Wer pflegebedürftig und mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft ist, kann Verhinderungspflege beantragen, wenn die normalerweise pflegende Person zum Beispiel krank ist oder Urlaub machen möchte. Das heißt, der Pflegebedürftige kann eine Vertretung engagieren und erhält dafür Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die genauen Umstände regelt das Sozialgesetzbuch im Elften Buch §39 SGB XI. Dort heißt es in Absatz 1: „Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr.“ Bei Verivox erhalten Interessierte weitere Informationen über die Bedingungen, die Leistungshöhe und Möglichkeiten der Inanspruchnahme von Verhinderungspflege.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verhinderungspflege ist eine Ersatzpflege, die Personen ab Pflegegrad 2 beantragen können, wenn ihr pflegender Angehöriger krank wird, Urlaub machen möchte oder Termine hat.
  • Die Verhinderungspflege können professionelle Pflegekräfte oder Privatpersonen übernehmen; wer sich vertretungsweise von Verwandten ersten oder zweiten Grades pflegen lässt, erhält allerdings keine Leistungen der Pflegekasse.
  • Die Pflegeversicherung übernimmt bis zu sechs Wochen beziehungsweise 42 Tage Verhinderungspflege mit Leistungen von maximal 1.612 Euro. Diese können Pflegebedürftige mit Leistungen für Kurzzeitpflege um bis zu 806 Euro aufstocken.
  • Der Antrag auf Verhinderungspflege kann auch rückwirkend gestellt werden.

Wer hat Anspruch auf Verhinderungspflege?

Anspruch auf Verhinderungspflege haben Personen, die in einen der Pflegegrade 2 bis 5 eingestuft sind und die von einem Angehörigen oder einer anderen Privatperson gepflegt werden. Die häusliche Pflege muss aber schon seit mindestens sechs Monaten durchgeführt worden sein, bevor die vertretende Pflegeperson mit ihrer Arbeit beginnt. Die Verhinderungspflege können sowohl professionelle Pflegekräfte als auch Privatpersonen wie Nachbarn oder Freundinnen durchführen. Keine Leistungen erhalten Pflegebedürftige hingegen, wenn sie vertretungsweise von Verwandten oder Verschwägerten bis zum zweiten Grad gepflegt werden – dazu gehören Eltern, Großeltern, Geschwister, Kinder und Enkelkinder sowie zum Beispiel Stief- oder Schwiegereltern, Stiefkinder, Schwiegerenkel, Schwager und Schwägerinnen sowie Stiefgroßeltern. Sie erhalten lediglich das Anderthalbfache des vom Pflegegrad abhängigen Pflegegeldes. Nur in Ausnahmefällen, wenn beispielsweise Fahrtkosten anfallen oder ein Verdienstausfall besteht, können auch Angehörige ersten oder zweiten Grades als Verhinderungspflegende anerkannt werden. Dasselbe gilt für Pflegepersonen, die mit dem Bedürftigen in einem Haushalt leben.

Wie viel Geld erhalte ich für die Verhinderungspflege?

Bedürftige, die Verhinderungspflege beantragen, erhalten pro Jahr Leistungen in Höhe von maximal 1.612 Euro aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Es ist zudem möglich, die Verhinderungspflege mit der Kurzzeitpflege zu kombinieren, die eigentlich für die stationäre Pflege über einen begrenzten Zeitraum hinweg gedacht ist. Noch nicht genutzte Leistungen aus der Kurzzeitpflege können nämlich bis zu 50 Prozent für die Verhinderungspflege verwendet werden. Das heißt, die Leistungen können sich um maximal 806 Euro erhöhen, also auf insgesamt 2.418 Euro. Umgekehrt ist dies übrigens ebenfalls möglich.

Wie lange werden Leistungen zur Verhinderungspflege gezahlt?

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten der Verhinderungspflege für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr. Das entspricht 42 Tagen. Diese müssen nicht am Stück in Anspruch genommen, sondern können über das ganze Jahr verteilt werden. Auch zur stundenweisen Freizeitgestaltung oder für wichtige Termine der regulär pflegenden Person kann der Bedürftige eine Vertretung engagieren. Sinn der Verhinderungspflege ist es, pflegende Angehörige zu entlasten und ihnen genügend Freiraum für Erholung zu geben. So können sie das Telefon auch mal ausschalten und müssen nicht ständig für den Pflegebedürftigen in Bereitschaft sein.

Wird das Pflegegeld weiterhin ausgezahlt?

Wer zu Hause gepflegt wird, erhält Pflegegeld, dessen Höhe vom Pflegegrad abhängt. Nimmt er Verhinderungspflege in Anspruch, erhält er nur noch die Hälfte des Pflegegeldes. Das gilt allerdings nicht für eine stundenweise Vertretung, konkret für Zeiträume von weniger als acht Stunden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Wenn also die reguläre Pflegeperson zu einem Arzttermin muss oder für zwei Stunden ins Kino geht, wird dem Bedürftigen weiterhin das volle Pflegegeld gezahlt. Auch während eines längeren Zeitraums von zum Beispiel 14 Tagen würde das Pflegegeld nur für 12 Tage gekürzt, am ersten und letzten Tag der Verhinderungspflege dagegen nicht.

Wie beantrage ich Verhinderungspflege?

Den Antrag auf Verhinderungspflege stellen Bedürftige bei ihrer Pflegekasse. Meist gibt es das Antragsformular auch online zum Download. Um gut planen zu können und sich eventuell beraten zu lassen, empfiehlt es sich, den Antrag zu stellen, bevor die Vertretung beginnt. Das ist aber nicht zwingend erforderlich. Auch im Nachhinein können die Kosten für die Verhinderungspflege noch mit der Pflegekasse abgerechnet werden. So können Pflegebedürftige auch in Not- und Krankheitsfällen schnell eine Ersatzpflegeperson organisieren, ohne erst auf die Bewilligung des Antrags warten zu müssen.