Online-Dating: Erste Dates während der Corona-Isolation

04.04.2020

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Hamburg - Ein Glas Wein, jeder zündet vielleicht noch eine Kerze an - und macht dann den Video-Chat auf: Das Online-Dating ist derzeit vor neue Herausforderungen gestellt. Wie kann man das erste Date ersetzen?

Der Datingexperte Eric Hegmann ist sich sicher: "Man sollte sich keine Sorgen machen, dass der Kontakt verloren geht, nur weil man sich länger nicht treffen kann." Er beantwortet die wichtigsten Fragen und gibt Tipps zum Dating in Corona-Zeiten.

Hat sich das Verhalten beim Online-Dating mit der sozialen Isolation bereits verändert?

Der Eindruck ist: Auf den Plattformen ist viel los. In meinen Beratungsgesprächen höre ich außerdem, dass die Gespräche tiefsinniger geworden sind. Viele suchen jetzt erst recht nach Verbindung - sowieso eines der größten Bedürfnisse der Menschen. Mit dem üblichen Small Talk in Chats zum anfänglichen Kennenlernen lässt sich die Verbindung aber nicht aufbauen, da geht es nur darum, abzuklären, ob man zueinander passt. In der jetzigen Situation hingegen werden Gespräche schon eher mal getragen von dem Wunsch nach emotionalem Austausch. Man fragt also beispielsweise nicht nur, welche Musik der andere mag, sondern warum er sie mag.

Matches sehen sich vielleicht länger nicht persönlich, um dem Gebot der sozialen Distanz nachzukommen. Wie kann man online den Kontakt ausbauen?

Immer schon ist es besser, nach ein paar hin- und hergeschickten Nachrichten auf das Telefon zu wechseln, um mein Vertrauen in ein Match zu stärken und Enttäuschungen bei einem Date eher zu vermeiden. Das sollte man auch jetzt machen, um den Kontakt zu intensivieren. Das Chatten kann hier nicht weiterhelfen, es wurde ja im Grunde für den Small Talk erfunden.

Sollte ich nur anrufen oder besser einen Videocall machen?

Es muss jeder für sich entscheiden, wie viel Vertrauen er über die ersten Mails aufbauen konnte. Über den Videocall holt man das Gegenüber ja quasi zu sich nach Hause, das kann schon sehr intim sein.

Beim Online-Daten in normalen Zeiten ist es schon schwierig, dass sich ein Kontakt nicht verläuft, wenn man sich nicht zeitnah trifft. Wie kann man das jetzt angehen?

Man sollte schon die Möglichkeiten der Technik nutzen, um in Kontakt zu bleiben - Telefonate, Videocalls, sich gegenseitig kleine Videos schicken. Aber man sollte sich auch keine Sorgen machen, dass der Kontakt verloren geht, nur weil man sich länger nicht treffen kann. Es geht ja darum, dass ein Kontakt Wünsche und Hoffnungen anspricht und erfüllt - tut er das, bleibt er so oder so erhalten. Und nichts findet der Mensch spannender als andere Menschen. Denken Sie doch mal zurück an ein Kennenlernen, wo man die erste Nacht durchgequatscht hat - wie spannend das war. Dem steht auch jetzt nichts im Wege. Ein Tipp für jene, denen es schwerfällt, Konversationen zu führen: Es gibt eine Liste mit 36 Fragen zum Verlieben, die vor einigen Jahren stark kursierte. Die sind zwar sehr, sehr privat, aber da ist auch viel Wahres dran. Man kann dem anderen vorschlagen, diese gemeinsam zu machen. Aber ich halte nichts davon, sie einseitig zu nutzen - damit hätte man ein Geheimnis vor dem Anderen.

Wie sieht es denn mit dem ersten echten Date aus? Kann man das nicht einfach auch online am Bildschirm haben - bei einem gemeinsamen Wein oder Essen?

Ich finde die Idee wunderbar. Es gibt so viele Ideen, die man mit ein wenig Kreativität gerade trotzdem umsetzen kann - und die Spaß machen. Etwa gemeinsam ein virtuelles Konzert besuchen. Und ich kenne Paare in einer Distanzbeziehung, die schauen zeitgleich Serien auf Streaming-Diensten und chatten nebenbei dazu. Aber man kann sich unter Umständen ja auch richtig treffen: Ein gemeinsamer Spaziergang ist okay, wenn man Abstand und alle weiteren Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Bundesregierung einhält - vorausgesetzt, das ist am Wohnort noch erlaubt.