Der Garantiezins bezeichnet den Zinssatz, den die Anbieter von Lebens- und Rentenversicherungen ihren Kunden mindestens zusichern. Umgangssprachlich findet der Begriff Garantiezins für den Höchstrechnungszins Verwendung. Doch auch wenn in der Vergangenheit beide Zinssätze übereinstimmten, handelt sich um zwei verschiedene Zinssätze. Die Höhe des Garantiezinses 2017 liegt bei 0,9 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der oft fälschlicherweise als Garantiezins bezeichnete Höchstrechnungszins oder Höchstzinssatz ist der Zinssatz, den Versicherungen ihren Kunden maximal garantieren dürfen.
  • In der Vergangenheit sicherten die meisten Versicherer ihren Kunden einen Garantiezins in der Höhe des Höchstrechnungszinses zu.
  • Seit Beginn des neuen Jahrtausends begann das Bundesministerium für Finanzen mit einer stetigen Absenkung des Höchstrechnungszinses, um den sinkenden Marktzinsen Rechnung zu tragen.

Was ist der Höchstrechnungszins?

Der oft fälschlicherweise als Garantiezins bezeichnete Höchstrechnungszins oder Höchstzinssatz ist der Zinssatz, den Versicherungen ihren Kunden maximal garantieren dürfen. Investieren Kunden Geld für die spätere Absicherung in eine Lebensversicherung, muss das Versicherungsunternehmen sicherstellen, dass es später die eingezahlten Beiträge zuzüglich der im Vertrag mindestens garantierten Zinsen auszahlen kann. Dazu muss der Versicherer sogenannte Deckungsrückstellungen bilden, die auf dem nationalen oder internationalen Geldmarkt verzinst werden. Damit die Versicherungsunternehmen keine unrealistischen Versprechen machen und die Auszahlung der Lebensversicherung garantiert ist, wird der Zins vom Bundesministerium für Finanzen festgelegt.

Wie werden die Zinsen berechnet?

Die Berechnung des Höchstrechnungszinses erfolgte bis einschließlich 2015 folgendermaßen: Grundlage für den maximal von Versicherungen garantierten Zinssatz bildete die Umlaufrendite für europäische Staatsanleihen mit einem AAA-Rating und zehnjähriger Laufzeit. Fachleute projizierten diese Renditen unter Annahme von verschiedenen Szenarien in die Zukunft. Sie ergaben um ein Sicherheitspolster von 40 Prozent reduziert den Höchstzinssatz. Seit dem Jahr 2016 findet die Berechnung auf Grundlage der durchschnittlichen Fünfjahresrendite für Staatsanleihen mit AAA-Rating und einer Laufzeit von 20 Jahren statt. Das Ergebnis wird mit einem Sicherheitsabschlag versehen.

Wer legt den Höchstzinssatz fest?

Die Berechnungen nehmen verschiedene Experten vor. Die Deutsche Aktuarvereinigung führt Berechnungen durch und spricht Empfehlungen aus. Ebenso befassen sich Experten im Bundesministerium für Finanzen mit dem Thema. Eine endgültige Entscheidung trifft das Finanzministerium. Es legt den zukünftig geltenden maximalen Garantiezins durch eine Änderung der Deckungsrückstellungsverordnung fest.

Entspricht der Garantiezins dem Höchstrechnungszins?

In der Vergangenheit sicherten die meisten Versicherer ihren Kunden einen Garantiezins in der Höhe des Höchstrechnungszinses zu. Grundlage dafür sind Vorgaben im Handelsgesetzbuch. Ein Versicherungsunternehmen darf seinen Kunden nur den garantierten Zinssatz bieten, der über eigene Deckungsrückstellungen in der Bilanz abgesichert ist. Er darf die gesetzliche Vorgabe also nicht übersteigen. Als obere Grenze für den Garantiezinssatz hat der Gesetzgeber den Höchstrechnungszinssatz festgelegt.

Das bedeutet jedoch, dass die Versicherungen ihren Kunden einen Zinssatz unterhalb dieses Zinses bieten dürfen. Hier sollten Kunden die Bedingungen genau studieren. Einige Anbieter gehen dazu über, für Lebensversicherungen gar keinen Garantiezins mehr zu vereinbaren. Lediglich das eingezahlte Kapital abzüglich der Verwaltungskosten ist sicher. Diese Entwicklung führt dazu, dass Kapitallebensversicherungen immer unattraktiver werden.

Sind laufende Verträge von Zinssenkungen betroffen?

Maßgeblich für die Lebensversicherung ist der bei Vertragsabschluss vereinbarte Garantiezins. Dieser Zinssatz gilt danach für die gesamte Laufzeit des Vertrags. Das verdeutlicht, warum die Garantieverzinsung in den letzten Jahren stetig weiter gesenkt wurde. Denn auch bei niedrigen Marktzinsen oder erschütterten Finanzmärkten muss der Versicherer den Garantiezins leisten. Bis zur Jahrtausendwende war der Zinssatz sehr hoch, von 1994 bis 1999 sagten Versicherungen ihren Kunden nicht selten eine Verzinsung von vier Prozent fest zu. Die anhaltend niedrigen Zinsen seit der Finanzkrise belasten die Anbieter. Sie müssen die hohen garantierten Zinsen erwirtschaften, obwohl die Marktzinsen niedriger liegen.

Entwicklung des Garantiezinses

Seit Beginn des neuen Jahrtausends begann das Bundesministerium für Finanzen mit einer stetigen Absenkung des Höchstrechnungszinses, um den sinkenden Marktzinsen Rechnung zu tragen. Die Versicherungsunternehmen sind verpflichtet, den Senkungen zu folgen. Dementsprechend lag der Garantiezins bis zum Jahr 2016 bei 1,25 Prozent und wurde 2017 auf 0,9 Prozent gesenkt.

Allerdings können kapitalbildende Lebensversicherungen als Form der Altersvorsorge trotzdem lukrativ sein. Denn maßgeblich für eine Lebensversicherung ist nicht nur der garantierte Zins, vielmehr macht die Überschussbeteiligung die Rendite der Lebensversicherung attraktiv. Erholen sich die Marktzinsen, steigen diese Beteiligungen am Gewinn der Lebensversicherer unabhängig vom Garantiezins an.

Fazit: Vermehrt Verträge ohne Garantieverzinsung

Da die hohe Garantieverzinsung der Vergangenheit die Lebensversicherer stark belasten, bieten mittlerweile immer mehr Unternehmen Neuverträge ohne garantierten Zins an. Geschützt sind die Versicherungsnehmer lediglich vor dem Verlust des eingezahlten Kapitals. Diese Verträge geben den Anbietern die Möglichkeit, in risikoreichere Anlagen zu investieren, um attraktive Renditen zu erwirtschaften. Für den Kunden sind diese Angebote allerdings schwerer zu verstehen und bergen ein höheres Risiko.