Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung)

Wenn das Einkommen eines Steuerpflichtigen dauerhaft so niedrig ist, dass keine Einkommensteuer anfällt, stellt das Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung aus. Hier lesen Sie, wie Sie eine NV-Bescheinigung beantragen – auch als Rentner – und welche Vorteile Sie daraus ziehen können.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was ist eine NV-Bescheinigung?
  3. Welche Voraussetzungen sind dafür nötig?
  4. Nichtveranlagungsbescheinigung bei höheren Einnahmen
  5. Nichtveranlagungsbescheinigung für Rentner
  6. Welche Vorteile Sie als Kapitalanleger nutzen können
  7. Die NV-Bescheinigung beantragen
  8. Verwandte Themen
  9. Weiterführende Links
  10. Jetzt Depots vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Nichtveranlagungsbescheinigung bestätigt, dass der Verbraucher keine Einkommensteuer bezahlen und keine jährliche Einkommensteuererklärung abgeben muss.
  • Sie ist vor allem dann interessant, wenn das zu versteuernde Einkommen niedrig ist, aber Kapitalerträge einen erheblichen Teil davon ausmachen.
  • Verbraucher erhalten eine NV-Bescheinigung, wenn ihr Einkommen in nächster Zeit voraussichtlich niedriger sein wird als der Grundfreibetrag.

Was ist eine NV-Bescheinigung?

Mit der Nichtveranlagungsbescheinigung, oder kurz NV-Bescheinigung, bestätigt Ihnen das Finanzamt zweierlei: Erstens müssen Sie keine Einkommensteuer bezahlen und zweitens sind Sie auch nicht verpflichtet, eine jährliche Einkommensteuererklärung abzugeben.

Welche Voraussetzungen sind dafür nötig?

Wenn das Finanzamt davon ausgehen kann, dass Ihr Einkommen in nächster Zeit niedriger ist als der Grundfreibetrag, erhalten Sie eine Nichtveranlagungsbescheinigung. Jedes Jahr passt das Bundesfinanzministerium den Grundfreibetrag an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten an. Für das Jahr 2018 liegt er bei 9.000 Euro für Ledige und 18.000 Euro für Verheiratete. Wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen unter dieser Grenze liegt, müssen Sie keine Einkommensteuer entrichten.

Nichtveranlagungsbescheinigung bei höheren Einnahmen

Auch wenn Ihre Einnahmen höher sind als der Grundfreibetrag, können Sie unter Umständen in den Genuss der Steuerfreiheit gelangen. So dürfen Arbeitnehmer von ihrem Bruttolohn zunächst einmal 1.000 Euro als Arbeitnehmer-Pauschbetrag abziehen oder höhere Werbungskosten gegen Nachweis geltend machen. Auch die Beiträge zur Sozialversicherung mindern das zu versteuernde Einkommen, das als Berechnungsbasis für die Einkommensteuer dient.

Nichtveranlagungsbescheinigung für Rentner

Wenn Sie Rentner sind, können Sie ebenfalls davon profitieren, dass Ihr zu versteuerndes Einkommen weitaus niedriger sein kann als die eigentlichen Einnahmen. Abhängig von dem Jahr, in dem Sie das erste Mal gesetzliche Altersrente bezogen haben, erhalten Sie einen so genannten Rentenfreibetrag, der gegenüber dem Finanzamt Ihre Renteneinkünfte mindert.

Beispiel: Ein Rentnerehepaar ist im Jahr 2010 in den beruflichen Ruhestand getreten. Von der damals erhaltenen Jahresbruttorente dürfen beide als Rentenfreibetrag jeweils 40 Prozent geltend machen. Daraus ergibt sich bei einer damaligen gemeinsamen Jahresrente von 20.000 Euro ein Freibetrag von 8.000 Euro, den sie jedes Jahr aufs Neue ansetzen dürfen. Wenn ihre Rente heute 24.000 Euro beträgt, gelten davon nur 16.000 Euro als steuerpflichtiges Einkommen – und weil dieses unter dem Grundfreibetrag für Verheiratete liegt, fällt keine Einkommensteuer an.

Welche Vorteile Sie als Kapitalanleger nutzen können

Die Nichtveranlagungsbescheinigung ist für Sie vor allem dann interessant, wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen niedrig ist, aber davon Kapitalerträge wie Zinsen oder Aktiendividenden einen erheblichen Teil ausmachen.

Hier gilt nämlich im Regelfall: Steuerfrei sind Kapitalerträge nur bis zur Höhe des jährlichen Sparerpauschbetrags von 801 Euro für Ledige oder 1.602 Euro für Verheiratete. Für darüber hinaus gehende Erträge kassiert das Finanzamt Abgeltungssteuer. Deren Höhe beträgt 25 Prozent, dazu kommen jedoch noch der Solidaritätszuschlag und eventuell noch Kirchensteuer. Damit zahlen Sie je nach Konfessionszugehörigkeit und Bundesland zwischen 26,38 und 27,82 Prozent Steuer auf Kapitalerträge, die über den Sparerpauschbetrag hinausgehen.

Wenn Sie keine Nichtveranlagungsbescheinigung erhalten haben, aber Ihr Gesamteinkommen trotzdem niedriger ist als der jährliche Grundfreibetrag, können Sie die einbehaltene Abgeltungssteuer wieder vom Finanzamt zurückholen. Allerdings müssen Sie dafür eine Einkommensteuererklärung erstellen und einreichen. Und: Die einbehaltene Steuer liegt erst einmal beim Finanzamt.

Den Sparerpauschbetrag ohne Steuerabzug überschreiten

Hier kommt nun die Nichtveranlagungsbescheinigung ins Spiel: Wenn Sie diese bei der Bank vorlegen können, erhalten Sie Zins- und Dividendenzahlungen ohne Steuerabzug – und das auch dann, wenn die Zahlungen Ihren Sparerpauschbetrag überschreiten. Gleichzeitig benötigen Sie auch keinen Freistellungsauftrag mehr.

Die wichtigsten Vorteile der Nichtveranlagungsbescheinigung

Sie müssen keine Einkommensteuererklärung erstellen, um Abgeltungssteuer zurückzuerhalten.Sie bekommen Kapitalerträge ohne Abzug von der Bank ausgezahlt, auch wenn diese höher sind als der Sparerpauschbetrag.Sie müssen keine Freistellungsaufträge mehr verwalten.

Die NV-Bescheinigung beantragen

Zuständig für die Ausstellung der Nichtveranlagungsbescheinigung ist Ihr örtliches Finanzamt. Dort fordern Sie den Vordruck mit der Bezeichnung „NV 1 A“ an. Alternativ dazu können Sie den Vordruck auch auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums als ausfüllbares PDF-Dokument herunterladen.

Welche Angaben muss ich machen?

Neben den allgemeinen Angaben zu Ihrer Person wie Name und Geburtsdatum, Adresse und Steuer-ID benötigt das Finanzamt die folgenden Informationen:

  • Angaben zur bisherigen Steuerveranlagung,
  • die Anzahl der benötigten Bescheinigungen sowie
  • eine vollständige Auflistung der voraussichtlichen Einkünfte in allen Einkunftsarten.

Wie lange gilt die Nichtveranlagungsbescheinigung?

Im Regelfall stellt das Finanzamt die Bescheinigung für einen Zeitraum von drei Jahren aus. Danach müssen Sie einen neuen Antrag stellen, wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen weiterhin unter dem Grundfreibetrag liegt.

Falls sich in der Zwischenzeit Ihr Einkommen erhöht und die Grenze der Steuerfreiheit überschritten hat, sind Sie verpflichtet, dies dem Finanzamt zu melden. In diesem Fall müssen Sie Ihr Einkommen versteuern, auch wenn die Nichtveranlagungsbescheinigung noch nicht abgelaufen ist.

Was ist sonst noch zu beachten?

Die Bank zahlt Ihre Erträge nur dann ohne Abzüge aus, wenn Sie dort die Nichtveranlagungsbescheinigung im Original einreichen – Kopien oder die Zusendung einer eingescannten Bescheinigung per E-Mail sind nicht gültig.

Achten Sie daher darauf, dass Sie bei der Beantragung eine ausreichende Zahl an Nichtveranlagungsbescheinigungen anfordern, um für jede Bankverbindung ein Exemplar zu erhalten.

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