HTC One (E8) im Test: Sparversion in neuem Gewand

19.01.2015

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Kein Etikettenschwindel: Das HTC One (E8) ist der legitime Bruder des Flaggschiffs One (M8). Die Ausstattung der beiden Taiwaner ist weitgehend identisch. Und doch gibt es entscheidende Unterschiede: Das E8 steckt in einem Kunststoffgehäuse und kostet knapp 100 Euro weniger. Dennoch verheißt die Kamera bessere Fotos. Mehr im ausführlichen Test von Verivox.

Das One (M8) stellte für HTC einen großen Wurf dar: Der Fünfzöller im edlen Metallmantel läuft sehr gut. Die aktuell fast 500 Euro ohne Vertrag sind jedoch nicht alle bereit zu zahlen, außerdem gab die Kamera des M8 und ihre geringe Auflösung seinerzeit im Test Grund zu Kritik. Von daher macht es durchaus Sinn, Interessenten eine Alternative anzubieten, die nun in Form des One (E8) auch hierzulande verfügbar ist. Mit derzeit knapp 400 Euro ist der Taiwaner eine ganze Ecke günstiger, dafür aber in Plastik gewandet. Im Gegenzug bringt er eine reguläre Kamera mit satten 13 Megapixel mit. Ist das E8 daher das bessere One?

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Überdurchschnittlich scharfe Mattscheibe

In der Tat entspricht die Ausstattung des E8 weitgehend derjenigen des M8: Von LTE und DC-HSPA für Downloads in UMTS-Netzen mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde über Bluetooth 4.0 sowie NFC bis hin zum erweiterbaren Speicher mit 16 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps noch 9,42 Gigabyte netto übrig bleiben sind die beiden absolut gleich. Lediglich bei WLAN ac muss das E8 passen, ebenso wie bei der Infrarotschnittstelle, dank der sich das M8 als Fernbedienung für Fernseher & Co. verwenden lässt. Aber damit dürften die Meisten leben können. Am wichtigsten jedoch: Der hochwertige IPS-Bildschirm blieb mit 61,7 x 109,5 Millimetern haargenau gleich groß, das ergibt eine Diagonale von knapp 126 Millimeter oder 4,95 Zoll. Die Auflösung von 1080 x 1920 Pixel führt wiederum zur exquisiten Dichte von 307 Pixel pro Quadratmillimeter respektive 445 ppi: Damit gehören E8 und M8 zu den derzeit schärfsten Smartphones hierzulande. Allerdings fällt das Display mit 343 statt 415 Candela pro Quadratmeter ein wenig dunkler aus und liegt damit zwölf Prozent unter dem Durchschnitt. Das hört sich aber dramatischer an als es für das bloße Auge aussieht, denn liegen E8 und M8 nebeneinander, lässt sich bei der Darstellung von Fotos oder Videos kaum ein Unterschied ausmachen.

Mehr Gigahertz, weniger Tempo

Eine kleine Änderung gibt es auch in Bezug auf den Snapdragon-801-Prozessor zu vermelden, der nun mit 2,5 statt 2,3 Gigahertz getaktet ist. Geblieben sind das Grafikmodul Adreno 330 und der Arbeitsspeicher von 2 Gigabyte. Dennoch schneidet das E8 in den Benchmarks verblüffenderweise etwas schlechter ab: In der Gesamtwertung aus 12 der bekanntesten Tempo-Tests liegt das E8 glatte 35 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones; das M8 rangiert derzeit 41 Prozent darüber. Das mag zwar keinen signifikanten Abstand darstellen, verwundert angesichts der ansonsten identischen Hardware trotzdem. Zumal auch die Software-Features der Nutzeroberfläche Sense 6 exakt gleich sind, inklusive des komfortablen Aufweckens aus dem Standby-Modus per Doppeltipp auf den Touchscreen. Einzig die Android-Version ist mit 4.4.4 nun aktueller, das M8 wurde seinerzeit unter Android 4.4.2 getestet. Mysteriös! Doch das soll die Leistung des Probanden nicht schmälern: 35 Prozent über Durchschnitt sind ein erstklassiges Resultat und sollte den Allermeisten mehr als reichen.

Ordentlicher Akku

Nicht minder verwundert das Ergebnis des Akku-Laufzeittests: Obwohl der fest verbaute Stromspeicher mit 2600 Milliamperestunden dieselbe Kapazität aufweist wie beim M8, hielt der Proband bei der Videowiedergabe mit maximaler Helligkeit im Flugmodus 393 statt 408 Minuten lang durch. Bei wohlgemerkt etwas dunklerem Display und weniger leistungsstarkem Prozessor! Da scheint irgendetwas noch nicht ganz zu passen. Doch auch das sind wieder Spekulationen auf hohem Niveau: Mit diesem Ergebnis rangiert das E8 neun Prozent über dem Durchschnitt, ein Normalnutzer kommt damit also locker über den Tag. Möglicherweise kann HTC da mit einem Update aber künftig noch etwas mehr herausholen.

13-Megapixel-Kamera

Der einzige wirklich wesentliche Unterschied zum M8 besteht in der Kamera: Beim E8 setzt HTC nämlich auf einen regulären Sensor mit normal großen Pixeln, die dafür aber umso zahlreicher sind. Je nach gewähltem Format schießt die Software Fotos mit 4224 x 2368 (16:9, 10 Megapixel), 4224 x 3136 (4:3, 13,3 Megapixel) oder 3136 x 3136 (1:1, 9,8 Megapixel) Bildpunkten. Bei der Frontkamera beträgt die Auflösung 1920 x 2560 (16:9, 4,9 Megapixel), 1440 x 2560 (4:3, 3,7 Megapixel) oder 1920 x 1920 (1:1, 3,7 Megapixel) Bildpunkte. Die Nutzeroberfläche samt Funktionen wie HDR und Rundum-360-Fotos („Photo Sphere“) ist weitgehend identisch, viele Parameter können manuell justiert und als „benutzerdefinierte Kamera“ abgespeichert werden. Einzig vermisst wird der doppelte virtuelle Auslöser für Fotos und Videos, weshalb Anwender auf dem E8 den Modus über einen Klick auf das Piktogramm unten rechts wechseln müssen, was Zeit kostet und weniger komfortabel ist. Die Auslöseverzögerung liegt aber wie beim M8 unterhalb von einer Hundertstelsekunde und ist damit so gut wie nicht vorhanden.

Bessere Fotos

Bei guten Lichtverhältnissen liefert der Proband tolle Fotos: Schärfe und Detailtreue sind bis in die Ecken gut und übertreffen wenig überraschend die Bilder des M8 mit seinen 4,1 Megapixeln. Positiv fallen zudem die Feinkörnigkeit und das geringe Bildrauschen auf. Auch bei bewölktem Himmel überzeugen die Fotos des E8. Nicht zuletzt bleibt der beim HTC One Mini 2 monierte Rotstich aus, obwohl es sich der Faktenlage nach um dasselbe Kameramodul zu handeln scheint. In Situationen mit schlechten Lichtbedingungen wie beispielsweise in geschlossenen Räumen oder am Abend leidet das E8 dann jedoch unter den für Handys typischen Problemen: Die aufgrund der kleinen Linsen und Sensoren erforderlichen langen Belichtungszeiten führen zu gewissen Unschärfen, wenngleich das Bildrauschen beim E8 vergleichsweise gering bleibt. Hier trumpft das M8 auf, das auch ohne den optischen Bildstabilisator des Vorgängers One (M7) dank seiner großen, lichtempfindlicheren Sensorpixel mit etwas kürzeren Belichtungszeiten auskommt, was manche Aufnahme schärfer werden lässt als beim E8. Unterm Strich punkten die Fotos des E8 aber insgesamt etwas besser als die des M8, weshalb der Proband auch ein „Gut“ anstelle eines „Befriedigend“ kassiert.

Stabiler Autofokus

Videos nimmt der Kandidat wie das M8 mit 1920 x 1080 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde auf, also in Full HD. Die Qualität ist ebenfalls identisch: Die Schärfe geht in Ordnung, könnte aber besser sein, ebenso wie die Detailtreue. Komprimierungsartefakte sind so gut wie gar nicht zu beobachten, Belichtung, Kontraste, Dynamik und Farben gefallen rundum. Ein Lob verdient auch der Stereo-Ton mit gut verständlichen Stimmen selbst in lauten Umgebungen. Der Autofokus zieht zwar wie bei den meisten Smartphones regelmäßig nach, kann aber über die werkseitig bereits aktivierte Option „Fokus während der Aufnahme sperren“ fixiert werden. Dann wird er einmal zu Beginn der Aufnahme aktiv und danach nie wieder. Das macht die Clips angenehm stabil, andererseits zieht die Schärfe nicht automatisch nach – etwa bei einem Schwenk von einem nahen auf ein fernes Motiv: Dann müssen Nutzer manuell durch einen Tipp auf den Touchscreen nachhelfen. Somit schneidet das E8 in der Videowertung ebenso ab wie das M8: mit einem strammen „Befriedigend“.

Natürlicher Sound

Die Front des E8 zieren die vom M8 her geschätzten Stereo-Lautsprecher, die für ein Smartphone vergleichsweise kräftig und voll klingen. Der Software-Pushup „BoomSound“ kann dabei nicht ausgeschaltet werden, lediglich bei der Wiedergabe über Kopfhörer. Dazu sei auch dringend geraten, denn ohne hört sich Musik erheblich natürlicher an. Im Hörtest produzierte das E8 am Referenz-Headset denselben Sound wie das M8: harmonisch, natürlich, wuchtig. Die Höhen sind kristallklar und spritzig, die Bässe druckvoll ohne zu dröhnen. An die Referenz, das Samsung Galaxy Note 4, kommen die Tieftöne aber nicht ganz heran, dazu fehlt es ihnen ein klein wenig an Volumen. Aber das war auch schon beim M8 der Fall und tut dem großartigen Klang keinen Abbruch – nicht zuletzt weil solche geringfügigen Differenzen allenfalls im direkten Vergleich und auch dann nur mit hochwertigen Headsets herauszuhören sind. Für ein „Sehr gut“ reicht es daher auch beim E8 locker.

Plastik statt Metall

Über Design lässt sich bekanntlich streiten, weshalb Optik und Wertigkeit nicht in die Wertung einfließen. Dennoch dürften die Meisten wohl unstreitig das metallene M8 luxuriöser finden als das in Kunststoff gehüllte E8. Doch die unterschiedlichen Materialien haben durchaus Auswirkungen auf die Haptik: Das Plastik fühlt sich einerseits wärmer an als das kalte Aluminium, die hochglänzende und enorm glatte Rückseite bietet den Fingern andererseits aber nicht so guten Halt. Das gibt in der Handhabungswertung einige wenige, aber entscheidende Punkte zugunsten des M8. Auf der anderen Seite wiegt das E8 mit 149 statt 160 Gramm spürbar weniger. Die Verarbeitung ist prima, da wackelt oder knarzt nichts. Auch widersetzt sich das E8 Verwindungsversuchen redlich, lediglich an einer Stelle unten rechts drückt sich dabei das Deckglas geringfügig auf das Panel durch – derlei war beim metallenen M8 nicht der Fall. Die Maße blieben mit knapp 71 x 147 Millimetern so gut wie gleich, das E8 ist gerade mal 0,1 Millimeter breiter und 0,2 Millimeter höher. Nicht der Rede wert. Die Haptik unterscheidet sich dennoch marginal, weil sich der Rücken ein wenig stärker wölbt als beim M8: Statt 5,5 bis 9,6 Millimeter werden 6,7 bis 10,4 Millimeter gemessen. Aber auch dies fällt lediglich im direkten Vergleich auf und macht in der Praxis keinen Unterschied aus, der die Wertung beeinflussen würde. Die Bedienung inklusive sämtlicher Software-Features ist sogar vollauf identisch, weshalb für Details auf den Test des HTC One (M8) verwiesen sei.

Fazit

Kein Etikettenschwindel: Das HTC One (E8) ist der legitime Bruder des Flaggschiffs One (M8). Die Ausstattung der beiden Taiwaner samt LTE und NFC ist weitgehend identisch, der 5-Zoll-Bildschirm ebenso scharf und qualitativ hochwertig. Lediglich WLAN ac und die Infrarot-Schnittstelle für die Fernbedienung fehlen. Der Prozessor taktet zwar eine Idee höher, schneidet aber in den Benchmarks trotzdem geringfügig schlechter ab. Doch liegt er auch damit immer noch 35 Prozent über dem Durchschnitt. Der fest verbaute Akku machte im Test ein paar Minuten früher schlapp, mit plus 9 Prozent im Vergleich zur Konkurrenz dennoch eine gute Figur. Klar besser gefallen die 13-Megapixel-Fotos, die zwar bei wenig Licht nicht mit denen des M8 mithalten können, aber bei guten und mittleren Lichtverhältnissen mehr Schärfe und Detailtreue zeigen. Die Videos und der Musikklang sind ebenso gleich wie die Bedienung.

In der Gesamtwertung bleibt das HTC One (E8) zwar knapp hinter dem One (M8) zurück, kostet dafür aber rund 100 Euro ohne Vertrag weniger und schießt die besseren Fotos. Von daher dürfte das E8 für zahlreiche Kunden die interessantere Alternative darstellen.

Ausstattung                 175 von 175

Foto                             19 von 25

Video                           17 von 25

Musik                          23 von 25

Handhabung                199 von 250

gesamt                        433 von 500