Die sogenannte Zillmerung – auch unter der Bezeichnung Zillmer-Verfahren bekannt – findet bei der Berechnung der Prämie bestimmter Lebens- und Rentenversicherungen Verwendung. Sie ermöglicht es der Assekuranz, die Abschlusskosten rechnerisch auf die gesamte Vertragslaufzeit zu verteilen. Allerdings lässt sich das Verfahren lediglich bei einfach gestalteten Versicherungen nutzen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was ist die Zillmerung?
  3. Höchstzillmersatz durch Versicherungsvertragsgesetz festgelegt
  4. Die Finanzierung der Abschlusskosten mithilfe der Zillmerung berechnen
  5. Praxisbeispiel zur Zillmerung
  6. Verwandte Themen
  7. Weiterführende Links
  8. Lebensversicherung: Jetzt Angebote vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zillmerung ist ein mathematisches Berechnungsverfahren, mit dem Versicherungen die Abschlusskosten eines Vertrags gleichmäßig auf die einzelnen Prämien umsetzen.
  • Versicherungen dürfen als Zillmersatz höchstens einen Wert von 2,5 Prozent ansetzen.
  • Die gezillmerten Kosten werden wie andere Bestandteile des Lebensversicherungsbeitrags auf den Nettobeitrag aufgeschlagen.

Was ist die Zillmerung?

Jeder Versicherungsvertrag zieht Abschlusskosten nach sich. Dazu zählen beispielsweise Provisionen und die Berechnung des Risikos sowie die Ausarbeitung des Vertrags durch die Assekuranz. Die Kosten des Abschlusses trägt grundsätzlich die versicherte Person. In der Vergangenheit stellten die Gesellschaften ihren Kunden die Abschlusskosten zum Anfang der Vertragslaufzeit in Rechnung. Infolgedessen dienten die ersten Versicherungsbeiträge ausschließlich dazu, die Gebühren zu begleichen. Aufgrund des negativen Rückkaufwerts erhielten Kunden, die ihren Vertrag vorzeitig kündigten, gar kein oder nur vergleichsweise wenig Geld zurück.

Seit 2008 müssen die Versicherungsgesellschaften die Abschlusskosten gleichmäßig verteilen. Dies geschieht mithilfe des Zillmer-Verfahrens. Im Detail handelt es sich bei der Zillmerung demnach um ein mathematisches Rechenverfahren, mit welchem sich die Kosten des Abschlusses auf die einzelnen Versicherungsprämien umsetzen lassen. Die Versicherungen müssen die Kosten mindestens auf fünf Jahre verteilen. Viele Gesellschaften teilen die Gebühren jedoch auf die komplette Laufzeit auf. Darüber hinaus ermöglicht es das Verfahren der Assekuranz, den wirtschaftlichen Wert der Verpflichtung zu ermitteln, der sich für das Unternehmen aus dem Versicherungsvertrag ergibt. Es dient also gleichzeitig der Berechnung der Deckungsrückstellung.

Besonderer Hinweis:

„Teilweise bezeichnet der Begriff “Zillmerung“ auch den Umstand, dass der Wert eines Versicherungsvertrags zu Beginn der Laufzeit die Summe der eingezahlten Beiträge deutlich unterschreitet.“

Die Zillmerung lässt sich lediglich unter gewissen Voraussetzungen nutzen. Einerseits müssen die Beitragszahlungen über die komplette Vertragslaufzeit in konstanten zeitlichen Abständen erfolgen. Andererseits dürfen Kosten nur einmalig zum Anfang und konstant über die vertragliche Laufzeit verteilt anfallen. Daher kommt das Zillmer-Verfahren lediglich bei bestimmten Arten von Versicherungen zum Einsatz:

Höchstzillmersatz durch Versicherungsvertragsgesetz festgelegt

Der Zillmersatz gibt an, welchen Prozentsatz Versicherungen für die Abschlusskosten ansetzen können. Angaben zum möglichen Höchstzillmersatz lassen sich in Paragraph 4, Abschnitt 1 der Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV) finden. Seit dem 1. Januar 2015 darf der Zillmersatz 25 Promille – also 2,5 Prozent – der gezahlten Prämien nicht überschreiten, die nicht dem Versicherungsschutz und der Deckung der Verwaltungskosten dienen. Diese Beschränkung sorgt dafür, dass die Rückkaufwerte vorzeitig gekündigter Verträge höher als in der Vergangenheit ausfallen.

Die Finanzierung der Abschlusskosten mithilfe der Zillmerung berechnen

Mit dem Zillmer-Verfahren können Assekuranzen unkompliziert berechnen, welchen Einfluss die Abschlusskosten auf die Höhe der Versicherungsprämie haben, beziehungsweise wie sie sich auf die einzelnen Beiträge verteilen lassen. Dazu muss die Versicherung zunächst die Kosten des Abschlusses bestimmen, wozu sie folgende Formel nutzt:

  • Abschlusskosten = Gesamtbeiträge x Zillmersatz

Die gezillmerten Kosten lassen sich im Anschluss unter Berücksichtigung der Laufzeit ermitteln:

  • Gezillmerte Kosten = Abschlusskosten / Laufzeit

Die entsprechenden Kosten addiert die Versicherungsgesellschaft im Anschluss mit dem Nettobeitrag, woraus sich der gezillmerte Beitrag ergibt.

Praxisbeispiel zur Zillmerung

Wie das Zillmer-Verfahren im Detail funktioniert, soll nachfolgend an einem Beispiel erläutert werden. Angenommen, Frau Mustermann möchte eine Lebensversicherung über 25 Jahre abschließen. Sie vereinbart mit der Assekuranz einen monatlichen Sparbeitrag von 100 Euro. Über die Dauer der Laufzeit zahlt die Versicherungsnehmerin folglich 30.000 Euro ein. Das Versicherungsunternehmen rechnet mit einem Zillmersatz von 2,5 Prozent. Die nachfolgende Übersicht fasst die Daten zusammen:

  • Nettobeitrag: 100 Euro
  • Laufzeit: 25 Jahre (entspricht 300 Monaten)
  • Gesamtbeitrag: 30.000 Euro
  • Zillmersatz: 2,5 Prozent

Ausgehend von der Höhe der eingezahlten Beiträge kann die Versicherung Abschlusskosten von 750 Euro (30.000 Euro x 0,025) ansetzen. Damit gilt für die gezillmerten Kosten:

  • Kosten gezillmert = 750 Euro / 300 = 2,50 Euro

Dieser Wert ist nun zum Nettobeitrag zu addieren. Demzufolge liegt der gezillmerte Beitrag bei 102,50 Euro. Der Summe fügt die Assekuranz noch weitere Kostenfaktoren hinzu, wie die Verwaltungskosten und die Bezahlung des Versicherungsschutzes im Todesfall.

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