Behebung des Digitalisierungsstaus: Deutsche setzen auf "Ampel-Koalition"

19.10.2021 | 09:17

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Die Corona-Pandemie hat es deutlich gezeigt: In Deutschland besteht ein großer Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Doch wer kann das Land digital weiter voranbringen? Das Vergleichsportal Verivox wollte nach der Bundestagswahl per Umfrage wissen, welchen Parteien bzw. Koalitionen die Deutschen dies am ehesten zutrauen. Die größte Hoffnung ruht dabei auf einer "Ampel"-Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Ein weiteres Ergebnis: 90 Prozent der Befragten sprechen sich für weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur aus. Denkbar sei etwa eine garantierte Internetgeschwindigkeit oder ein Netzausbau durch den Staat.

"Ampel" genießt die größte Digitalkompetenz

34 Prozent der Deutschen trauen einer möglichen "Ampel-Koalition" aus SPD, Grünen und FDP am ehesten zu, die Digitalisierung in Deutschland voranzubringen – der mit Abstand höchste Wert in der Umfrage. Den nächstbesten Zustimmungswert erreicht mit der FDP eine Einzelpartei (14 Prozent); 12 Prozent sehen die höchste Digitalkompetenz bei einer "Jamaika-Koalition" aus Union, FDP und Grünen. Die bisherigen Regierungsparteien schneiden mit 9 Prozent (SPD) und 6 Prozent (CDU/CSU) deutlich schlechter ab. Auf den niedrigsten Wert kommt die Linke mit 2 Prozent.

Die Digitalkompetenz einer "Ampel-Koalition" wird in der repräsentativen Umfrage alters- und einkommensübergreifend hoch eingeschätzt, am stärksten von älteren Menschen ab 60 Jahren. FDP und Grüne erreichen die höchsten Zustimmungswerte unter jungen Menschen bis 30 Jahre. 21 Prozent der Deutschen sehen jedoch bei keiner der gängigen Parteien oder Koalitionen ausreichend Digitalkompetenz.

Große Mehrheit will weitere Maßnahmen für besseres Internet

Die neue Bundesregierung solle weitere Maßnahmen ergreifen, um mehr Bürgerinnen und Bürgern besseres Internet zur Verfügung stellen zu können: Dieser Aussage stimmen quer durch alle Wählergruppen 90 Prozent der Deutschen zu. Am niedrigsten ist die Zustimmung unter Unionsanhängern (85 Prozent), am höchsten bei Anhängern der Grünen und Linken (jeweils 95 Prozent).

50 Prozent der Befragten nennen als geeignete Maßnahme eine bundesweit garantierte Mindest-Surfgeschwindigkeit. Einen flexiblen Anbieterwechsel bei auftretenden Problemen sehen 39 Prozent als geeignetes Mittel, die Vergabe des Netzausbaus an den Staat 38 Prozent. 34 Prozent sind der Ansicht, die Internetanbieter sollten Strafen zahlen müssen, wenn die zugesagten Bandbreiten nicht erreicht werden.

Probleme bei fast jedem zweiten Internetanschluss zu Hause

Verivox hat auch gefragt, mit welchen Schwierigkeiten private Anwender bei der Internetnutzung zu Hause konfrontiert sind. 55 Prozent der Befragten sagen, ihre Internetanschlüsse funktionieren überwiegend oder völlig störungsfrei. 45 Prozent nennen Probleme bei der Internetnutzung, darunter an erster Stelle zu geringe Surfgeschwindigkeiten: Ein Viertel der Befragten sagt, der Anschluss sei ab und zu langsamer als gebucht, bei 15 Prozent ist dies öfter der Fall. Häufige bzw. gelegentliche Ausfälle des Internets monieren zusammen 24 Prozent.

Wegen der auftretenden Probleme haben sich 51 Prozent bereits bei ihrem Anbieter beschwert. Vergleichsweise wenige Menschen wandten sich an eine andere Stelle (Netzagentur, Politik) oder wechselten den Anbieter (jeweils 9 Prozent). 31 Prozent haben trotz der Probleme bislang nichts unternommen.

"Der Netzausbau hinkt der Realität hinterher", sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. "Der massiv gestiegene Bedarf an datenintensiven Anwendungen trifft auf eine vielfach unzureichende Infrastruktur. Die neue Bundesregierung ist in der Pflicht, das digitale Deutschland mit unbürokratischen Maßnahmen vom Standstreifen auf die Überholspur zu bringen."

Methodik

Die verwendeten Daten basieren auf einer Online-Umfrage der Innofact AG im Auftrag von Verivox, an der 1.004 Personen am 28. September 2021 teilnahmen. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.