So viel Roamingkosten spart ein Urlaub auf Balkonien

08.04.2020 | 09:14

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Streaming auf dem Sofa statt Sonne, Meer und Strand: In der Corona-Krise fällt der Osterurlaub ins Wasser. Eine Musterfamilie mit zwei Kindern spart „auf Balkonien“ bis zu 450 Euro an Roamingkosten, wie eine Modellrechnung von Verivox zeigt. Denn für viele Länder gelten weiterhin hohe Aufpreise beim Telefonieren und Surfen. Jetzt verschobene Reisen sollten deshalb gut vorbereitet werden.

Kostendeckel greift nur für Datennutzung

Die vierköpfige Familie käme in 14 Urlaubstagen auf einen Datenverbrauch von 4,5 Gigabyte (GB). Würde der deutsche Durchschnittsverbrauch zugrunde gelegt, wären es 6 GB – jedoch weicht die Datennutzung im Urlaub üblicherweise etwas ab.* Um 4,5 GB außerhalb der regulierten EU-Zone abzudecken, wären bei der Deutschen Telekom fünf Datenpässe (WeekPass L) notwendig. Kosten: 150 Euro. Um vier Handys für zwei Wochen auszustatten, wären acht WeekPässe nötig. Bei Vodafone fielen bis zu 240 Euro an; bei Telefonica sogar knapp 450 Euro.

„Hinzu kommen Kosten fürs Telefonieren, denn anders als bei der Datennutzung gibt es für Telefongespräche keinen Kostendeckel“, erläutert Verivox-Telekommunikationsexperte Eugen Ensinger. „Außerhalb der EU müssen sogar ankommende Gespräche bezahlt werden. Für abgehende Verbindungen werden teilweise 2,99 Euro pro Minute fällig.“ 30 Telefonminuten summieren sich bei beliebten Reisezielen wie der Dominikanischen Republik auf bis zu 89 Euro.

Kostenfallen Kreuzfahrt und Flugzeug

Verbringt die Familie den Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff, kann es noch teurer werden. Denn auf hoher See greift weder die Roaming-Regulierung der EU, noch sind die regulären Auslandspakete der Mobilfunkanbieter buchbar. Auf der AIDA fallen zum Beispiel in den günstigsten dort verfügbaren Tarifen 265 Euro für 4,5 GB an; 30 Telefonminuten schlagen mit 90 Euro zu Buche. Würde die Familie hingegen das satellitengestützte Schiffsnetz nutzen und kein WLAN-Paket buchen, wären die Kosten immens: Sie müsste dann theoretisch fast 90.000 Euro für mobiles Surfen und Telefonate zahlen.

„An Bord von Flugzeugen und Schiffen greift kein Kostendeckel, auch innerhalb der EU nicht“, sagt Ensinger. „Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das Handy schon vor Betreten des Schiffes in den Flugmodus schalten. Denn die teuren Bordnetze sind oft bereits im Hafen verfügbar. Wer WLAN nutzen möchte, kann das anschließend separat aktivieren.“

Künftige Reisen gut vorbereiten

Zur Vorbereitung einer jetzt verschobenen Reise empfiehlt es sich, vorab beim eigenen Provider zu prüfen, welche Kosten anfallen. Das gilt insbesondere für Kunden von Discount-Anbietern, die im Regelfall per verbrauchtem Kilobyte abrechnen und keine vergünstigten Pakete anbieten. Zwar greift außerhalb der EU mit Ausnahme der genannten Bordnetze für die Datennutzung ein Kostendeckel von 59,90 Euro. Doch dieser ist angesichts der hohen Nutzungspreise oft schon erreicht, wenn sich eine App im Hintergrund aktualisiert.

Methodik

Grundlage für die Modellrechnung ist eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern (14 und 16 Jahre). Jede Person nutzt ein eigenes Smartphone. Die Kosten für 4,5 GB Datenroaming und 30 Telefonate wurden für eine Urlaubsdauer von 14 Tagen für die Reiseziele Türkei, Dominikanische Republik und Seychellen berechnet.

* Da sich üblicherweise im Urlaub die Smartphone-Nutzung ändert, wurde mit einem reduzierten Musterprofil gerechnet. Messenger-Nachrichten, Navigationsanwendungen und Telefonate mit Familie und Freunden sind im Urlaub meist wichtiger als Musik- und Videostreaming. Eingerechnet wurde nur der Verbrauch in mobilen Netzen tagsüber (auch für herkömmliche Telefonate, denn nicht alle Menschen sind über Skype o.ä. Datendienste erreichbar). Für datenintensive Dienste wie Streaming wurde eine Nutzung morgens oder abends im Hotel-WLAN angenommen.

Quellen

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