Zusatzprogramme bei sozialen Netzwerken

01.06.2010 | 09:13

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa/tmn

München/Berlin - Für viele Nutzer von sozialen Netzwerken sind Minispiele wie "Farmville" oder  "Brain Buddies" sozusagen das Salz in der Suppe. Das Angebot an Zusatzprogrammen ist jedoch nicht auf Spiele begrenzt, denn es gibt auch einige nützliche Applikationen, allerdings muss man ein wenig nach ihnen suchen.

Kontakte knüpfen, sich austauschen und präsentieren - das sind die ursprünglichen Funktionen von Facebook, StudiVZ oder Lokalisten. Doch viele nutzen die Netzwerke immer mehr auch zur Unterhaltung. Bei Facebook ist dieser Wandel besonders deutlich: Seit Einführung von "Farmville" im Juli 2009 boomt dort der Markt der sogenannten Social Games. Gut 65 Millionen Mitglieder weltweit sind täglich allein bei diesem Spiel aktiv, teilt dessen Entwicklerfirma Zynga mit.

Konkurrenz rüstet nach

Die Spielchen laufen als Applikationen - auch Apps genannt. Nach dem "Farmville"-Erfolg rüstete die deutsche Konkurrenz nach: Die VZ-Gruppe startete ihren Applikationsbereich im Dezember 2009. "Insgesamt wurden die Apps bereits 14 Millionen Mal installiert", so Sprecher Dirk Hensen. Auch Sozial-Netzwerke wie lokalisten.de oder wer-kennt-wen haben Zusatzprogramme im Angebot.

Während die VZ-Gruppe zuletzt nur über 60 Applikationen verfügte, ist die Anzahl bei Facebook nahezu unüberschaubar. Nutzer können aus mehreren Tausend Apps auswählen. Darunter ist aber auch jede Menge Nonsens. Wer wissen möchte, welcher Interpret der 90er er wohl wäre oder was ein Meerschweinchen über seine Freunde denkt, ist hier richtig.

Begrenzte Anzahl von hilfreichen Applikationen

Doch Apps müssen nicht nur dem Zeitvertreib dienen, sie können den Nutzern auch gute Dienste leisten. Der Haken dabei: "Es gibt noch nicht viele nützliche Applikationen für soziale Netzwerke", beklagt Dominik Hoferer von der Zeitschrift "Chip" in München. "Standard sind bisher nur Umfragen oder Kalenderfunktionen."

Anspruchsvolle müssen das Angebot schon genauer durchforsten - und könnten dann zum Beispiel auf einige Apps stoßen, die ihnen das Installieren weiterer Programme auf dem PC ersparen. So ist zum Beispiel Bildbearbeitung mit "Picnik" bei Facebook online möglich: Einfache Farbkorrekturen, Zuschneiden oder das Entfernen roter Augen beherrscht das Tool bereits.

Fileshare, Roomster & Zimride

"Mit der Applikation 'Fileshare' können Nutzer Dateien tauschen", so "Chip"-Redakteur Hoferer. Mit dem Programm "Files" wiederum lässt sich eine virtuelle Festplatte mit bis zu einem Gigabyte Kapazität einrichten. "Roomster" hilft Wohnungssuchenden und Anbietern, sich vor einem ersten Treffen ein Bild des Gegenüber zu machen - leider gibt es das Angebot bisher nur in den USA, Kanada und Großbritannien. Bei "Zimride" bietet Facebook eine Mitfahrzentrale, bei der man sich vor der gemeinsamen Fahrt beschnuppern kann.

Die Netzwerke setzen auf das Open-Source-Konzept: Theoretisch kann jeder Apps dafür erstellen und schnell verbreiten - Kenntnisse in JavaScript vorausgesetzt. Auch Unternehmen entdecken zunehmend das Marketing-Potenzial. "Der Erfolg einer App ist dabei weniger vom Budget als von einer guten Idee abhängig", betont Jens Doka, Geschäftsführer von lokalisten.de.

"Mit einer clever gemachten App kann mit einem vergleichsweise geringen Budget ein Maximum erreicht werden", so Doka. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die seit April erhältliche App "Langenscheidt Audio-Sprachkurs Englisch". Sie stattet Facebook-Nutzer alle zwei Tage mit einem Audiokurs inklusive Vokabeln und Grammatik aus. Das Angebot ist gratis, gleichzeitig nutzt es der Marke Langenscheidt.

Vorsicht bei Herausgabe persönlicher Daten

Setzt die Nutzung einer App jedoch die Angabe persönlicher Daten voraus, sollten Nutzer aufpassen. Denn bei einer Untersuchung sozialer Netzwerke in Sachen Sicherheit kam Stiftung Warentest vor kurzem zu einem klaren Urteil: "Alle sozialen Netzwerke haben Mängel beim Datenschutz sowie bei der Datensicherheit" (Zeitschrift "test", Ausgabe 04/2010).

Zwar versucht etwa die VZ-Familie ihren Nutzern mehr Einfluss auf die Verwendung ihrer persönlichen Daten zu geben, wie Sprecher Hensen versichert: "Sie können für jede App eine gesonderte Visitenkarte anlegen und darin individuell festlegen, welche Informationen zur Verfügung gestellt werden sollen." Doch erfolgreiche Angriffe auf die VZ-Portale zeigen: Nutzerdaten sind auch hier nicht rundum sicher.

Besonders bei Apps von Dritten, also bei solchen, hinter denen nicht die Netzwerk-Betreiber selbst stehen, ist Vorsicht geboten, warnt Susanne Dehmel vom IT-Verband Bitkom in Berlin. "Wenn ich eine Anwendung hinzufüge, ist das wie das Hinzufügen eines Freundes: Die App kann meine Daten einsehen", erklärt Hoferer.

Für die Zukunft ist zu erwarten, dass die Zahl nützlicher Apps zunimmt. Das wäre besonders bei kollaborativen Werkzeugen, die etwa das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten ermöglichen, zu begrüßen, so Hoferer. StudiVZ stößt als eines der ersten Netzwerke in diese Richtung vor: Mit dem "Netviewer Konferenzkasten" bietet das Portal seit April die Möglichkeit, Konferenzen mit bis zu 10 Teilnehmern gleichzeitig abzuhalten.