmende, schmerzlindernde und blutverdünnende Substanzen. Diese Substanzen gibt der Blutegel während der Behandlung in die Wunde des Patienten ab. Dies geschieht, indem sich der Blutegel mit seinen kleinen Kalkzähnchen an die Wunde oder Haut des Patienten andockt. Bereits in den ersten fünf Minuten gibt der Blutegel seinen Speichel ab und der Transfer der wichtigsten Wirkstoffe beginnt.

Besonders die Substanzen Hirudin und Eglin gelten als sehr hilfreich und wurden von Wissenschaftlern intensiv erforscht:

  • Hirudin hat als Wirkstoff mehrerepositive Eigenschaften. Es hemmt die Blutgerinnung, löst dadurch bestehende Thrombosen und verhindert die Bildung neuer Thrombosen. Hirudin wirkt gefäß-krampflösend und hat dadurch eine entstauende Wirkung zur Folge. Es fördert die Bildung von weißen Blutkörpern (Leukozyten), wodurch das körpereigene Immunsystem gestärkt wird. Zudem beschleunigt Hirudin den Lymphfluss wodurch die in der Lymphe enthaltenden Schadstoffe vom Körper schneller ausgeschieden werden können.
  • Eglin wirkt Entzündungsprozessen entgegen, indem es entzündungsauslösende Enzyme blockiert. Außerdem wirkt es schmerzlindernd.

Einerseits helfen die im Speichel enthaltenen Substanzen bei der Schmerzlinderung. Andererseits trägt auch der Blutentzug zu einem Abklingen der Schmerzen bei.

Ein Blutegel saugt während eines Behandlungsvorgangs bis zu 15 Milliliter Blut. Die Wunde blutet durch die im Speichel der Blutegel enthaltenden Blutverdünner noch 12 Stunden nach. In dieser Zeit verliert der Patient noch einmal etwa 15 Milliliter Blut. Der Blutentzug wirkt:

  • Blutreinigend und entgiftend
  • Erleichternd und beruhigend
  • Entzündungshemmend und krampflösend

Besonderer Hinweis: Es gibt rund 20 verschiedene Egelarten. In der Therapie werden der medizinische Blutegel „Hirudo medicinalis“ und der ungarische Blutegel „Hirudo verbana“ genutzt. Die Blutegel werden speziell für therapeutische Zwecke gezüchtet. Da die Blutegel als zulassungspflichtiges Fertigarzneimittel gelten, sind bei der Zucht strenge Qualitätsstandards und Hygienebestimmungen einzuhalten.

Behandlungsablauf der Blutegeltherapie

Blutegel reagieren sehr empfindlich auf Gerüche und Ausdünstungen der Haut. Daher sollte die Haut drei Tage vor der Blutegeltherapie nicht mit Seife gewaschen und nicht eingecremt werden. Im besten Fall verzichten Sie auch auf Medikamente, Nikotin und Alkohol.

Vor der Behandlung wird die Haut mit warmem Wasser abgerieben, um die Durchblutung zu fördern und die Haut zu reinigen. Dann wird der Blutegel an der gewünschten Stelle platziert. Um dem Blutegel dabei zu helfen, sich an der richtigen Stelle festzubeißen, nimmt der Therapeut meist ein Schröpfglas zur Hilfe und bringt den Blutegel damit in Position. Nun ritzt der Blutegel mit seinen drei scharfen Kiefern die Haut an, verursacht eine sterile Wunde und beißt sich mit seinen kleinen Zähnchen fest. Sofort wird das betäubende Sekret abgegeben. Der Biss des Blutegel ist vom Patienten kaum spürbar und lässt sich mit einem Mückenstich vergleichen.

Der Behandlungsvorgang dauert etwa 30 bis 90 Minuten. Hat der Blutegel eine bestimmte Sättigung erreicht, lässt er von selbst los und wird vom Therapeuten abgenommen. Die Bissstelle wird steril versorgt. Je nach Blutfluss muss der Verband mehrfach gewechselt werden. Am nächsten Tag sollte sich der Therapeut die Wunde noch einmal ansehen.

Anwendungsbereiche der Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie zeigt hauptsächlich bei den folgenden Erkrankungen Wirksamkeit:

  • Arthrose
  • Rheuma
  • Gicht
  • Chronische Schulter-, Nacken- und Rückenschmerzen
  • Venenerkrankungen wie Krampfadern oder Thrombosen
  • Blutergüsse
  • Lähmungserscheinungen
  • Tinnitus
  • Migräne

Prinzipiell ist die Blutegeltherapie bei allen Erkrankungen, deren Ursache Durchblutungsstörungen oder Entzündungsprozesse sind, hilfreich.

Neben der entzündungshemmenden und schmerzlindernden Wirkung der Blutegel, verbessern sie auch die Wundheilung. Daher findet die Blutegeltherapie ebenfalls im Bereich der Hautverpflanzungen oder Transplantation von Ohren und Fingern Anwendung.

Nebenwirkungen der Blutegeltherapie

Die Nebenwirkungen der Blutegeltherapie sind meist harmlos. Es können Blutergüsse um die Bisswunde entstehen, die innerhalb von wenigen Tagen abklingen. Zudem kann es bis zu 48 Stunden nach der Blutegelbehandlung zu Juckreiz, Rötungen oder leichten Schwellungen kommen. Im Normalfall verheilt die Wunde innerhalb weniger Wochen. Bei Patienten mit verstärkter Narbenbildung kann eine kleine Narbe bleiben. Zudem kann es bei manchen Patienten nach der Behandlung zur Kreislaufschwäche kommen.

Eher seltene Nebenwirkungen der Blutegeltherapie können verstärkte Nachblutungen, allergische Reaktionen, lokale Entzündungen und Infektionen sein.

Die Blutegeltherapie eignet sich auf keinen Fall zur Selbstanwendung. Aufgrund die möglichen Nebenwirkungen ist es wichtig, die Behandlung von einem erfahrenen Therapeuten durchführen zu lassen.

Kosten einer Blutegeltherapie

Die Kosten für eine Blutegeltherapie setzen sich aus dem Beratungsgespräch, der Behandlung und dem Kontrolltermin zusammen. Je nach Therapeut und Anwendungsbereich können die Kosten stark variieren. Pro Sitzung muss mit 40 bis 100 Euro gerechnet werden. Hinzu kommen die Kosten für die Blutegel, die zwischen fünf und acht Euro pro Blutegel betragen. Pro Behandlung werden meist vier bis sechs Blutegel eingesetzt.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für eine Blutegeltherapie nicht, einige private Krankenkassen hingegen schon. Zudem gibt es Zusatzversicherungen wie die Heilpraktikerversicherung, mit denen Sie schon mit einem kleinen monatlichen Beitrag die Kosten für derartige Behandlungen decken können.

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