Wer braucht welche Surf-Geschwindigkeit?

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Gigabit-Internet ist in aller Munde: Schnelle Internetverbindungen mit einer Download-Geschwindigkeit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde werden stark beworben. Doch nicht jeder braucht gleich die schnellste Surf-Geschwindigkeit, dafür hat der eine oder andere oft ganz spezielle Anforderungen. Acht verschiedene Nutzertypen und das passende Surf-Tempo im Überblick.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schnelles Internet ist schon längst nicht mehr zwingend mit hohen Kosten verbunden. Die Preise für Top-Geschwindigkeiten sind in den letzten Jahren gefallen. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel die Preise einer 50-Mbit/s-Leitung gegenüber 16 Mbit/s kaum noch variieren.
  • Verschiedene Internettechnologien bieten verschiedene Maximal-Geschwindigkeiten: Kabelinternet und Glasfaser erreichen bis zu 1.000 Mbit/s. Gewöhnliches DSL bietet 50, die Weiterentwicklung VDSL bis zu 400 Mbit/s. Auch LTE- oder 5G-Mobilfunk kann das Breitbandinternet zu Hause ersetzen.
  • Verbraucher sollten mögliche Einschränkungen beachten: Erstens ist nicht jede Technologie überall verfügbar. Zweitens handelt es sich bei gebuchten Internetverbindungen um Maximalgeschwindigkeiten. Sind viele Nutzer gleichzeitig im Netz, kann die Bandbreite deutlich sinken.

1. Der Gelegenheitssurfer

E-Mails abrufen, Nachrichten lesen und bei Facebook vorbeischauen – dafür genügt ein regulärer DSL-Anschluss. Nur die ganz langsamen DSL-Anschlüsse bekommen da Probleme. Doch Verbindungen unter 6 Mbit/s bieten die Provider oft ohnehin gar nicht mehr an.

2. Der Streamer

Spätestens seit dem Siegeszug von Netflix ist Videostreaming in Deutschland angekommen. Für Filme in niedriger Qualität reicht ein klassischer DSL-Anschluss in der Regel aus – selbst wenn weniger als 16 Mbit/s aus der Leitung kommen. HD-Videos brauchen dagegen stabiles DSL mit mindestens 50 Mbit/s, besser sogar noch mehr. Sonst müssen Film- und Serienfans mit nervigen Qualitätsschwankungen oder Ladepausen rechnen.

3. Nutzer von Homeoffice und Homeschooling

Für Videokonferenzen ist leistungsstarkes Internet besonders wichtig – und zwar im Download genauso wie im Upload. Beim Austausch im professionellen Umfeld zählt außerdem die Stabilität der Leitung. Wer regelmäßig von zu Hause aus arbeitet, sollte deshalb bei der Internetverbindung nicht sparen und viel Bandbreite – ab 50 Mbit/s – buchen.

4. Der Zocker

Online-Spiele an PC und Konsole machen nur mit einer schnellen Verbindung richtig Spaß. Hier ist eine kurze Latenzzeit von Vorteil: Das bedeutet, dass die Internetverbindung möglichst schnell antwortet und sich die Reaktion nicht verzögert. Einfluss auf die Latenz hat zum Beispiel, ob man per WLAN oder – besser – per Netzwerkkabel surft. Auch ein ausreichend schneller Upload ist wichtig für Online-Gamer.

5. Der Datensammler

Wer viel herunterlädt, zahlt auch mehr oder wird irgendwann gedrosselt – zumindest im mobilen Internet. Bei DSL und Co. sind solche Regelungen dagegen inzwischen aus der Mode: Mehrere hundert Gigabyte müssen es schon sein, bis die Toleranzschwelle erreicht ist. Andere Anbieter drosseln gezielt Nutzer, die viel Filesharing betreiben. Für solche Anwender lohnt sich vor der Unterschrift daher ein Blick ins Kleingedruckte des Vertrages.

6. Die Familie oder WG

Klar, ein Gelegenheitsnutzer braucht kein schnelles Internet. Aber was ist mit fünf Nebenbei-Surfern unter einem Dach? Und was, wenn die nicht nur ins Netz, sondern auch spielen oder streamen wollen? In diesem Fall können 50 Mbit/s schnell knapp werden: Bei einer Überlastung der Leitung schrumpft die Geschwindigkeit und der Frust der Nutzer wächst. Highspeed-Verbindungen ab 100 Mbit/s sind daher für Familien oder Wohngemeinschaften durchaus empfehlenswert.

7. Der Uploader

Alle Fotos immer in der Cloud haben, wichtige Daten auf den Backup-Server schieben oder Videospiele live ins Netz übertragen: Weil immer mehr Szenarien einen stabilen und flüssigen Datenupload erfordern, wird der Versand gegenüber dem Download in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Früher waren beide Werte gekoppelt, inzwischen ist das nicht immer so. Wer viel hochlädt und Online-Backups nutzt, sollte sich daher nach speziellen Tarifen umsehen, die schnellere Uploads versprechen. Viele Internettarife bieten bereits 6 oder 10 Mbit/s im Upload, die Höchstwerte liegen sogar bei 40 Mbit/s und mehr. Glasfaser- und DSL-Tarife sind gegenüber Kabel bisher meist noch im Vorteil.

8. Der Abgeschnittene

In einigen Gegenden Deutschlands gibt es noch immer weder DSL noch Kabel. Einzige Alternative sind hier die schnellen Mobilfunkstandards LTE oder 5G. Das funktioniert, bringt aber einige Nachteile mit: Erstens teilt man sich den Zugang mit anderen Menschen in der Funkzelle. Sind viele Nutzer online, surfen alle langsamer. Zweitens gibt es in der Regel ein Downloadlimit und drittens sind die Angebote meist deutlich teurer als DSL oder Kabel.

Höchstgeschwindigkeit häufig ein theoretischer Wert

Die kluge Wahl des richtigen Anschlusses bringt allerdings nichts, wenn dann die Leitung lahmt: Der DSL- oder Kabelvertrag wurde mit 50 Mbit/s abgeschlossen, doch es kommt nur die Hälfte der Geschwindigkeit beim Verbraucher an. Viele Kunden kennen das Problem, denn es kommt nicht selten vor, dass die vom Provider angegebenen Werte vor Ort nicht machbar sind. Hintergrund ist, dass es sich bei den angegebenen Bandbreiten – die häufig mit der Formulierung „bis zu“ versehen sind – um theoretische Maximalwerte handelt, die nur unter idealen Bedingungen erreicht werden. Sind viele Menschen gleichzeitig im Netz, kann die Bandbreite deutlich sinken.

Liegt das Surftempo dauerhaft deutlich unter dem, was zuvor versprochen wurde, sollten Verbraucher sich zunächst mit ihrem Provider in Verbindung setzen. So kann man sich vielleicht über eine Preisminderung oder eine vorzeitige Kündigung einigen. Wer prüfen möchte, wie schnell die eigene Datenverbindung ist, kann sich mit einem Speedtest von der realen Geschwindigkeit überzeugen.