Verbraucher-Atlas: Schulden in Deutschland

Schulden in Deutschland sind ungleich verteilt

Im anhaltenden Zinstief lassen sich Konsumwünsche so günstig wie nie zuvor mit einem Kredit finanzieren. Doch wie häufig Verbraucher Kredite in Anspruch nehmen und wie hoch der durchschnittliche Schuldenstand ist, unterscheidet sich in den Städten und Regionen Deutschlands teilweise sehr deutlich. Wo verschulden sich die Menschen am häufigsten und wo haben Kreditnehmer im Schnitt die höchsten Schulden? Das und mehr zeigen wir Ihnen im Verivox Verbraucher-Atlas.

Städte- und Bundesländer-Ranking (Excel)

Schuldenstand in Süddeutschland am höchsten

Wer einen Kredit beantragt, macht dabei Angaben zu bestehenden Schulden. Unter den Kreditinteressenten, die bereits laufende Darlehen haben, haben Saarländer mit genau 25.000 Euro im Schnitt den höchsten Schuldenstand. Dahinter folgen Baden-Württemberg (23.994 Euro), Bayern (23.907 Euro) und Hessen (23.109 Euro). Hier ist auch das durchschnittliche Nettoeinkommen besonders hoch.

Der Zusammenhang von Verdienst und Schuldenstand wird auch am anderen Ende des Rankings deutlich. Mit weniger als 20.000 Euro war der Schuldenstand bei Berlinern und Sachsen am niedrigsten. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 22.539 Euro. Auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bremen ist der Schuldenstand vergleichsweise niedrig. In all diesen Bundesländern liegt auch das Einkommen unter dem Bundesdurchschnitt von 2.135 Euro.

Wiesbadener haben im Schnitt die höchsten Schulden

Wer mehr verdient, kann auch höhere Kreditsummen schultern. Entsprechend höher ist dann auch die Höhe der noch offenen Schulden, wenn Verbraucher erneut einen Kredit beantragen. Der Zusammenhang zwischen Pro-Kopf-Schulden und Einkommen wird auch im Städte-Ranking deutlich. Im Schnitt den höchsten Schuldenstand (26.561 Euro) haben Kreditinteressenten aus Wiesbaden. Hier ist zugleich das Einkommen am höchsten. Über 26.000 Euro liegt der durchschnittliche Schuldenstand auch in Lübeck, Braunschweig und Gelsenkirchen – allesamt Städte, in denen die Kreditinteressenten auch ein überdurchschnittliches Einkommen angeben.

Keine Regel ohne Ausnahme: Von allen Großstädten mit mindestens 200.000 Einwohnern ist der durchschnittliche Schuldenstand pro Kreditinteressent in Kiel am niedrigsten (17.382 Euro), obwohl die Antragsteller hier überdurchschnittlich gut verdienen. In den übrigen Städten mit besonders niedrigen Schulden wird der Zusammenhang mit dem Einkommen dann aber wieder deutlich: In Magdeburg, Dresden und Oberhausen haben Antragsteller mit laufenden Darlehen im Schnitt weniger als 18.000 Euro Schulden und verdienen unter 1.900 Euro netto im Monat.

Nord-Süd-Gefälle bei der Kreditaufnahme

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei der Analyse, wie häufig sich Verbraucher verschulden. Hier zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Brandenburger nehmen 34 Prozent häufiger Kredite auf als Verbraucher im Bundesdurchschnitt (Indexwert 100). Dahinter folgen Schleswig-Holstein (120), Niedersachsen (116) und Mecklenburg-Vorpommern (114). Im finanzstarken Süden und in Sachsen nehmen die Menschen vergleichsweise selten einen Kredit in Anspruch.

Unter den deutschen Großstädtern sind die Menschen in Kassel besonders kredit-affin. Sie nehmen 22 Prozent häufiger Kredite auf als der Bundesdurchschnitt. Auch in Magdeburg (Indexwert 112) und Braunschweig (111) leihen sich die Menschen häufig Geld. Besonders zurückhaltend beim Abschluss von Krediten sind die Menschen im äußersten Südwesten Deutschlands. Freiburger nehmen 38 Prozent seltener Kredite auf als Verbraucher im Bundesschnitt.

Umschulden im Zinstief: Über 2.500 Euro Sparpotenzial

In den letzten Monaten und Jahren sind die Kreditzinsen immer weiter gesunken. Wer noch ein laufendes Darlehen abbezahlt, kann mit einer Kreditablösung und Umschuldung auf einen neuen Kredit deshalb häufig viel Geld sparen. Wie groß das Sparpotenzial ist, zeigt eine einfache Beispielrechnung:

Vor zwei Jahren mussten Kreditnehmer für einen Konsumentenkredit mit 7-jähriger Laufzeit im Bundesdurchschnitt 6,72 Prozent Zinsen zahlen – laut Zahlen der Bundesbank. Einen Umschuldungskredit über die restlichen 5 Jahre bieten die günstigsten Banken heute für zwei Drittel aller Kunden zum Effektivzins von 2,46 Prozent oder günstiger an. Wer die durchschnittliche Restschuld von 22.539 Euro zu diesem Zinssatz ablöst, spart 2.513 Euro im Vergleich zum alten Darlehen.

Umschuldungsanteil im Ruhrgebiet besonders groß

Am stärksten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen die Kreditinteressenten im Ruhrgebiet. In Oberhausen (24,2 Prozent) und Duisburg (23,5 Prozent) möchte fast jeder vierte Interessent bestehende Kredite umschulden. In Bochum (21,4 Prozent) und Gelsenkirchen (21,3 Prozent) trifft dies noch auf mehr als jeden Fünften zu. Auch im Bundesländer-Vergleich ist der Anteil von Umschuldungskrediten an der Gesamtnachfrage in Nordrhein-Westfalen mit 18,7 Prozent am höchsten.

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Methodik der Auswertung

In den Verbraucheratlas Schulden in Deutschland sind alle Ratenkreditanfragen bei Verivox in den Jahren 2018 und 2019 eingeflossen. Zur Berechnung der Häufigkeit wurden die Kreditabschlüsse in einzelnen Städten und Bundesländern ins Verhältnis zu deren Einwohnerzahl gesetzt. Im Zuge der Kreditanfrage machen Antragsteller Angaben zu laufenden Kreditpflichten. Ausgewertet wurden der durchschnittliche Schuldenstand der Antragsteller mit bestehenden Kreditpflichten sowie der Anteil von Antragstellern mit laufenden Krediten an der Gesamtnachfrage. Immobilienkredite wurden nicht berücksichtigt.