Im Gegensatz zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen ist Medicproof vergleichsweise wenigen Bürgern ein Begriff. Hinter Medicproof verbirgt sich das Pendant der privaten Krankenversicherer zum Medizinischen Dienst. Angesiedelt in Köln, ist die Medicproof GmbH ein Tochterunternehmen der 42 privaten Krankenversicherer.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was ist Medicproof?
  3. Welche Aufgaben hat Medicproof?
  4. Kontinuierliche Qualitätssicherung
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Pflegezusatzversicherung: Vergleich der Tarife

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Medicproof GmbH, Tochterunternehmen der privaten Krankenversicherer Deutschlands, ist in erster Linie für die Erstellung von Pflegegutachten für die privaten Pflegeversicherer zuständig.
  • Medicproof arbeitet ausschließlich mit freien Mitarbeitern zusammen und koordiniert die Anfrage der Versicherer und die Erstellung des Gutachtens.
  • Neben Pflegegutachten können Angehörige von Pflegebedürftigen auch Pflegetrainings in Anspruch nehmen.
  • Die kontinuierlich hohe Qualitätssicherung soll die Zahl der Anfechtungen von Gutachten so gering wie möglich halten.

Was ist Medicproof?

Medicproof ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Die Aufgaben von Medicproof nehmen zum großen Teil freiberufliche Mitarbeiter wahr. In der Kölner Zentrale beschäftigt Medicproof Stand März 2021 rund 70 Mitarbeiter.

Welche Aufgaben hat Medicproof?

Medicproof fokussiert sich auf zwei Aufgaben:

  • die Erstellung von Pflegegutachten
  • das Pflegetraining für Angehörige

Pflegegutachten

Die Kernaufgabe von Medicproof ist die Erstellung von Pflegegutachten für Mitglieder einer privaten Pflegeversicherung. Dabei ist die Rede in erster Linie von Personen, die im Rahmen einer privaten Krankenvollversicherung auch Mitglied einer privaten Pflegepflichtversicherung sind. Medicproof erstellt im Jahr rund 200.000 Gutachten. Auftraggeber sind neben den privaten Krankenversicherungen in Deutschland auch die Postbeamtenkrankenkasse und die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten.

Für die Erstellung der Gutachten und die Einstufung eines Versicherten in einen Pflegegrad sind rund 1.100 freiberufliche Gutachter zuständig. Neben der Gutachtenerstellung spielt die Qualitätssicherung eine zentrale Rolle. Medicproof erstellt die Gutachten nicht selbst, sondern fungiert als Schnittstelle zwischen Krankenversicherung und Mediziner oder Pflegepersonal vor Ort.

Bei der Begutachtung gelten die gleichen Vorgaben entsprechend des zweiten Pflegestärkungsgesetzes wie für Mitglieder der Krankenkassen. Geprüft wird:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Der Gutachter selbst hat keinen persönlichen oder direkten Kontakt zum privaten Krankenversicherer. Idealerweise hat der Gutachter bis zum Kontakt mit der zu begutachtenden Person keine Kenntnis darüber, welcher Krankenversicherer den Auftrag gegeben hat. Medicproof wählt die Gutachter vor Ort aus und ist bemüht, immer die nächstgelegenen Kontakte zu vermitteln. Der Gutachter hat vom Zeitpunkt des Auftragseingangs bis zur Abgabe des Gutachtens 17 Tage Zeit.

Im Unterschied zum MDK der Krankenkassen arbeiten die Gutachter freiberuflich. Daraus ergibt sich eine flexiblere Gestaltung ihrer Arbeitszeit, die damit wiederum auch den zeitlichen Interessen der Angehörigen, die bei der Begutachtung zugegen sein möchten, entgegenkommen kann.

Pflegetraining

Ein weiterer Baustein in der Angebotspalette der Medicproof GmbH ist das Pflegetraining. Im Rahmen des Pflegetrainings werden Angehörige schwerpunktmäßig auf die häusliche Pflege einer Person vorbereitet. Das Pflegetraining kann zu Hause erfolgen. Es stellt gemäß Paragraf 45 des elften Sozialgesetzbuches (SGB XI) eine kostenlose Leistung für Mitglieder einer privaten Krankenversicherung dar.

Das Pflegetraining umfasst Themen wie:

  • Essen und Trinken
  • Rollator im Pflegealltag
  • Umgang mit Demenzkranken
  • Lagerung und Transport pflegebedürftiger Personen
  • Körper- und Mundpflege
  • Umgang mit Blaseninkontinenz

Was teilweise eher banal klingt, kann im täglichen Leben für die pflegenden Personen ohne entsprechende Vorkenntnis schnell zu einer Überforderung führen.

Das Pflegetraining kann wiederholt in Anspruch genommen werden und ist auch als Präventivmaßnahme möglich.

Kontinuierliche Qualitätssicherung

Pflegegutachten und die daraus resultierende Einstufung in einen Pflegegrad beschäftigen immer wieder die Sozialgerichte. Pflegebedürftige oder deren Angehörige empfinden die Einstufung in einen Pflegegrad als zu gering. Immerhin geht es bei der Entscheidung, welchem Pflegegrad eine Person zugeordnet wird, um viel Geld.

Qualitätssicherung spielt bei Medicproof eine wesentliche Rolle. Diese basiert zum größten Teil auf Befragungen der untersuchten Versicherten und Bewertung der Tätigkeit durch die Vergabe von Schulnoten. Seit Einführung der Patientenbefragung verzeichnete Medicproof permanent Jahresnoten von 1,8 oder 1,9.

Pflegezusatzversicherung: Vergleich der Tarife

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