Der Begriff Gefahrerhöhung ist in Zusammenhang mit einer Versicherung eigentlich selbsterklärend. Der Versicherungsnehmer bezahlt die Prämie für den Versicherungsschutz auf ein von der Versicherung klar umrissenes Risiko. Kommt es zu einer Veränderung bei der Risikosituation, die ein höheres Risiko darstellt, erhöht sich die Gefahr. Damit sollte sich auch der Versicherungsschutz erhöhen. Wie kann eine Gefahrerhöhung aussehen und was sind die Obliegenheiten des Versicherungsnehmers?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Gefahrerhöhung: Definition
  3. Beispiele für eine Gefahrerhöhung
  4. Gerüste – die Falle in der Hausratversicherung
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Hausratversicherungen vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Spätere Abweichungen von den im Antrag dokumentierten versicherten Sachverhalten und Voraussetzungen können zu einer Gefahrerhöhung führen.
  • Versicherungsnehmer sind im Rahmen ihrer Obliegenheiten dazu verpflichtet, Änderungen anzuzeigen.
  • Nicht jede Gefahrerhöhung bedeutet automatisch eine Erhöhung der Versicherungsprämie.
  • Am häufigsten werden Gefahrerhöhungen bei der Kfz-Versicherung und der Wohngebäude- und Hausratversicherung unterschätzt.

Gefahrerhöhung: Definition

Der Umgang mit einer Gefahrerhöhung liegt nicht in der Willkür des Versicherers oder des Versicherungsnehmers. Die Definition und die Folgen sind klar in Paragraf 23 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) geregelt. Dort heißt es, dass der Versicherungsnehmer dem Versicherer jede Abweichung vom versicherten Risiko unverzüglich anzuzeigen hat. Paragraf 24 VVG befasst sich mit den Folgen einer nicht angezeigten Gefahrerhöhung. Der Versicherer hat in diesem Fall das Recht, den Vertrag sofort und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist aufzuheben.

Die unterlassene Anzeige einer Gefahrerhöhung muss seitens des Versicherungsnehmers noch nicht einmal mit böser Absicht geschehen. Häufig ist es einfach die Unkenntnis der Anzeigepflicht oder die falsche Einschätzung eines geänderten Sachverhaltes.

Beispiele für eine Gefahrerhöhung

Einer der harmlosesten Fälle einer Gefahrerhöhung findet sich in der Kfz-Versicherung. Der Versicherungsnehmer fährt im Laufe des Jahres statt 11.000 Kilometer, wie vertraglich festgehalten, 13.000 Kilometer. Würde er statt 9.000 Kilometer 11.000 Kilometer fahren, würde dies keine Rolle spielen. Die Versicherungsprämie bemisst sich allerdings an der jährlichen Fahrleistung und diese ist in Stufen unterteilt. Eine dieser Stufen liegt meist bei 12.000 Kilometer. Gemäß seiner Obliegenheit müsste der Versicherungsnehmer dem Versicherer am Ende des Jahres mitteilen, wie viele Kilometer er tatsächlich im Laufe des vergangenen Jahres zurückgelegt hat.

Ein Fahrzeughalter zieht um. Die neue Wohnung beinhaltet keinen Stellplatz in der verschlossenen Tiefgarage. Das Auto muss auf der Straße geparkt werden. Für die Kaskoversicherung ergibt sich jetzt eine Gefahrerhöhung, die ebenfalls anzeigepflichtig ist. Kommt es zu einem Schaden am Auto oder wird das Fahrzeug entwendet, ist der Versicherer theoretisch nicht mehr leistungspflichtig. Es sei denn, der Versicherungsnehmer hat die neue Parksituation gemeldet und bezahlt damit auch eine höhere Prämie.

Im Rahmen einer Unfallversicherung bedeutet die nachträgliche Ausübung bestimmter Sportarten ebenfalls eine Gefahrerhöhung. Wer bei Vertragsabschluss noch nichts mit Drachenfliegen zu tun hatte, aber später damit beginnt, muss dies der Versicherung anzeigen.

Gleiches gilt übrigens auch bei Lebensversicherungen, denen ein Nichtrauchertarif zugrunde liegt. Fängt die versicherte Person nach Vertragsabschluss an, zu rauchen, muss sie dies melden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Zigarette im Monat oder eine Packung am Tag handelt.

Gefahrerhöhung bei Immobilien

Grundsätzlich kann jede Sanierung oder Nutzungsänderung einer Immobilie zu einer Gefahrerhöhung führen.

Der Besitzer eines Einfamilienhauses erweitert das Gebäude um einen mit dem Haus fest verbundenen hölzernen Carport. Stand das Auto bislang auf der Straße und wird jetzt auf dem Grundstück im Carport untergestellt, wirkt sich das auf die Kfz-Versicherung Prämien mindernd aus. Anders verhält es sich aber mit der Wohngebäudeversicherung. Zum einen besteht durch den neuen Carport möglicherweise eine Unterversicherung, da er für das Gebäude wertsteigernd ist. Wichtiger ist aber die Gefahrerhöhung durch das leichter brennbare Holzkonstrukt. In diesem Beispiel ist eine Meldung an den Wohngebäudeversicherer unabdingbar, um den Versicherungsschutz vollumfänglich zu gewährleisten.

Installiert der Hausbesitzer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, führt dies ebenfalls zu einer möglichen Unterversicherung, aber auch zu einer Gefahrerhöhung. Gleiches gilt für den nachträglichen Einbau einer Fußbodenheizung oder eines innen gelegenen Swimmingpools.

Gerüste – die Falle in der Hausratversicherung

Viele Versicherer verlangen, dass der Versicherungsnehmer sie darüber informiert, wenn am Gebäude ein Gerüst aufgestellt wird. In der Regel bedeutet dies keine zeitlich begrenzte Mehrprämie. Dennoch muss die Meldung erfolgen.

Im Versicherungsantrag wird in der Regel gefragt, in welchem Stockwerk sich die zu versichernde Wohnung befindet. Eine Parterrewohnung ist einbruchsgefährdeter als eine Wohnung im zweiten Stock. Mit dem Aufbau des Gerüstes ändert sich dieser Sachverhalt jedoch. Für die Wohnungen ab dem ersten Stock besteht eine Gefahrerhöhung. Dies gilt im Übrigen auch für Einfamilienhäuser mit mehr als nur einem Wohngeschoss.

Steht eine Wohnung für einen längeren Zeitraum leer, weil sich der Bewohner beispielsweise im Ausland aufhält, erhöht dies ebenfalls die Gefahr eines eintretenden Schadens. Im Antrag fragen die Versicherer explizit, ob es sich um eine dauerhaft bewohnte Wohnung handelt oder nicht.

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