Treuhänder spielen in vielen Bereichen des täglichen Lebens eine wichtige Rolle. Im privaten Leben kann ein Treuhänder beispielsweise das Vermögen des Treugebers für eine dritte Person verwalten (unmündige Kinder). Im Geschäftsleben finden sich treuhänderische Aktivitäten häufig im Kreditgeschäft. Bei dem Treuhänder kann es sich um eine natürliche Person oder um eine juristische Person handeln.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufgaben des Treuhänders
  3. Treuhänder im institutionellen Kreditgeschäft
  4. Verwandte Themen
  5. Weiterführende Links
  6. Jetzt Girokonten vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Treuhänder agiert immer auf fremde Rechnung.
  • Die Aufgaben sind vielfältig und hängen von den Vorgaben des Treugebers ab.
  • Treuhänderische Tätigkeiten fallen im Rahmen eines Notaranderkontos, bei der Vermögensverwaltung, bei Pfandbriefemissionen, aber auch bei Privatinsolvenzen an.
  • Im Fall einer Privatinsolvenz muss es sich bei dem Treuhänder um eine natürliche Person handeln.

Aufgaben des Treuhänders

Aufgabe eines Treuhänders ist es, den Willen des Treugebers umzusetzen. Ein Vormund beispielsweise arbeitet treuhänderisch, wenn er das Vermögen seines anvertrauten Mündels verwahrt und verwaltet.

Im Zusammenhang mit sogenannten Treuhandkonten gegenüber einem klassischen Konto besteht ein wesentlicher Unterschied. Normalerweise ist der Kontoinhaber die Person, der auch das Eigentum an der Einlage zusteht. Bei einem Treuhandkonto sind Kontoinhaber und Eigentümer der Einlage nicht identisch. Das Konto wird mit einem Zusatz eröffnet, der darauf hinweist, dass Kontoinhaber und Begünstigter nicht identisch sind.

Im Kreditgeschäft kann ein Treuhänder dazwischen geschaltet werden, wenn es darum geht, ein Geschäft Zug um Zug abzuwickeln. Einfachstes Beispiel dafür ist ein Notaranderkonto. Der Notar fungiert als Treuhänder für den gezahlten Kaufpreis, den er vom Notaranderkonto erst freigibt, wenn der Verkäufer einer Sache alle Bedingungen zur Übergabe erfüllt hat. Auf der anderen Seite weiß der Verkäufer, dass der Käufer seiner Auflage, der Zahlung des Kaufpreises, nachgekommen ist.

Ein weiteres Beispiel für eine treuhänderische Tätigkeit findet sich im alltäglichen Geschäft mit Ratenkrediten, genauer gesagt, bei Autokrediten.

Der Kreditnehmer tritt seinen Kfz-Brief als Sicherheit an die geldgebende Bank ab. Damit während der ordnungsgemäßen Rückführung des Darlehens mit dem Kfz-Brief für den Darlehensnehmer keine nachteiligen Geschäfte durchgeführt werden können, verwaltet das Kreditinstitut den Kfz-Brief treuhänderisch. Ein nachteiliges Geschäft läge vor, wenn das Fahrzeug anhand des Kfz-Briefes ohne Zustimmung des Eigentümers weiterverkauft würde.

Im privaten Kreditgeschäft spielen Treuhänder bei Krediten von privat an privat eine entscheidende Rolle. Finden sich auf einer entsprechenden Plattform mehrere Geldgeber, kann der Kreditnehmer nicht jedem Investor gesondert die Rate zurückzahlen. Er leistet die Gesamtrate an einen Treuhänder, in diesem Fall eine Bank, die wiederum jedem Investor anteilig seine Tilgung und Zinsen zukommen lässt.

Treuhänder in der Privatinsolvenz

Wer in ein Privatinsolvenzverfahren gerät, verliert den Zugriff auf noch mögliche vorhandene Vermögenswerte. Ab dem Eröffnungszeitpunkt der Insolvenz darf nur noch der Insolvenzverwalter Zahlungen aus dem Vermögen des Betroffenen vornehmen. In diesem Zusammenhang agiert der Insolvenzverwalter ebenfalls als Treuhänder.

Im Fall einer Privatinsolvenz muss der Treuhänder eine natürliche Person sein, die ihre Eignung nachweisen muss. Zum einen ist der fachliche Hintergrund ausschlaggebend, zum anderen der persönliche Hintergrund. Als fachlich qualifiziert gelten beispielsweise Rechtsanwälte oder Steuerberater. Hinsichtlich der persönlichen Qualifikation darf der Treuhänder im Fall einer Insolvenz mit der betroffenen Person weder verwandt noch verschwägert sein. Es dürfen auch keine wirtschaftlichen Verflechtungen bestehen.

Treuhänder im institutionellen Kreditgeschäft

Der Paragraf 82 Pfandbriefgesetz regelt die Rolle des Treuhänders noch einmal explizit im Zusammenhang mit der Vergabe von Pfandbriefen oder Derivaten. Es ist Aufgabe des Treuhänders, darüber zu wachen, dass bei einer Emission von Pfandbriefen der Wert der zugrunde liegenden Grundstücke tatsächlich dem Emissionsvolumen entspricht. Handelt es sich um Schiffshypotheken, muss er den Wert des jeweiligen Schiffs korrekt einschätzen. Dies gilt auch, wenn Flugzeuge über Pfandbriefe finanziert werden.

Den Rückstellungen bei Versicherungen, gerade der Altersrückstellung in der privaten Krankenversicherung, kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Versicherer, auch Lebensversicherer oder Anbieter von Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr, müssen zur Überwachung der ordnungsgemäßen Rückstellungen Treuhänder bestellen. Dabei ist es nicht ausreichend, dass nur eine Person treuhänderisch agiert, es muss auch ein Stellvertreter benannt werden.

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