In der Versicherungswirtschaft besteht die Möglichkeit, durch Vereinbarung einer Selbstbeteiligung den Versicherungsbeitrag dauerhaft zu reduzieren. Für Versicherte bedeutet das, dass sie im Fall eines Schadens auf einen Teil der Versicherungsleistung verzichten und selbst zahlen müssen. Dafür ist die Prämie der Versicherung aber geringer. Die Selbstbeteiligung ist bei vielen Versicherungen verbreitet, zum Beispiel in der Kfz-Kaskoversicherung, der Krankenversicherung und bei anderen Sachversicherungen. Nicht zulässig ist der Selbstbehalt in Deutschland in der Kfz-Haftpflichtversicherung. In anderen Ländern wie in Österreich ist er auch hier üblich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Versicherungen berechnen die Beiträge durch das Risiko und die Kosten, welche bei einem Schadensfall auf sie zukommen.
  • Generell sollten Versicherte den jeweiligen Tarif mit und ohne Selbstbeteiligung vergleichen und dann die jährliche Ersparnis berechnen
  • Die Vereinbarung eines hohen Eigenanteils geht meist mit der Hoffnung einher, dass ein Schaden erst gar nicht eintritt.

Darum werden Selbstbeteiligungen angeboten

Versicherungen berechnen die Beiträge durch das Risiko und die Kosten, welche bei einem Schadensfall auf sie zukommen. Zahlen Kunden einen Teil der Schäden selbst, führt das zu einer Reduzierung des Risikos und der Beiträge. Sind Kunden über längere Zeit ohne Versicherungsfall, reduziert sich die Eigenleistung oft.

Dazu kommt noch ein psychologischer Effekt, der den Versicherten betrifft: Muss er selbst einen Betrag zahlen, wird er eher vorsichtig agieren und versuchen einen Schäden zu vermeiden. Außerdem wird er nicht jede kleinere Beschädigung sofort bei der Versicherung angeben. Dies führt zu einer Reduzierung der Kosten und des bürokratischen Aufwands für die Versicherung.

Lohnt sich eine Selbstbeteiligung

Generell sollten Versicherte den jeweiligen Tarif mit und ohne Selbstbeteiligung vergleichen und dann die jährliche Ersparnis berechnen. Diese sollte dann im Verhältnis zur Höhe der Selbstbeteiligung und des Risikos für einen Schaden gesetzt werden. Hierzu ein kleines Rechenbeispiel:

Spart man durch die Selbstbeteiligung im Jahr 15 € und im Schadensfall beträgt diese 150 Euro, muss man mehr als 10 Jahre schadensfrei bleiben, um Geld zu sparen. Hier ist die Versicherung eher nicht lohnenswert. Ist die Prämie im Jahr um mehrere 100 Euro billiger, kann es sich schon anders verhalten. In der Kaskoversicherung kann es sich unter Umständen lohnen, eine vergleichsweise hohe Summe von über tausend Euro zu vereinbaren, da Versicherungsnehmer auch zur Vermeidung eines schlechteren Schadensfreiheitsrabatts kleine Reparaturen oft auf eigene Kosten durchführen lassen.

Durchschnittsprämie der jeweils 5 günstigsten Tarife für den Modellfall (Quelle: Verivox.de)

In einer Erhebung von Verivox im Februar 2016 wurden jeweils die 5 günstigsten Tarife aus den Bereichen Haftpflicht, Hausrat und Rechtsschutz für verschiedene Modellfälle mit und ohne Selbstbeteiligung ermittelt. Bei den Durchschnittkosten der Prämie fanden sich nur für den Bereich der Rechtsschutzversicherung signifikante Unterschiede. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Selbstbeteiligung in der Kfz-Kaskoversicherung

Da die Haftpflichtversicherung für Autos eine Pflichtversicherung und somit für jedes Auto notwendig ist, schließen viele Autobesitzer gleichzeitig auch eine Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung ab. Sie schützen sich dadurch vor finanziellen Belastungen durch Diebstähle, Brandschäden oder selbst verursachte Unfälle.

Speziell für eine Vollkaskoversicherung können abhängig vom Fahrzeugtyp und Alter der Fahrer sehr hohe Prämien anfallen. Daher ist die Selbstbeteiligung in der Kaskoversicherung und besonders beim Abschluss einer Vollkaskoversicherung weit verbreitet. Je höher der Eigenanteil ist, den Versicherungsnehmer bei jedem Schadenfall selbst tragen, umso niedriger ist die regelmäßige Versicherungsprämie. Dennoch sollte der Betrag nur so hoch sein, dass er im Fall der Fälle problemlos gezahlt werden kann.

Mietwagen günstiger mit Selbstbehalt

Da die Beiträge zur Kaskoversicherung für Mietwagen für Selbstfahrer sehr hoch ausfallen, tragen die Mieter die Kosten unter Umständen selbst und haben dann die Wahl, ob sie eine Vollkaskoversicherung mit hoher Selbstbeteiligung abschließen und dadurch die Mietkosten senken. Einige Autovermietungen bieten die Mietwagen auch mit Vollkasko ohne Selbstbehalt an, erheben dafür aber meist höhere Mietpreise. Der Abschluss einer solchen Zusatzvereinbarung kann sich lohnen. Eine sinnvolle Vereinbarung kann auch die nachträgliche Rückerstattung des für eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung angefallenen Mehrbetrags sein, wenn es nicht zu einem Schaden kommt.

Rechtsschutzversicherung

Beim Abschluss einer Rechtsschutzversicherung stellt sich bei den meisten Versicherungsnehmern ebenfalls die Frage nach einer möglichen Selbstbeteiligung an den Kosten für jeden Versicherungsfall. Die Versicherungsbeiträge sind meist deutlich günstiger, wenn Versicherungsnehmer einen Teil der Kosten selbst tragen.

Versicherungsnehmer sollten aber auch bedenken, dass der Eigenanteil für jeden einzelnen Versicherungsfall antritt und die Anzahl der Fälle nicht vorhersehbar ist. Daher kann sich eine Rechtsschutzversicherung ohne Selbstbeteiligung für Versicherungsnehmer mit hohem Risiko lohnen. Das gilt beispielsweise für Personen, die in risikoreichen Branchen arbeiten und wo ein Rechtsstreit wegen einer Kündigung wahrscheinlich ist.

Krankenversicherung mit Selbstbehalt

Die Selbstbeteiligung für eine private Krankenversicherung lohnt sich meist nur für Freiberufler und Selbstständige, da diese den vollen Beitrag für die Versicherung leisten müssen und somit komplett von der Reduzierung profitieren. Dabei kann zwischen einer kompletten, prozentualen oder nur in einem bestimmten Bereich geltenden Selbstbeteiligung gewählt werden. Inwiefern sich die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung lohnt, hängt davon ab, wie oft ärztliche Leistungen in Anspruch genommen werden.

In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es ähnliche Modelle durch die Wahltarife der Krankenkassen. Diese sind jedoch gesetzlich nicht vorgeschrieben und nicht alle Kassen bieten diese an. Auch hier profitieren Personen die selten zum Arzt gehen von den Tarifen.

Individuelle Entscheidung je nach Versicherung

Unabhängig von der Art ist die Entscheidung für eine Versicherung mit oder ohne Selbstbeteiligung oft schwierig. Auch die Ermittlung der idealen Höhe des Selbstbehalts ist nicht einfach. Die Vereinbarung eines hohen Eigenanteils geht meist mit der Hoffnung einher, dass ein Schaden erst gar nicht eintritt. Aber auch mehrere Schadensfälle in einem Jahr sind denkbar und können die Eigenleistung deutlich erhöhen. In der Online-Rechnern von Verivox können Sie Tarife stets mit und ohne Selbstbeteiligung vergleichen und so die optimale Lösung finden.