Im Bereich der KFZ-Versicherung spielen die Typklassen eine ausschlaggebende Rolle zur Berechnung der Prämien sowohl für die KFZ-Haftpflichtversicherung als auch für die Teil- und Vollkaskoversicherung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Typklasse wird einmal pro Jahr durch einen beauftragten Treuhänder berechnet, und zwar für jeden einzelnen Fahrzeugtyp.
  • Grundsätzlich gilt: Je höher die Typklasse angesiedelt ist (egal bei welcher Versicherungsform), desto höher fällt auch der Beitrag aus.
  • Autofahrer sollten beim Kauf des Autos vor allem auf die Typklasseneinstufung achten und nicht nur allein auf die Motorisierung.

Berechnung der Typklassen

Eine Typklasse versteht sich dabei als sogenannter Indexwert. Dieser wird einmal pro Jahr durch einen beauftragten Treuhänder berechnet, und zwar für jeden einzelnen Fahrzeugtyp. Die Berechnung erfolgt, indem die Gesamtsumme der Aufwendungen für Schäden durch die Anzahl der Jahreseinheiten des entsprechenden Modells geteilt wird. Somit bildet der Indexwert, der der Typklasse zugrunde liegt, jeweils das Verhältnis eines einzelnen Fahrzeugs zum Schadenbedarf aller Fahrzeuge dieses Typs ab. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft veröffentlicht jährlich im Frühherbst das neue Typklassenverzeichnis. Die Änderungen gelten dann ab dem 1. Januar des darauffolgenden Jahres.

Ausnahme bei Typklassen für bestimmte Fahrzeuge

Allerdings existieren nicht für alle Fahrzeugtypen solche Indexwerte, da bei Fahrzeugen mit sehr geringen Zulassungszahlen in Deutschland oftmals ein Vergleichsmodell fehlt. Für diese Fahrzeuge gibt es eine Präambel, durch die sie in eine Typklasse eingeordnet werden können. Ein ähnliches Problem existiert bei Fahrzeugen, die neu auf den Markt kommen oder importiert werden. Hier wird zunächst eine provisorische Typklasse bestimmt, die nach Schätzungen über das Schadenverhalten festgelegt wird. Später, wenn genügend aussagekräftige Daten vorliegen, kann dann eine regulär ermittelte Typklasse zum Einsatz kommen.

Die Gesamtsumme der Aufwendungen für Schäden errechnet sich nicht nur aus Unfallschäden, sondern auch aus Diebstählen, Schäden durch Vandalismus, Brände, Glasbruch usw. Es fließen also alle Schadensarten mit in die Berechnung ein.

Handhabung der Typklassen durch die Versicherungen

Wichtig zu wissen ist: Eine Versicherungsgesellschaft ist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, die durch den Treuhänder ermittelte Typklasse anzunehmen. In der Regel tun dies alle Autoversicherungen, allerdings gibt es einige wenige Ausnahmen bei bestimmten Fahrzeugtypen. Für die endgültige Festlegung der jeweiligen Typklasse ist immer die Versicherung selbst verantwortlich.

Folgende Typklassenstrukturen werden den einzelnen KFZ-Versicherungsformen zugeordnet:

  • Haftpflichtversicherung: Typklassen 10 – 25
  • Teilkaskoversicherung: Typklassen 10 – 34
  • Vollkaskoversicherung: Typklassen 10 – 33

Grundsätzlich gilt: Je höher die Typklasse angesiedelt ist (egal bei welcher Versicherungsform), desto höher fällt auch der Beitrag aus. Allerdings unterscheiden sich die Typklassen innerhalb einer Fahrzeugklasse und sogar innerhalb der verschiedenen Ausführung eines einzelnen Fahrzeugmodells teilweise sehr stark voneinander. Beispiel VW Golf: Während die PS-schwächeren Einstiegsversionen in recht günstige Typklassen eingeordnet sind, fallen die schnellen Modelle wie GTI oder GTD durchweg in die hohen Typklassen.

Hier zeigt sich, dass Motorleistung und Modellvariante eines Fahrzeugtyps die Einstufung in eine Typklasse beeinflussen. Des Weiteren kann es eklatante Unterschiede zwischen verschiedenen Karosserievarianten geben, zum Beispiel zwischen Limousine, Kombi und Coupé. Weiterhin beeinflusst die Fahrweise der Nutzer sehr stark die Typklasseneinstufung eines Fahrzeugtyps.

Sind Modelle besonders häufig in Unfälle verwickelt und sind die daraus entstandenen Schadenkosten hoch, erfolgt die Einstufung in eine teure Typklasse. Die Typklassen in Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko müssen jedoch nicht zwangsweise identisch sein oder nah beieinanderliegen. Eine günstige Einstufung in der Vollkasko hat nicht automatisch eine ebenso günstige Einstufung in der Teilkasko zur Folge: Klauen Langfinger zum Beispiel häufig ein bestimmtes Modell, steigt dessen Typklasse in der Teilkasko. Ist das Auto aber nur selten in Unfälle verwickelt, hat es eine günstige Vollkaskoeinstufung.

Typklassen beeinflussen Kfz-Beitrag mehr als PS-Zahl

Autofahrer sollten beim Kauf des Autos vor allem auf die Typklasseneinstufung achten und nicht nur allein auf die Motorisierung. Ein Opel Astra-K 1.6 (Baujahr 2012) hat zum Beispiel nur 95 PS, ein Audi Q3 Quattro (Baujahr 2014) hingegen 220 PS. In der Kfz-Versicherung ist der Opel (758 Euro) jedoch teurer als der Audi (649 Euro).* Der Grund ist die Einstufung in der Typklasse: Während der Audi in Haftpflicht, Teil- und Vollkasko die Typklasse 19 aufweist, hat der Opel die Typklasse 19 in der Haftpflicht, 20 in der Teilkasko und 21 und der Vollkasko. Abgesehen von der jährlichen Anpassung ist die Typklasse eine statische Größe bei der Berechnung des Kfz-Beitrages. Verbessern können Autofahrer diese also nicht.

*Modellfall: 35-jähriger Fahrer in Berlin, SF-Klasse 15, 12.000 km Fahrleistung im Jahr, Haftpflicht mit Voll- und Teilkasko (SB: 300 Euro & 150 Euro)

Kündigungsrecht des Versicherungsnehmers bei Änderungen der Typklassen

Da die Typklassen in der KFZ-Versicherung jährlich an die aktuelle Schadensentwicklung des jeweiligen Fahrzeugtyps angepasst werden, können sich dadurch Erhöhungen der Versicherungsbeiträge ergeben. In diesem Fall hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Dies gilt auch, wenn statt der Typklasse die Regionalklasse geändert wird – allerdings immer nur, wenn sich der Versicherungsbeitrag durch die Änderung erhöht. Die Kündigung kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der Beitragserhöhung ausgesprochen werden.