Den Pflegegrad 4 erhalten alldiejenigen Personen, denen Gutachter eine schwerste Beeinträchtigung ihrer Selbstständigkeit attestieren. Versicherte haben dann einen Anspruch auf unterschiedliche Pflegeleistungen. Unter welchen Voraussetzungen die Pflegekasse einem Versicherungsnehmer den Pflegegrad 4 zuordnet und welche Leistungen ihm zustehen, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Voraussetzungen für Pflegegrad 4
  3. Leistungen
  4. Verwandte Themen
  5. Weiterführende Links
  6. Pflegezusatzversicherung: Vergleich der Tarife

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Pflegegrad wird durch ein Gutachten bestimmt, das der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (gesetzlich Versicherte) oder MEDICPROOF (Privatversicherte) erstellt.
  • In den Pflegegrad 4 stufen die Sachverständigen die begutachtete Person bei einem Punktewert von 70 bis 89,5 ein.
  • Aufgrund der Schwere der Beeinträchtigungen umfasst der Pflegegrad 4 sämtliche Arten von Leistungen, welche die Pflegekasse anbietet.

Voraussetzungen für Pflegegrad 4

In welchen Fällen eine Einstufung in den Pflegegrad 4 erfolgt, hängt von einem durch Sachverständige erstellten Gutachten ab. Gesetzlich Versicherte untersucht ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung – kurz MDZ. Privatversicherte Personen begutachtet MEDICPROOF, ein Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V..

Während Gutachter in der Vergangenheit einzig und allein den zeitlichen Pflegeaufwand bewerteten, liegt der Fokus mittlerweile auf der Selbstständigkeit der versicherten Person. Welche pflegefachlich begründeten Kriterien das medizinische Personal berücksichtigen muss, ergibt sich aus Paragraph 14 des Elften Sozialgesetzbuches. Dieser nennt die folgenden sechs Bereiche:

  • Mobilität, unter anderem Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition und Treppensteigen
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, unter anderem Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche und zeitliche Orientierung und Verstehen von Sachverhalten und Informationen
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, unter anderem motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe und autoaggressives Verhalten
  • Selbstversorgung, unter anderem An- und Auskleiden des Ober- sowie Unterkörpers, Benutzen einer Toilette und Waschen des Intimbereichs
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen, unter anderem in Bezug auf Medikation, auf Verbandswechsel und auf Arztbesuche
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte, unter anderem Gestaltung des Tagesablaufs, Anpassungen an Veränderungen und Interaktionen mit Personen im direkten Umfeld

Zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit findet ein Punktesystem Verwendung. Je nach körperlicher und geistiger Verfassung bewegt sich die Anzahl der Punkte zwischen 0 und 100. Je gravierender die Beeinträchtigung der begutachteten Person ausfällt, desto mehr Punkte erhält sie. Pflegegrad 4 entspricht einem Punktewert von 70 bis 89,5.

Welche Leistungen umfasst der Pflegegrad 4?

Menschen mit Pflegegrad 4 müssen in ihrem Alltag mit schwersten Beeinträchtigungen zurechtkommen. Daher haben entsprechende Personen einen Anspruch auf das komplette Leistungsportfolio der Pflegekasse. Für manche Leistungen gibt es Pauschalen. Andere Leistungen hängen dagegen vom Pflegegrad ab. Die nachfolgenden Abschnitte erläutern die wichtigsten Pflegeleistungen.

Pflegegeld

Wenn Verwandte oder Bekannte die Person mit Pflegegrad 4 in ihrem eigenen Haushalt versorgen, steht ihnen jeden Monat ein Pflegegeld in Höhe von 728 Euro zu.

Pflegesachleistungen

Falls ein ambulanter Pflegedienst sich im häuslichen Umfeld um den Versicherungsnehmer kümmert, ihn betreut und/oder bei der Haushaltsführung hilft, handelt es sich um Pflegesachleistungen. Bei Pflegegrad 4 liegt der von der Versicherung gezahlte Betrag bei 1.612 Euro pro Monat.

Besonderer Hinweis: Es kommt des Öfteren vor, dass sich sowohl Angehörige als auch ein professioneller Pflegedienst um die betroffene Person kümmern. In solch einem Fall besteht die Möglichkeit, Geld- und Sachleistungen zu kombinieren. Allerdings gilt hier: je mehr Sachleistungen der Bedürftige beansprucht, desto niedriger fällt das Pflegegeld aus.

Tages- und Nachtpflege

Wer bereits das Pflegegeld beansprucht, erhält gegebenenfalls einen Zuschuss für die Tages- oder Nachtpflege. Für die teilstationären Sachleistungen stellt die Pflegekasse bis zu 1.612 Euro je Monat bereit.

Kurzzeitpflege

Für die Kurzzeitpflege (zeitweise Unterbringung in einer stationären Einrichtung) stehen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 2 pauschal 1.612 Euro pro Jahr zur Verfügung. Sollte der Bedürftige im entsprechenden Jahr keine Verhinderungspflege in Anspruch genommen haben, kann der Versicherte sogar 3.224 Euro nutzen.

Verhinderungspflege

Sollte die Pflegeperson zeitweilig krank sein oder Urlaubstage benötigen, besteht die Möglichkeit, Verhinderungspflege durch einen professionellen Pflegedienst zu nutzen. Die Pflegekassen gewähren pro Jahr einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro. In entsprechenden Zeiträumen haben Versicherte zudem Anspruch auf die Hälfte des Pflegegeldes. Beansprucht der Versicherte im gleichen Jahr keine Kurzzeitpflege oder greift er nur auf einen Teil der Summe zurück, lassen sich 50 Prozent des übriggebliebenen Betrags für die Verhinderungspflege nutzen.

Vollstationäre Pflege

Für die Unterbringung in einem Pflegeheim stehen bedürftigen Menschen mit Pflegegrad 4 1.775 Euro zu. Allerdings deckt dieser Betrag die Kosten für die stationäre Pflege nicht komplett ab. Infolgedessen müssen sämtliche Bewohner eines Pflegeheims sogenannte einrichtungseinheitliche Eigenanteile (EEE) entrichten. Wie hoch diese ausfallen, hängt jedoch nicht vom Pflegegrad ab, sondern von der Einrichtung und der Art der Unterbringung.

Leistungen des Pflegegrads 4 im Überblick

Die nachfolgende Übersicht zeigt sämtliche Leistungen auf, die Personen mit Pflegegrad 4 zustehen:

Art der Leistung Betrag
Pflegegeld 728 Euro je Monat
Pflegesachleistung 1.612 Euro je Monat
Tages- und Nachtpflege 1.612 Euro je Monat
Kurzzeitpflege 1.612 Euro pro Jahr
Verhinderungspflege 1.612 Euro pro Jahr
Vollstationäre Pflege 1.775 Euro je Monat
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125 Euro je Monat
Pflegemittel 40 Euro je Monat
Wohnungsanpassung 4.000 Euro (Gesamtmaßnahme)
Wohngruppenzuschuss 214 Euro je Monat

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