Rheuma ist der Oberbegriff für eine Reihe entzündlicher Systemkrankheiten, die dem sogenannten rheumatischen Formenkreis zuzuordnen sind. Sie betreffen vornehmlich die Gelenke und die Knochen, können sich aber auch auf Organe oder Blutgefäße auswirken. Welche Ursachen ihnen zugrunde liegen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Dementsprechend sind zwar lindernde, aber keine heilenden Therapien bekannt. Obwohl vor allem ältere Menschen betroffen sind, erkranken an manchen Rheuma-Formen auch jüngere Erwachsene und Kinder. Welche Rheuma-Varianten es gibt, woran sie erkennbar sind und welche etablierten Behandlungsmethoden es gibt, erfahren Sie bei Verivox.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rheuma gibt es in mehreren hundert Ausprägungen, die zusammen den rheumatischen Formenkreis bilden.
  • Die Ursachen von Rheuma sind noch nicht abschließend geklärt.
  • Rheuma ist nicht heilbar – verschiedene Therapien können die Beschwerden jedoch lindern.
  • Wer trotz Rheuma reisen möchte, sollte eine Auslandskrankenversicherung und eine Reiserücktrittsversicherung abschließen.

Was ist Rheuma?

Rheuma-Erkrankungen entstehen infolge von Entzündungen und gehen mit fließenden, ziehenden und reißenden Schmerzen einher. Daher kommt auch der Name: Das altgriechische Wort „rheuma“ bedeutet „Strömung“ oder „Fluss“. Den Begriff prägte der griechische Arzt Hippokrates schon im 4. Jahrhundert vor Christus. Stellte Rheuma für ihn damals noch eine einzelne Krankheit dar, sind heute mehrere hundert Arten rheumatischer Erkrankungen bekannt. Gemeinsam haben sie Folgendes: Das Immunsystem von an Rheuma erkrankten Menschen richtet sich gegen den eigenen Körper. Es löst Entzündungen aus, welche die befallenen Körperbereiche ohne Behandlung nach und nach zerstören. Betroffen sein können sowohl harte Strukturen wie Knochen, Gelenke und Knorpel als auch Weichteile wie Muskeln, Sehnen und Bänder – außerdem Organe, das Rippenfell, die Nerven oder die Gefäße.

Welche Arten von Rheuma gibt es?

Die verschiedenen Arten von Rheuma lassen sich in mehrere Überkategorien unterteilen. Dazu gehören folgende:

  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen (zum Beispiel rheumatoide Arthritis, Kollagenosen oder Vaskulitiden)
  • verschleißbedingte (degenerative) Erkrankungen der Wirbelsäule und der Gelenke (zum Beispiel Arthrose oder Sehnenscheidenentzündungen)
  • Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (zum Beispiel Gicht oder Hämochromatose)
  • rheumatische Erkrankungen der Weichteile (zum Beispiel Fibromyalgie)

Die häufigste und bekannteste Art von Rheuma ist rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis). Sie greift die Innenwände der Gelenke, die Sehnenscheiden und die Schleimbeutel an. Die Erkrankung betrifft doppelt so viele Frauen wie Männer und beginnt häufig in der zweiten Lebenshälfte. Aber auch junge Menschen und Kinder können daran erkranken. Da der Formenkreis des Rheumas so viele verschiedene Spielarten umfasst, ist die eindeutige Diagnose oft schwierig. Viele Antirheumatika wirken jedoch gegen mehrere oder sämtliche rheumatische Krankheiten.

Welche Ursachen liegen Rheuma zugrunde?

Wodurch Rheuma genau entsteht, ist bis heute nicht vollständig bekannt. Degenerative rheumatische Erkrankungen entstehen durch Verschleiß oder Überlastung, beispielsweise infolge von Übergewicht. Andere Rheuma-Arten, wie die rheumatoide Arthritis, sind Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem durch fehlgesteuerte Abwehrzellen den eigenen Körper angreift. Auch ein Nährstoffmangel, zum Beispiel von Calcium und Vitamin D, oder der Überschuss eines Stoffes können ursächlich sein. Am wenigsten Klarheit besteht darüber, wie Weichteilrheumatismus entsteht.

Als erwiesen gilt, dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Rheuma erhöht. Schon wenige Zigaretten am Tag reichen dafür aus. Frauen sind besonders häufig betroffen – nur ein Viertel der Erkrankten ist männlich. Außerdem ist Rheuma vererbbar. Es gibt Hinweise darauf, dass auch genetische Ursachen für rheumatische Krankheiten vorliegen können.

Welche Symptome treten bei Rheuma auf?

Die ersten Symptome einer Rheuma-Erkrankung sind meist noch recht unspezifisch. Die Betroffenen fühlen sich müde, sind appetitlos und haben manchmal leichtes Fieber. Später fühlen sich Körper und Gelenke vor allem am Morgen steif an. Die Gelenke sind zudem gerötet, warm und geschwollen. Die Beschwerden treten häufig symmetrisch auf; es sind also beispielsweise gleichzeitig beide Kniegelenke oder beide Fußgelenke betroffen. Bereits bei Auftreten dieser Symptome ist es ratsam, den Hausarzt aufzusuchen.

Je nach Form der rheumatischen Krankheit kann der weitere Verlauf sich schnell oder schleichend darstellen. Die Patienten erleiden immer stärkere Schmerzen, vor allem nachts, wenn sie sich nicht bewegen. Schließlich verformen sich die Gelenke, die Betroffenen leiden unter einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit. Ob die Symptome wirklich von Rheuma herrühren, stellt der Arzt fest, indem er im Blut gegebenenfalls den sogenannten Rheumafaktor oder andere Rheuma-typische Antikörper nachweist. Hält die Gelenkentzündung länger als sechs Wochen an, kann er zum Beispiel eine rheumatoide Arthritis diagnostizieren.

Wie lässt sich Rheuma behandeln?

Da es noch nicht genug Informationen zu den Ursachen und zur Entstehung von Rheuma gibt, lässt sich die Krankheit bislang nicht an der Wurzel behandeln – und somit auch nicht heilen. Den Ärzten stehen jedoch verschiedene Therapieformen zur Wahl, mit denen sich die Beschwerden lindern lassen. Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente stellen dabei eine erste wirksame Hilfe dar. Des Weiteren sind Physiotherapien ein wichtiges Mittel, die Beweglichkeit der Gelenke und die Muskelkraft zu erhalten. In der Ergotherapie können Patienten ihre Feinmotorik wieder verbessern. Auch physikalische Therapien mit Wärme, Kälte oder Elektrobehandlungen lindern die Beschwerden. Ist ein Gelenk bereits stark zerstört, kommt in manchen Fällen nur noch eine Operation infrage. Eine Prothese ersetzt dann das betroffene Gelenk.

Außerdem soll eine abgestimmte Ernährung die Beschwerden einer rheumatischen Erkrankung lindern. Mit der richtigen Ernährung kam es bei Rheuma-Patienten sogar vor, dass sie weniger Medikamente einnehmen mussten. Dabei sollen Patienten vor allem den Verzehr von Fleisch und Wurst reduzieren.

Was zahlt die Krankenversicherung bei Rheuma?

Wer an Rheuma erkrankt ist, stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang seine Krankenversicherung für die erforderlichen Behandlungen und Medikamente zahlt. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten die Kosten für alle zugelassenen Medikamente, die der Arzt dem Rheuma-Patienten verschreibt. Auch stationäre Klinikaufenthalte, beispielsweise für eine notwendige Operation, bezahlen sie. Alternative Heilmethoden, pflanzliche Arzneimittel oder die Teilnahme an Selbsthilfegruppen und Kursen für Rheumatiker übernehmen dagegen nur einige wenige Krankenkassen. Bei den privaten Krankenversicherungen sieht es etwas anders aus: Sie kommen nicht nur für die zugelassenen und vom Arzt verordneten herkömmlichen Medikamente auf, sondern übernehmen in vielen Fällen sogar die Kosten für alternativmedizinische Verfahren.

Auf Reisen müssen von Rheuma Betroffene besonders auf ihre Gesundheit achten. Sie sollten in jedem Fall eine Auslandskrankenversicherung abschließen, damit sie im Bedarfsfall auch außerhalb Deutschlands zum Arzt gehen können. Zudem empfiehlt sich eine Reiserücktrittsversicherung für den Fall, dass sich die Erkrankung kurz vor dem geplanten Urlaub verschlimmert.