Verbraucher-Atlas: Gender Pay Gap in Deutschland

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen

Nach wie vor verdienen Frauen in Deutschland deutlich weniger als Männer. Doch wie groß ist die Lohnlücke – der sogenannte Gender Pay Gap – zwischen Mann und Frau? Gibt es Unterschiede in den einzelnen Bundesländern oder zwischen Ost- und Westdeutschland? Und wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in Europa dar? Antworten erhalten Sie hier im Verbraucher-Atlas.

Großer Gender Pay Gap in Westdeutschland

Das Statistische Bundesamt bezifferte die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen für das Jahr 2018 auf 21 Prozent. Demnach verdienten Frauen im Schnitt 17,09 Euro brutto pro Stunde, Männer kamen auf einen Verdienst von 21,60 Euro. Allerdings sind die Gehaltsunterschiede in Deutschland nicht überall gleich groß.

Gender Pay Gap in Deutschland (unbereinigt)

Im Deutschland-Vergleich zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen alten und neuen Bundesländern. In Westdeutschland ist die Lohnlücke mit 17,7 Prozent in Schleswig-Holstein am niedrigsten. Den größten Gender Pay Gap weist Baden-Württemberg aus (26,8 Prozent). In den neuen Bundesländern liegt der durchschnittliche Verdienst von Männern und Frauen näher beieinander. Bundesweit am niedrigsten ist der Gender Pay Gap mit 5,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. Unter den neuen Bundesländern ist der Gender Pay Gap in Sachsen mit 11,7 Prozent am höchsten.

Ursachen für den unbereinigten Gender Pay Gap

Die Karte zeigt die Werte für den sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap. Gemeint ist die real existierende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – ungeachtet ihrer Ursachen. Laut Statistischem Bundesamt lassen sich rund drei Viertel des unbereinigten Gender Pay Gap auf strukturelle Unterschiede in den Beschäftigungsverhältnissen von Männern und Frauen zurückführen.

Das sind die drei wichtigsten Ursachen:

  1. Frauen arbeiten öfter in Branchen und Berufen mit niedrigem Gehalt.
  2. Frauen erreichen seltener Führungspositionen.
  3. Frauen arbeiten öfter Teilzeit und in Minijobs.

Wie erklärt sich der Ost-West-Unterschied?

Die hohe Bedeutung dieser strukturellen Ursachen erklärt auch die Diskrepanz zwischen alten und neuen Bundesländern. Traditionell ist die Frauenerwerbstätigkeit im Osten deutlich höher als in Westdeutschland.

Ein weiterer Grund für das auffällige Gefälle: Während Frauen überdurchschnittlich häufig im öffentlichen Dienst mit annähernd gleichen Tariflöhnen in Ost- und Westdeutschland arbeiten, wirken sich bei Männern die unterschiedliche Betriebsstruktur stärker aus. Große Unternehmen mit hohen Gehältern sind vor allem in Westdeutschland angesiedelt. Im Osten ist ein höherer Anteil der männlichen Arbeitnehmer in kleinen Betrieben mit tendenziell geringerem Verdienst beschäftigt.

Was ist der bereinigte Gender Pay Gap?

Wie groß der Gender Pay Gap noch ist, wenn er um strukturelle Faktoren bereinigt wurde, berechnet das Statistische Bundesamt alle vier Jahre – zuletzt im Rahmen der Verdienststrukturerhebung 2014. Demnach verdienen Frauen auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation 6 Prozent weniger als Männer. Auch der bereinigte Gender Pay Gap ist in Deutschland nicht überall gleich groß.

Bereinigter Gender Pay Gap in Deutschland

Die um strukturelle Ursachen bereinigte Lohnlücke verteilt sich deutlich weniger eindeutig über die einzelnen Bundesländer. Ein klares West-Ost-Gefälle ist beim bereinigten Gender Pay Gap nicht mehr zu beobachten. Im Gegenteil: Während der bereinigte Pay Gap in Schleswig-Holstein (4,4 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (4,7 Prozent) am niedrigsten ausfällt, ist er in den beiden neuen Bundesländern Brandenburg (9,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (7,4 Prozent) besonders groß.

Gender Pay Gap als Maßstab für Diskriminierung

Häufig wird der bereinigte Gender Pay Gap als eine Kenngröße für das Maß der Diskriminierung von Frauen interpretiert. Schließlich zeigt er Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation.

Allerdings schränkt das Statistische Bundesamt ein, dass bei der Berechnung nicht alle denkbaren strukturellen Faktoren berücksichtigt werden können. Vor allem zwischenzeitliche Erwerbsunterbrechungen können Einfluss auf den Verdienst haben, werden bei der Berechnung des bereinigten Gender Pay Gap aber nicht berücksichtigt. Die Behörde geht davon aus, dass die Lohnlücke anderenfalls geringer ausfallen würde. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) geht auf Grundlage eigener Berechnungen von einem bereinigten Gender Pay Gap in Höhe von 3,8 Prozent aus.

Ohnehin könnte die Fixierung auf den bereinigten Gender Pay Gap zu kurz greifen, um die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt zu messen. Denn auch der unbereinigte Gender Pay Gap ist real und hat gesellschaftliche Bedeutung. Schließlich lässt sich auch die Tatsache, dass Frauen seltener Führungspositionen bekleiden, als strukturelle Diskriminierung deuten – ebenso wie die vergleichsweise schlechte Bezahlung in Berufen und Branchen mit hohem Frauen-Anteil.

Gender Pay Gap in Deutschland besonders groß

Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Verglichen mit anderen Ländern in Europa ist der Gender Pay Gap in Deutschland besonders groß. Laut Eurostat-Daten ist die Lohnlücke innerhalb der Europäischen Union nur in Estland (25,6 Prozent) und Tschechien (21,1 Prozent) noch größer. Am niedrigsten sind die Verdienstunterschiede mit 3,5 Prozent in Rumänien. Doch auch in Italien (5 Prozent), Belgien (6 Prozent) und Polen (7,2 Prozent) sind die Gehaltsunterschiede vergleichsweise gering.

Gender Pay Gap in Europa

Lohnlücke seit Jahren konstant

In Deutschland hat sich die Lohnlücke in den letzten Jahren kaum verändert. Gesetzesinitiativen, die das Lohngefälle reduzieren sollten, blieben weitestgehend wirkungslos. Sowohl im gesamten Bundesgebiet als auch in den alten und neuen Bundesländern blieb der Gender Pay Gap konstant.

Entwicklung des Gender Pay Gap (unbereinigt)

Jahr Deutschland Alte / Neue Bundesländer
2018 21 % 22 % / 7 %
2017 21 % 22 % / 7 %
2016 21 % 23 % / 7 %
2015 22 % 23 % / 8 %
2014 22 % 24 % / 9 %

Folgen des Gender Pay Gap

Diese Lohnungleichheit bleibt nicht folgenlos. Frauen verfügen über weniger Kaufkraft und haben es schwerer, Vermögen aufzubauen. Weil das verfügbare Einkommen für Banken ein wichtiges Kriterium zur Einschätzung der Bonität ist, beeinflusst der Gender Pay Gap außerdem auch die private Kreditaufnahme.

Eine Verivox-Auswertung anlässlich des Weltfrauentags am 8. März hat gezeigt: Frauen können sich weniger Geld leihen und die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kreditwunsch abgelehnt wird, ist 23 Prozent höher als bei Männern. Außerdem erhalten sie seltener einen Kredit mit einem sehr niedrigen Effektivzins angeboten. In die Auswertung flossen alle Ratenkredite ein, die 2018 über Verivox beantragt und abgeschlossen wurden.

Kreditaufnahme: So wirkt sich die Lohnlücke aus

Frauen Männer
Einkommen (netto) 2.244 € 2.751 €
Genehmigte Kreditsumme 12.515 € 15.466 €
Zinsangebot unter 3% eff. 29% 34%

Wie Frauen ihre Kreditkonditionen verbessern können

Doch trotz der Gehaltsunterschiede können auch Frauen sehr gute Kreditkonditionen erhalten. Auch das belegt die Verivox-Auswertung: Fast 30 Prozent aller Frauen erhielt ein Kreditangebot mit einem Effektivzins unter 3 Prozent. Damit erhalten Frauen diesen sehr günstigen Zins zwar etwas seltener als Männer (34 Prozent). Doch laut Statistiken der Bundesbank zahlten Ratenkreditnehmer 2018 im Bundesdurchschnitt sogar 5,85 Prozent. Nur eine von acht Verivox-Kundinnen musste einen solch hohen Zinssatz zahlen. Der Kreditvergleich lohnt sich also.

Pfändungstabelle

Kreditaufnahme: So wirkt sich der Gender Pay Gap aus

Im Schnitt verdienen Frauen deutlich weniger als Männer. Das bleibt bei der Kreditaufnahme nicht ohne Folgen. Trotzdem können auch Frauen Kredite zu Top-Konditionen erhalten.

Kreditaufnahme: So wirkt sich der Gender Pay Gap aus

Zum Artikel

junge frau studiert online

Kreditablösung: Einfach umschulden und sparen

Im anhaltenden Zinstief lohnt sich die Ablösung und Umschuldung eines alten Darlehens fast immer. So einfach finden Sie heraus, wie viel Sie sparen können.

Kreditablösung: Einfach umschulden und sparen

Zum Artikel

Junges Paar sitzt zwischen Umzugskisten auf dem Boden mit Laptop auf den Knien

Kredit ganz ohne Papierkram - dank digitalem Kontoblick

Kreditauszahlung in Rekordzeit: Von der ersten Anfrage über die Bonitätsprüfung bis hin zur Unterschrift unter den Kreditantrag läuft alles volldigital. So funktioniert's.

Kredit ganz ohne Papierkram - dank digitalem Kontoblick

Zum Artikel

Verivox Verbraucher-Atlas

In welchem Bundesland zahlen Verbraucher am meisten für Strom? Wo ist das Gas am günstigsten und wie viel Geld kann eine Familie durch einen Tarifwechsel sparen? Welche Stadt surft am schnellsten im Internet und wo fahren die Autos mit den meisten PS? Der Verbraucher-Atlas zeigt regionale Unterschiede zu vielen wichtigen Verbraucherthemen aus den Bereichen Energie, Telekommunikation, Finanzen, Versicherung oder Mobilität. Auf übersichtlichen Deutschlandkarten erfahren Sie auf einen Blick, wie Ihre Region abschneidet und erhalten wertvolle Tipps zu Tarifen und Verträgen rund um Ihren Haushalt.

Zum Verivox Verbraucher-Atlas

Methodik der Auswertung

Für den Verbraucheratlas zum Gender Pay Gap in Deutschland wurden Daten des Statistischen Bundesamtes und von Eurostat ausgewertet: Die Daten zur unbereinigten und bereinigten Lohnlücke in den Bundesländern entstammen der letzten Verdienststrukturerhebung 2014. Die Entwicklung des unbereinigten Gender Pay Gap hat das Statistische Bundesamt im März 2019 veröffentlicht. Die Eurostat-Daten zum Lohngefälle in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union beziehen sich auf das Jahr 2017.