Wer hat eigentlich das Telefon erfunden?

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150 Jahre Telefon

Die elektrische Übertragung von Sprache stellte zum ersten Mal der italo-amerikanische Erfinder Antonio Meucci (1808-1899) in New York 1860 mit einer Fernsprechverbindung vor. Er meldete sie 1871 zum Patent an, konnte jedoch die Kosten für eine endgültige Registrierung nicht aufbringen. In Deutschland gilt der 26. Oktober 1861 als Stichtag für die Erfindung des Telefons, denn da stellte der Lehrer Philipp Reis seinen Fernsprecher im Frankfurter Physikalischen Verein vor. Um deutlich zu machen, dass der durch die Leitung gesprochene Text auch verständlich beim Empfänger ankommt, wählte er zum Test den berühmt gewordenen Satz: "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat."

Die Sprachübertragung beruhte auf der Umwandlung von Schallwellen in elektrische Signale mit Hilfe von Membranen, deren Schwingungen einen Stromkreis unterbrachen. Diese Impulse wurden am Ende der Leitung wieder in Schallwellen übertragen, die ein Resonanzkörper so verstärkte, dass man sie als Sprachsignale identifizieren konnte. Reis entwickelte sein Gerät zwar weiter und verkaufte es sogar als wissenschaftliches Demonstrationsobjekt. Doch am großen wirtschaftlichen Erfolg des Telefons merkte er nichts.

Streit zwischen Bell und Gray

Zugleich werden auch schottische, italienische und amerikanische Tüftler im Zusammenhang mit der Erfindung des Telefons genannt. Der berühmteste unter ihnen ist der Schotte Alexander Graham Bell (1847-1922), der das Telefon auf der Grundlage von Reis' Forschungen weiterentwickelte. Einen Patentantrag stellte Bell am 14. Februar 1876, genau zwei Stunden vor seinem wichtigsten Mitbewerber, Elisha Gray (1835-1901). Obwohl Grays Antrag detaillierter war erhielt der Schotte Bell den Zuschlag. 1877 gründete er die Bell Telephone Company, die zur größten Telekommunikationsgesellschaft der Welt wurde.

Skurrile Anekdoten

Die Geschichte des Telefons ist reich an skurrilen Anekdoten. Nachstehend eine Auswahl, sortiert nach Geschichten aus der Historie, von Prominenten und aus der heutigen Zeit.

  • Die ersten Sätze, die Philipp Reis am 26. Oktober 1861 in sein "Telephon" gesprochen haben soll, lautete: "Die Sonne ist von Kupfer" und "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat."
  • Das erste deutsche Telefonbuch wurde auch "Buch der Narren" genannt. Es erschien am 14. Juli 1881 in Berlin mit dem Titel "Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten" und enthielt 187 Einträge zu 94 Personen.
  • Die erste serienmäßige Telefonzelle der Reichspost wurde 1904 in Berlin aufgestellt. Eine Erfolgsgeschichte - bis sich das Mobiltelefon durchsetzte: 1989 gab es in Deutschland nach Angaben der Deutschen Telekom AG rund 162.000 Telefonzellen, 2009 waren es nur noch etwa 94.000, 2015 weniger als 28.000.
  • Die bundesweit einheitliche Notrufnummer der Polizei - die 110 wurde 1973 eingeführt. Vorher musste man die unterschiedlichen Rufnummern der örtlichen Polizei, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes kennen, um im Notfall Hilfe herbeirufen zu können.
  • Die automatische Vermittlung erfand ein misstrauischer Bestattungsunternehmer. Almon Strowger argwöhnte, die Damen in der Vermittlungsstelle seiner Heimatstadt würden Anrufe von Hinterbliebenen bevorzugt an die Konkurrenz weiterleiten. Deshalb entwickelte er den Hebdrehwähler - Basis für die ersten automatisch arbeitenden Telefonvermittlungsstellen.
  • Das "Rote Telefon", Symbol für die Kommunikation zwischen Moskau und Washington während des Kalten Krieges, gab es als solches nicht. Um gefährliche Missverständnisse beim Simultandolmetschen auszuschließen, wurde keine direkte Sprechverbindung zwischen den Staatsoberhäuptern der beiden Supermächte installiert, sondern lediglich eine Fernschreibverbindung.
  • Die Diva Marlene Dietrich war eine echte Dauertelefoniererin. Sie soll es in den 70er-Jahren nach Aussage ihres Enkels auf Telefonrechnungen in Höhe von monatlich 3.000 Dollar gebracht haben.