Gerade wer in der Dämmerung auf Landstraßen unterwegs ist, muss mit Wildwechsel rechnen. Zusammenstöße mit Wildtieren können jedem Autofahrer trotz vorsichtiger Fahrweise passieren. Alleine 2017 wurden 228.490 Wildtiere im Straßenverkehr getötet. Das schlägt sich auch in der Schadensbilanz der Autoversicherer nieder. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) belegen Zusammenstöße mit Tieren mit 264.000 Fällen Platz 2 der häufigsten Schadensarten in der Teilkaskoversicherung. Für Autofahrer ist es vor allem wichtig zu wissen, wie sie sich im Ernstfall richtig verhalten. Von den grundlegenden Regeln am Unfallort bis hin zur Versicherungsmeldung – lesen Sie hier, was bei Wildunfällen zu tun ist.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Hier passieren die meisten Wildunfälle
  3. Unfall unvermeidbar – was jetzt?
  4. Richtiges Verhalten am Unfallort
  5. Wildschaden: Ein Fall für die Kaskoversicherung
  6. Wildschaden beim Versicherer melden
  7. Wann zahlt die Versicherung nicht?
  8. Kfz-Versicherungen vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Täglich kommt es in Deutschland durchschnittlich zu 740 Wildunfällen.
  • Das Risiko für Wildunfälle ist besonders hoch in der Dämmerung und zum Wechsel der Jahreszeiten im Frühjahr oder Herbst.
  • Die Kaskoversicherung reguliert Schäden durch Wildunfälle. Versicherte sollten in der Teilkaskoversicherung auf den Zusatzschutz „Erweiterte Tierschäden“ achten. Nur so sind Schäden durch alle Tierarten eingeschlossen.

So beugen Sie Wildschäden vor

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine vorsichtige und angepasste Fahrweise. Ein Zusammenstoß lässt sich dadurch zwar nicht komplett ausschließen. So kommen Sie vielleicht aber noch vor dem Tier zum Stehen oder vermindern zumindest die Wucht des Aufpralls.

Achten Sie im Dunkeln auch auf kleine, nahe zusammenstehende Lichtpunkte am Straßenrand. Das könnten die Augen von Wildtieren sein, in denen sich das Scheinwerferlicht reflektiert.

Generell gilt: Auf Landstraßen ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, auf Wildtiere zu treffen – besonders wenn die Strecken durch Waldgebiete oder an Feldern entlangführen. Achten Sie auf Verkehrsschilder zum Wildwechsel und fahren Sie hier besonders aufmerksam. Ein Tier kommt außerdem selten alleine: Meistens sind Rehe oder Hirsche im Rudel unterwegs, Wildschweine in Rotten.

Risiko Wildunfall: Wann ist die Gefahr am größten?

  • Wildtiere sind dämmerungsaktiv. Die meisten Wildunfälle passieren deswegen früh morgens oder abends.
  • Auch im Frühjahr oder Herbst steigt das Risiko für Wildunfälle. Rehe, Hirsche und Co. sind nach dem langen Winter oder nach der Erntezeit im Herbst häufiger auf Futtersuche. Im Oktober werden außerdem die Tage wieder kürzer und die Tiere suchen ihr Winterquartier.
  • Besondere Vorsicht gilt auch im März, wenn der Berufsverkehr durch die Zeitumstellung wieder in die Dämmerung fällt.

Hier passieren die meisten Wildunfälle

In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg oder Bremen ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass ein Hirsch vors Auto läuft. Anders sieht es in Bundesländern aus, in denen viele Landstraßen durch Waldgebiete führen. Das waldreiche Bayern ist Spitzenreiter beim Risiko vom Wildunfällen. 2017 wurden alleine auf bayerischen Straßen über 52.000 Wildtiere im Straßenverkehr getötet. Rehe sind häufiger als andere Tiere in Verkehrsunfälle verwickelt.

Unfall unvermeidbar – was jetzt?

In manchen Situationen ist ein Zusammenstoß einfach nicht mehr zu verhindern. Wer jetzt am Steuer sitzt, sollte schnell und besonnen reagieren. Sie sind dazu angehalten, verhältnismäßig zu handeln, also den Schaden gering zu halten. Dabei sollten Sie weder sich selbst noch andere in Gefahr bringen.

Das sind die wichtigsten Verhaltensregeln:

  • Bremsen Sie kontrolliert ab. Halten Sie das Lenkrad fest, um nicht vom Weg abzukommen.
  • Blenden Sie das Fernlicht ab. Der Lichtkegel kann Wildtiere unnötig irritieren, so dass sie mitten auf der Straße stehen bleiben.
  • Hupen Sie, um das Tier vielleicht doch noch von der Fahrbahn zu vertreiben.
  • Achten Sie darauf, ob weitere Tiere nachkommen.

Das sollten Sie jetzt nicht tun:

  • Vermeiden Sie riskante Ausweichmanöver. Unkontrollierte Reaktionen können Ihr eigenes Auto ins Schleudern bringen und von der Fahrbahn abbringen.
  • Gefährden Sie keine Dritten. Das gilt besonders bei Gegenverkehr oder wenn andere Autos hinter Ihnen fahren.

Vollbremsung bei Großwild

Steht plötzlich ein Wildschwein oder ein Hirsch auf der Straße, ist eine Vollbremsung angemessen und notwendig. Wer dagegen für Kleintiere wie Igel, Hasen oder Füchse eine riskante Vollbremsung hinlegt, und dabei einen Auffahrunfall verursacht, trägt unter Umständen eine Mitschuld.

Richtiges Verhalten am Unfallort

Am Unfallort gibt es einige Grundregeln, die Sie als Autofahrer kennen und beachten sollten. Die wichtigste Regel: Fahren Sie auf keinen Fall einfach weiter, sondern verständigen Sie die Polizei und das Forstamt – auch wenn das Tier bereits geflüchtet ist.

Diese fünf Schritte sollten Sie bei einem Wildunfall unternehmen:

1. Am Unfallort bleiben

Halten Sie an und stellen Sie das Fahrzeug ab. Wenn Sie bei einem verletzten Tier einfach weiterfahren, verstoßen Sie gegen das Tierschutzgesetz.

2. Unfallstelle absichern

Sichern Sie die Unfallstelle ab. Machen Sie den Warnblinker an und stellen Sie gut sichtbar und mit ausreichender Entfernung ein Warndreieck auf. Auf Landstraßen sollte der Abstand mindestens 150 Meter betragen. Bringen Sie sich dabei nicht unnötig selbst in Gefahr, gerade auf stark befahrenen Straßen.

3. Polizei rufen

Verständigen Sie die Polizei (110).

4. Forstamt informieren

Informieren Sie das Forstamt oder den zuständigen Wildhüter bzw. Jagdpächter. Meistens verständigen die Polizeibeamten den Zuständigen.

5. Unfallhergang dokumentieren

Dokumentieren Sie den Unfall gemeinsam mit der Polizei und dem Forstbeamten oder Jäger. Dazu gehören Fotos vom Unfallort, ein Unfallbericht und eine Wildunfallbescheinigung. Diese Unterlagen benötigen Sie später für Ihre Kfz-Versicherung.

Sind weitere Fahrzeuge beteiligt? Dann nehmen Sie die Kontaktdaten aller Unfallbeteiligten oder Zeugen auf.

Ist Ihr Fahrzeug nach dem Unfall nicht mehr fahrtüchtig, benachrichtigen Sie zusätzlich den Abschleppdienst.

Laden Sie sich Ihre kostenlose Checkliste für das Handschuhfach: „Was tun bei einem Wildunfall?“ mit einem Klick herunter (PDF-Download).

Umgang mit Wildtieren: So verhalten Sie sich richtig

  • Fassen Sie Wildtiere niemals an, egal ob sie verletzt sind oder nicht. Es besteht Ansteckungsgefahr (zum Beispiel Tollwut). Das Tier könnte außerdem aggressiv reagieren oder in Panik geraten.
  • Nehmen Sie Wildtiere unter keinen Umständen mit. Wer Wildtiere einfach mit nach Hause nimmt, macht sich der Wilderei schuldig – auch wenn es gut gemeint ist. Um verletzte oder getötete Wildtiere kümmert sich ein Fachmann vom Forstamt.

Wildschaden: Ein Fall für die Kaskoversicherung

Wurde Ihr Auto beim Zusammenstoß mit einem Wildtier beschädigt, kümmert sich Ihre Kaskoversicherung um die Schadensregulierung.

Die Kfz-Haftpflicht ist nicht für Schäden an Ihrem eigenen Auto zuständig. Sie zahlt nur bei Schäden, die Sie bei anderen verursacht haben. Wenn zum Beispiel ein anderes Auto durch Ihr Bremsmanöver aufgefahren ist, reguliert die Haftpflicht die Schäden am Auto des Unfallgegners.

Bei Teilkasko auf umfassenden Schutz achten

Die Teilkaskoversicherung kommt grundsätzlich für Wildschäden an Ihrem Auto auf. Einige Versicherer unterscheiden in ihren Verträgen aber die einzelnen Tierarten. In manchen Policen sind daher nur Zusammenstöße mit Haarwild enthalten. Dazu zählen Hirsche, Rehe, Wildschweine, Füchse, Marder, Hasen und selbst Fischotter oder Seehunde – andere Tiere sind jedoch vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Läuft Ihnen etwa eine Kuh, eine Katze oder ein Huhn vors Auto, zahlt die Versicherung nicht. Leistungsstarke Policen versichern Schäden durch alle Arten von Wild- und Nutztieren. Diese erweiterte Wildschadenklausel ist in vielen Tarifen inzwischen enthalten.

Bei Zusammenstößen mit Kleintieren kann der Schaden in den Bereich der Selbstbeteiligung fallen. Dann zahlen Sie die Reparaturkosten selbst. Die vereinbarte Grenze liegt häufig bei 150 Euro. Bei Unfällen mit Großwild liegt die Schadenssumme oft über der Selbstbeteiligung.

In eine höhere Schadenfreiheitsklasse werden Sie bei der Teilkaskoversicherung übrigens nicht rückgestuft. Ihre Kfz-Prämie erhöht sich also nicht und Ihnen entstehen keine finanziellen Nachteile.

Ist das Auto ein wirtschaftlicher Totalschaden, erhalten Sie Schadensersatz. Sie erhalten den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs, abzüglich des Restwerts des Unfallwagens. Umfangreichere Policen ersetzen den Neuwert eines Neuwagens oder den Kaufwert eines Gebrauchtwagens.

Vollkaskoversicherung

Ihre Vollkaskoversicherung übernimmt den Schaden, unabhängig von der Tierart. Wenn Ihre Vollkaskoversicherung den Schaden ersetzt, kommen Sie allerdings in eine höhere Schadenfreiheitsklasse. Damit wird die Kfz-Prämie teurer. Erst mit jedem weiteren unfallfreien Jahr werden Sie wieder in eine bessere Klasse eingestuft.

Wildschaden beim Versicherer melden

Damit Ihre Versicherung den Schaden ersetzt, müssen Sie den Wildunfall glaubhaft nachweisen. Dafür ist es wichtig, dass Sie bereits am Unfallort alle wichtigen Informationen dokumentiert haben. Achten Sie auch darauf, dass Sie Unfallspuren am Auto nicht gleich beseitigen. Wenn die Versicherung einen Gutachter beauftragt, geben alle Spuren am Fahrzeug Aufschluss über den Unfallhergang.

Das ist wichtig bei der Schadensmeldung:

  • Melden Sie den Kfz-Schaden innerhalb einer Woche Ihrem Versicherer.
  • Benachrichtigen Sie Ihren Versicherer telefonisch, schriftlich, online oder per App.
  • Füllen Sie das Schadensformular aus. Alle Angaben müssen vollständig und wahrheitsgemäß sein.
  • Legen Sie die Wildunfallbescheinigung vor.
  • Fügen Sie die Unfalldokumentation hinzu. Dazu gehören zum Beispiel Fotos oder eine Unfallskizze.

Wann zahlt die Versicherung nicht?

Schaden durch „Beinahe-Unfall“

Nicht jeder Wildunfall endet mit einem Zusammenprall. Was für die Tiere ein Glück ist, kann für den Fahrer zum Problem bei der Autoversicherung werden. Nimmt das Auto Schaden, fehlt der Beweis eines Wildunfalles. Bei der Teilkaskoversicherung helfen hier oft nur Zeugenaussagen. Die Vollkaskoversicherung reguliert zwar den Schaden, dafür steigt aber der Kfz-Beitrag.

Wichtig zu wissen: Das Tier ist geflüchtet und Sie sind nicht sicher, ob Sie es vielleicht gestreift haben? Benachrichtigen Sie den Jäger in jedem Fall. Der kann mit Spürhunden die Fährte aufnehmen und das vielleicht verletzte Tier finden.

Hat der Fahrer verhältnismäßig reagiert?

Wenn Sie Kleintieren ausweichen und Ihr Auto dabei Schaden nimmt, zahlt die Teilkaskoversicherung häufig nicht, auch wenn Beweise vorhanden sind. Denn wenn ein Igel über die Straße läuft und das Auto mit einem Totalschaden am nächsten Baum landet, hat der Fahrer unverhältnismäßig reagiert.

Ist der Fahrer dagegen ausgewichen, um größeren Schaden zu vermeiden, besteht der Versicherungsschutz weiterhin. Im Zweifelsfall muss so ein Fall vor Gericht geklärt werden.

Generell gilt: Riskante Ausweichmanöver setzen nicht nur die eigene Sicherheit und die Dritter aufs Spiel, sondern auch den Versicherungsschutz.

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