OnePlus 5 im Test: Alu-Flachmann mit Dual-Kamera

Heidelberg - Das OnePlus 5 kommt mit 16-Megapixel-Dual-Kamera, dem bärenstarken Snapdragon 835 als Prozessor und wahlweise 64 oder 128 Gigabyte Speicher. Ein Flaggschiff ab 499 Euro ohne Vertrag dürfte zahlreiche interessierte Blicke auf sich ziehen. Der Test.

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Bild: OnePlus 3T Bild: ©OnePlus / Text: Verivox

OnePlus startete vor drei Jahren und sorgte mit Smartphones auf Flaggschiff-Niveau zu vergleichsweise moderaten Preisen schnell global für Aufsehen. Inzwischen gehen die Preise bei knapp 500 Euro los, da wird der Abstand zur Konkurrenz zunehmend geringer – zumal die OnePlus-Telefone preislich recht stabil bleiben, während Samsung, Sony, HTC, Huawei & Co. dem üblichen Preisverfall unterliegen. Kurzum: Der Preis allein gibt immer weniger den Ausschlag, das neue OnePlus 5 muss sich mithin der namhaften Konkurrenz in puncto Ausstattung, Leistung, Qualität und Bedienbarkeit stellen. Ob das klappt?

Display

Beim Touchscreen setzen die Chinesen auf das Panel des Vorjahresmodells: 5,48 Zoll oder 139 Millimeter in der Diagonale, 1080 x 1920 Pixel die Auflösung. Damit kommt auch das OnePlus 5 wieder auf eine Dichte von 251 Pixel pro Quadratmillimeter (402 ppi) und liegt damit 14 Prozent unter dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones. Selbst für das Basismodell mit 499 Euro ohne Vertrag ist das 40 Prozent weniger Schärfe als üblich. Laut Co-Gründer Carl Pei hat man sich zugunsten einer besseren Akkulaufzeit gegen eine höhere Auflösung entscheiden. Was umso nachvollziehbarer ist, als dass auch bei Full HD keine einzelnen Pixel erkennbar und sogar kleine Schriften prima lesbar sind. Mehr braucht man eigentlich allenfalls für VR. Nicht zuletzt auch deswegen, weil das Super-AMOLED-Display knackige Kontraste liefert, denn schwarze Pixel werden vollständig ausgeschaltet. Allerdings könnte die Helligkeit von 445 Candela pro Quadratmeter etwas kräftiger ausfallen: Selbst für die im Allgemeinen etwas dunkleren OLED-Panels ist das 6 Prozent weniger als üblich. Alles kein Beinbruch, aber von einem Flaggschiff erwartet man nun mal in allen Disziplinen Bestwerte.

Prozessor

Unter der Haube steckt Qualcomms aktueller Top-Prozessor, der Snapdragon 835. Dessen acht Kerne sind zur Hälfte mit 2,46 und 1,9 Gigahertz getaktet, unterstützt wird er vom Grafikmodul Adreno 540 sowie von 6 Gigabyte Arbeitsspeicher. Zum Test lag die Maximal-Ausführung mit sage und schreibe 8 Gigabyte RAM vor. Zum Vergleich: Andere High-End-Handys wie das Samsung Galaxy S8 oder HTC U 11 kommen meist mit 4 Gigabyte, in Ausnahmen wie beim Huawei P10 Plus mit 6 Gigabyte. Heißt, dass das OnePlus 5 hier wirklich extrem protzt. Mit dieser Konstellation erzielt der Proband in der Gesamtwertung ein Ergebnis, das 114 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt liegt, das 5 rechnet also mehr als doppelt so schnell wie die durchschnittliche Konkurrenz! Das stellt eine erstklassige Leistung dar, auch in Relation zum Preis. Damit steigt der Kandidat in die Tempo-Charts auf Rang 3 ein. Und weil die ersten beiden Plätze von iPhones belegt werden, darf sich das OnePlus 5 zudem des Titels „schnellstes Android-Smartphone“ rühmen.

Methodik

Noch eine Anmerkung zu Berichten im Internet, die von „Benchmark-Betrug“ beim OnePlus 5 sprechen. Dabei geht es um die Tatsache, dass die Software die schwächeren vier Kerne des Prozessors auf ihre Maximalleistung von 1,9 Gigahertz takten, sobald eine Benchmark-App erkannt wurde. Das stimmt zwar, ist aber aus zweierlei Gründen irrelevant. Zum einen dümpeln diese vier Kerne trotzdem beispielsweise bei Geekbench 4 mit einer Auslastung zwischen 1 und 13 Prozent vor sich hin. Die maximale Taktung wirkt sich also nicht auf die Ergebnisse der betroffenen Benchmarks aus. Und zweitens erreicht das OnePlus 5 – anders als bei einigen früheren Tricksereien von anderen Herstellern – auch im regulären Betrieb besagte 1,9 Gigahertz bei den „kleinen“ vier Kernen. Im grafisch höchst anspruchsvollen Spiel „Dead Trigger 2“ zum Beispiel laufen diese Kerne ebenfalls über weite Strecken hin mit 1,9 Gigahertz. Die Ergebnisse der Benchmarks spiegeln mithin die Leistung unter realen Bedingungen wieder. Wie auch der Blick über den Tellerrand beweist: Das OnePlus 5 erzielt in der Gesamtwertung von Geekbench 4 stramme 6.821 Punkte. Das HTC U 11 zum Beispiel liegt bei 6.569 Punkten, das Sony Xperia XZ Premium bei 6.553 Punkten; beide haben ebenfalls den Snapdragon 835 intus, kommen aber mit 4 statt 8 Gigabyte Arbeitsspeicher. Absolut realistische Resultate ergo. Die Aufregung um die angebliche „Betrugsmasche“ ist also nicht einmal ein Sturm im Wasserglas. Die einzigen, die davon profitieren, sind jene Seiten im Web, die solche Meldungen mit aufgebrachten Überschriften und fetten Ausrufezeichen verbreiten. Faktisch können Interessenten sie aber vollständig ignorieren, die Ergebnisse der Benchmarks sind aussagekräftig. Zumal Verivox ohnehin stets mehr als 50 Einzelwerte aus 15 verschiedenen Benchmarks erfasst, um die Auswirkung etwaiger Manipulationen zu minimieren.

Akku

Der fest verbaute Stromspeicher fasst 3.300 Milliamperestunden und hält im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus 733 Minuten lang durch. Ein grandioser Wert, der satte 38 Prozent über dem Mittel rangiert. Das macht Rang 7 in der Akku-Bestenliste, das OnePlus 5 gehört also zu den ausdauerndsten Smartphones derzeit am Markt. Damit kommen Normalnutzer locker durch den Tag, vermutlich sogar über den zweiten. Und selbst die allermeisten Intensivnutzer werden tagsüber nicht nachtanken müssen. Lediglich bei extrem exzessiver Nutzung werden einige wenige Anwender womöglich tagsüber nachladen müssen, aber das bleibt definitiv die Ausnahme.

Ladezeiten

Und selbst dann dürften wenige Minuten an der Steckdose reichen, denn wie bei OnePlus üblich, kommt auch beim 5 die Schnellladefunktion „Dash Charge“ zum Einsatz. Am serienmäßig beiliegenden Netzteil, das mächtige 20 Watt liefert, ist der zuvor vollständig entladene Akku nach 15 Minuten bereits wieder zu 28 Prozent geladen, nach 30 Minuten sind es 58 Prozent und nach einer Stunde 93 Prozent. Für die volle Ladung benötigt der Proband gerade mal 85 Minuten, was angesichts der Kapazität der Kraftzelle 59 Prozent schneller ist als der Durchschnitt. Das macht Rang 9 in den Charts. Das OnePlus 5 gehört also auch zu den am schnellsten geladenen Mobiltelefonen.

Speicher

Das Gedächtnis des OnePlus 5 fasst in der dunkelblauen Basisversion für 499 Euro 64 Gigabyte, die schwarze Luxus-Ausführung mit 128 Gigabyte schlägt mit 549 Euro zu Buche. Allerdings sucht man bei beiden einen Micro-SD-Slot zur Erweiterung des Speichers vergebens. Nutzer müssen also mit den knapp 110 Gigabyte dauerhaft auskommen, beim kleinen Modell bleiben schätzungsweise 58 Gigabyte netto übrig. Die Begründung für diese Einschränkung erinnert an die Erklärungen von Google in Bezug auf die Nexus- und Pixel-Modelle: Der interne Speicher ist deutlich schneller als es jede Micro-SD-Karte sein kann. Das gilt besonders für das OnePlus 5, weil der Hersteller den superschnellen UFS 2.1 verwendet. Die Verwendung einer Micro-SD-Karte würde die gesamte Performance negativ beeinflussen. Im Gegenzug bleibt Platz für eine zweite Nano-SIM-Karte, auch das hiesige Modell unterstützt Dual-SIM. Nicht zuletzt unterstützt der Kandidat USB On-the-Go: Mit Hilfe eines optionalen Adapters lassen sich also beispielsweise USB-Sticks oder ganze Festplatten mit eigener Stromversorgung anschließen. Zu beachten ist hierbei aber, dass es sich um einen USB-C-Anschluss handelt, welcher nicht kompatibel ist mit dem bisher üblichen Micro-USB („Typ B“). Wer also alte Adapter besitzt, braucht neue. Das gilt auch für den Fall, dass altes Zubehör wie etwa ein Ladegerät weiterhin genutzt werden soll.

Sonstiges

In LTE-Netzen empfängt das OnePlus 5 Daten mit nominal bis zu 600 Megabit pro Sekunde – sofern das Netz am Standort sowie der Vertrag mitspielen. Auch WLAN ac und Bluetooth 5.0 sind mit ihren Standards aktuell, NFC ist ebenfalls an Bord. Der SAR-Wert von 1,39 Watt pro Kilogramm (Kopf) fällt jedoch recht hoch aus. Ein UKW-Radio sucht man ebenso vergebens wie Multimedia-Schnittstellen à la DLNA. Außerdem ist das 5 trotz AMOLED-Display und Android 7.1.1 nicht kompatibel mit Daydream, der VR-Plattform von Google. Nicht zuletzt wäre ein IP-Schutz vor Staub und Wasser schön gewesen.

Frontkamera

Die Kamera auf der Vorderseite schießt Selfies mit knapp 16 Megapixel und kann gleich zwei Besonderheiten aufweisen: einen Auto-HDR-Modus, dank dem sich der Kontrastoptimierer selbständig zuschaltet falls erforderlich, und einen Autofokus. Denn in aller Regel kommt auf der Front ein Fest-Fokus zum Einsatz. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die meisten Aufnahmen im Test gelangen ordentlich. Die knackige Schärfe des Huawei P10 Plus kann das OnePlus 5 aber weit nicht erreichen. Positiv fällt der Porträt-Modus auf, der Hautunreinheiten retuschiert, dabei aber nicht zu unnatürlich wirkenden Resultaten wie viele Konkurrenten führt; dieses Feature ist ausnahmsweise also wirklich brauchbar, selbst bei maximaler Einstellung der Intensität.

Hauptkamera

Die rückwärtige Kamera besteht – erstmals bei OnePlus – aus zwei Linsen. Beide sind mit einem Sensor von Sony ausgerüstet, weisen aber unterschiedliche Auflösungen (16 und 20 Megapixel), Brennweiten (Weitwinkel und Tele) sowie Blendenwerte (f 1,7 und f 2,6) auf. Der Nutzer hat jedoch keinen Zugang zu den einzelnen Kameras. Vielmehr ermöglicht die Doppellinse einerseits den so genannten Bookeh-Effekt, bei dem beispielsweise die Person im Vordergrund scharf und der Hintergrund unscharf ist. Damit dies optimal gelingt, müssen Hinter- und Vordergrund möglichst weit voneinander entfernt sein, mindestens aber zwei, drei Meter.

Zoom

Darüber hinaus erzeugen die unterschiedlichen Brennweiten einen 1,6-fachen optischen Zoom. Beworben wird jedoch ein „2-facher verlustfreier Zoom“, wobei „verlustfrei“ nicht mit „optisch“ gleichzusetzen ist. Denn die fehlende 0,4-fache Vergrößerung wird durch einen vom Hersteller nicht näher erklärten Prozess namens „Smart Capture“ erbracht, bei dem mehrere Bilder aufgenommen und verarbeitet werden. Zumindest diese 0,4-fache Vergrößerung ist also kein optischer, sondern ein elektronischer Zoom. Bei dem vom Anwender nutzbaren Resultat, der 2-fachen Vergrößerung, handelt es sich also um einen Hybrid-Zoom – gänzlich verlustfrei können die Ergebnisse daher nicht sein. Allerdings muss man schon genau hinsehen und die angefertigten Fotos stark vergrößern, um Bildfehler zu erkennen. Für ein Smartphone ist dieser verlustarme Zoom recht ordentlich und eindeutig ein Gewinn. Allerdings nur, solange gute Lichtbedingungen herrschen, also namentlich: draußen bei Sonnenschein. Denn bereits unter mittleren Lichtbedingungen wie am Abend oder in geschlossenen Räumen erhöht sich das Bildrauschen des Zooms erheblich. Von Vorteil wiederum: Auch während einer laufenden Videoaufnahme kann man den Zoom jederzeit ändern. Dieser reicht dank digitaler (lies: verluststarker) Vergrößerung bis zum Faktor 8.

Bildqualität

Unter guten Lichtverhältnissen zeigt das OnePlus 5 eine hervorragende Schärfe, die lediglich in der linken oberen und linken unteren Ecke nachlässt. Auch Belichtung, Kontraste, Dynamik und Farben können sich sehen lassen. Sogar Nahaufnahmen gelingen unter diesen Bedingungen erstklassig. Bei weniger als optimalem Licht werden die Aufnahmen aber schnell unscharf und das Bildrauschen steigt sichtlich. Zumindest im Nahbereich helfen hier jedoch die beiden weißen LEDs auf der Rückseite, die stolze 113 Lux liefern: 84 Prozent mehr als für Smartphones gemeinhin üblich. Bilder bei mittlerem und wenig Licht ohne Einsatz des Blitzes verrauschen indes stark. Das ist für Smartphones leider üblich, liegt beim OnePlus 5 aber deutlich über dem regulären Maß. Das ist umso enttäuschender, als dass das OnePlus 5 mit einem Blendenwert von lichtstarken f 1,7 an den des Samsung Galaxy S7 und S8 respektive S8+ erinnert, aber weit nicht mit deren Ergebnissen bei suboptimalen Lichtverhältnissen mithalten kann. Daher reicht es in der Fotowertung nur zu einem „Befriedigend“. Ein erheblicher Rückschritt im Vergleich zum „Sehr gut“ des OnePlus 3T und OnePlus 3. Mit dem Zweiten sieht man also nicht zwangsläufig besser.

Video

Bewegtbilder nimmt der Proband auf der Front in Full HD (1920 x 1080 Pixel) und auf der Rückseite in Ultra HD (3840 x 2160 Pixel, auch 4K genannt) respektive in Full HD mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde auf. Leider ist den Entwicklern hier ein Fehler unterlaufen: In regulärer Videoausrichtung, also im Querformat mit der USB-Buchse rechts, sind die Stereo-Spuren durcheinandergeraten. Heißt, der Ton beispielsweise einer Person rechts im Bild wird links wiedergegeben und umgekehrt. Das irritiert doch ziemlich. Auch das Update auf Oxygen 4.5.6 hat diesen Fehler nicht behoben. Ein Trick hilft aber: Hält man das Telefon bei der Aufnahme mit der USB-Buchse links, passt die Kanalzuordnung. Weshalb die Punktabzüge für diesen Fehler marginal bleiben.

Videoqualität

In Full HD kann die Schärfe nicht zur Gänze überzeugen: Sämtliche Testaufnahmen waren nicht wirklich knackig. Aber immer noch besser als mancher Konkurrent bei gleicher Auflösung, vor allen Dingen, weil keinerlei Komprimierungsartefakte auszumachen sind und der Autofokus absolut gar nicht pumpt – was keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt. Und auch wenn das OnePlus 5 nicht über einen optischen Bildstabilisator („OIS“) verfügt, so liefert das elektronische Pendant („EIS“) doch überraschend gute Ergebnisse ab: Selbst schnelle Bewegungen oder Aufnahmen im Laufen beruhigt die Software verblüffend effektiv. Toll! Leider klappt das nicht in Ultra HD: Hier scheint der EIS nicht aktiv zu sein, denn die Testaufnahmen wackelten in 4K deutlich mehr als bei der Einstellung 1080p. Das ist umso bedauerlicher, als dass gerade in Ultra HD Schärfe und Details erheblich besser ausfallen – wie das nun mal in der Natur der Sache liegt bei vierfacher Auflösung. Nicht zuletzt stellen sich auch bei Videoaufnahmen die schon im Zusammenhang mit der Fotoqualität erwähnten Schwächen ein: Bei weniger als optimalen Lichtbedingungen macht sich ein deutliches Bildrauschen breit, das exponentiell stärker wird, je weniger Licht vorhanden ist. Hier rettet dann auch der Blitz nicht die Situation im Nahbereich, denn im Dauerbetrieb liefern die beiden LEDs nur 52 Lux. Das ist zwar im Vergleich zu anderen Smartphones ein neuer Bestwert, aber immer noch zu wenig, denn Videos brauchen noch viel mehr Licht als Fotos. Weshalb auch in der Videowertung trotz aller Vorzüge unter guten Lichtverhältnissen lediglich ein „Befriedigend“ herausspringt.

Audio

Im Hörtest am Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt der Kandidat einen kräftigen, harmonischen und natürlichen Klang. Dieser gefällt besser als bei den Vorgängern, weil beim Novizen die Bässe nicht mehr so überpräsent sind – immer noch ein bisschen, aber deutlich weniger als bei den früheren Mobiltelefonen von OnePlus. Außerdem scheint der Frequenzgang am oberen Ende weiter hinauf zu reichen als etwa beim 3 und 3T, denn Höhen klingen auf dem Kandidaten eine ganze Ecke spritziger. Zwar nicht ganz so exzellent wie bei der Referenz, dem Samsung Galaxy Note 4, aber doch schon äußerst erfreulich. Weshalb es diesmal auch zu einem knappen „Sehr gut“ in der Audiowertung reicht.

Verarbeitung

Der Aluminium-Unibody des OnePlus 5 sieht nicht nur ungemein edel aus, sondern erweist sich auch als sehr stabil: Im Verwindungstest bewegt sich da nahezu nichts, weder knarzt der Proband noch knackt er. Damit hat der Kandidat deutlich bessere Chancen, einen Sturz zu überleben, als die zahlreichen Konkurrenten mit Glas auf der Rückseite. Die rückwärtigen Kanten sind etwas stärker abgerundet als bei den Vorgängern, weshalb das OnePlus 5 etwas gefälliger in der Hand liegt. Mehr hierzu im folgenden Video, welches das OnePlus 5 mit seinem Vorgänger vergleicht, dem OnePlus 3T:

Auch die restliche Verarbeitung erweist sich als ganz hervorragend, da gibt es rein gar nichts zu meckern. Die Maße von 74 x 154 Millimeter machen den Chinesen zwar nicht gerade zum einem Kompaktmodell, sind aber völlig normal für diese Bildschirmgröße. Genauer gesagt liegt die Relation von Front- und Anzeigefläche bei 72 Prozent, womit der Kandidat knapp über dem Durchschnitt liegt. Alles im grünen Bereich mithin.

Fingerabdruck-Sensor

Wie schon bei den Vorgängern, wurde auch beim Novizen der Scanner für Fingerabdrücke wieder unten auf der Front platziert. Gerade größere Mobiltelefone muss man dann aber relativ weit unten halten, um den Sensor zu erreichen. Und bei 153 Gramm kann das OnePlus 5 da schnell kopflastig werden, was die Gefahr erhöht, es fallen zu lassen. Auf der Rückseite wäre der Fingerabdruck-Scanner einfacher erreichbar, was gleichzeitig die Bedienung sicherer machen würde. Zudem übernimmt der Sensor bis auf das Entsperren von Telefon und Apps sowie dem Bezahlen keine weiteren Funktionen wie etwa das Scrollen durch Galerien oder andere Gesten. Es gibt also eigentlich keinen Grund, ihn nicht auf die Rückseite zu verlegen.

Bedienung

Als Betriebssystem dient Android 7.1.1, über das die Chinesen die inzwischen wohl bekannte Nutzeroberfläche Oxygen OS legen, welche mittlerweile Version 4.5.6 erreicht hat. Diese verändert das native Android nicht, so wird zum Beispiel das Menü („App Launcher“) durch einen Wisch vom unteren Bildrand zur Mitte hin aufgerufen, und auch die Pop-up-Fensterchen bei Gedrückt-Halten von Icons auf dem Homescreen unterstützt der Proband. Mehr zu den neuen Funktionen von Android 7 im folgenden Video:

Ähnlich wie Motorola ergänzt OnePlus das native Android um einige zusätzliche Funktionen. Das geht los mit einem speziellen Schieberegler in der linken Flanke, welcher zwischen den Audio-Profilen „Lautlos“, „Bitte nicht stören“ und „Ton“ wechselt. Ferner kann der Nutzer auf Wunsch diverse Gestensteuerungen einzeln aktivieren, darunter zum Beispiel das Umdrehen des Telefons zum Stummschalten des Klingeltons oder das Anfertigen eines Screenshots durch Streichen mit drei Fingern über den Touchscreen. Auch „Tap 2 Wake“ darf nicht fehlen, also die Möglichkeit, das Telefon durch einen Doppeltipp auf das Display aus dem Standby-Modus zu wecken. Darüber hinaus können beliebige Apps durch das Zeichnen eines Buchstabens auf dem Sperrbildschirm gestartet werden, zur Auswahl stehen O, V, S, M und W. Das „S“ wie „Selfie“ könnte also etwa die Frontkamera öffnen.

Oxygen OS

Positiv auch, dass die Nutzeroberfläche Oxygen OS Anwendern enorm viele Optionen eröffnet, das Telefon zu individualisieren. So kann man zum Beispiel im „Symbol-Manager“ festlegen, welche Info-Icons in der Statuszeile ganz oben erscheinen dürfen. Oder dort die Netzwerkgeschwindigkeit anzeigen lassen. Soll die „Zurück“-Funktion lieber rechts sitzen wie bei Samsung? Auch kein Problem. Dies und vieles mehr bietet das native Android nicht an, weshalb Oxygen OS ein kräftiges Plus an Komfort bedeutet.

Neue Funktionen

Neu hinzugekommen ist unter anderem die „Secure Box“, die sich im Dateimanager findet. Alle Dokumente, Fotos und Videos, die zuvor mit der Option „Als sicher festlegen“ markiert wurden, sind anschließend allein über die „Secure Box“ erreichbar, die wiederum nur via PIN oder Fingerabdruck zugänglich ist. Weniger auffällig ist eine Neuerung hinter den Kulissen: Die Entwickler haben nämlich die Software des OnePlus 5 so angepasst, dass sie analysiert, welche Apps der Anwender häufig nutzt: Diese werden höher priorisiert, bleiben also im Zwischenspeicher und werden beim Einschalten des Telefons als erste gestartet. Im Gegenzug rücken selten verwendete Programme in den Hintergrund, um nicht nur die gefühlte Geschwindigkeit zu erhöhen, sondern auch um Strom zu sparen.

Fazit

Das OnePlus 5 kann wie schon seine Vorgänger mit hervorragender Verarbeitungsqualität, robustem Aluminium-Unibody und nativem Android punkten, dank der Nutzeroberfläche Oxygen OS erweist sich die Bedienung als hochgradig individualisierbar und komfortabel. Auch das Display blieb mit knapp 5,5 Zoll oder 139 Millimetern sowie einer Auflösung von 1080 x 1920 Pixel erhalten. LTE mit 600 (statt 300) Megabit pro Sekunde, Bluetooth 5.0 (statt 4.2), WLAN ac, NFC und Dual-SIM waren ebenfalls bereits bei den 2016-er-Modellen an Bord.

Der Akku hält 733 Minuten lang durch, womit der Proband 38 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt liegt. Das bringt sogar die allermeisten Intensivnutzer über den Tag. Besitzer eines OnePlus 3T müssen deswegen aber nicht umsteigen, denn ihr Telefon spielt schließlich 686 Minuten lang mit und rangiert damit 30 Prozent über dem Mittel: Das dürfte ebenfalls den meisten reichen. Das sieht beim OnePlus 3 schon anders aus: Mit 549 Minuten und lediglich 4 Prozent über dem Schnitt werden Intensivnutzer definitiv zwischentanken müssen.

Der bärenstarke Snapdragon 835 Prozessor hievt den Kandidaten zusammen mit sensationellen 8 Gigabyte Arbeitsspeicher 114 Prozent über den Mittelwert, womit das OnePlus 5 Rang 3 der Tempo-Charts einnimmt und damit das derzeit schnellste Android-Smartphone ist. Das OnePlus 3T (derzeit 68 Prozent über Durchschnitt) und OnePlus 3 (58 Prozent über Mittel) ist damit zwar nominal deutlich abgeschlagen, doch dürfte auch deren Leistung immer noch den allermeisten Anwendern vollauf ausreichen. Aufs aktuelle 5-er aufrüsten muss man daher nicht unbedingt.

Zumal das OnePlus 5 in einer Disziplin schwächelt, und zwar in Sachen Kamera. Die neue Doppellinse erweist sich nämlich als in den Ecken etwas unschärfer und zeigt ein recht hohes Bildrauschen, das exponentiell stärker wird je weniger Licht vorhanden ist. Zumindest im Nahbereich hilft aber der enorm kräftige LED-Blitz aus. Hinzu kommt aber noch, dass der zuvor vorhandene optische Bildstabilisator auf der Strecke blieb, und der nun eingesetzte elektronische Stabilisierer zwar einen tollen Job macht, aber nur bei Full-HD-Videoaufnahmen verfügbar ist, nicht bei den deutlich schärferen 4K-Videos. Weshalb das OnePlus 5 sowohl in der Foto- als auch in der Videowertung jeweils nur ein „Befriedigend“ einfährt, während das 3 und 3T immerhin in der Abteilung Foto ein „Sehr gut“ kassieren konnten, bei den Videos erntete das 3T ein „Befriedigend“ und das 3 ein „Mangelhaft“. Fotofreunde sollten daher eindeutig bei den Vorgängermodellen verweilen und auf das nächste Flaggschiff hoffen.

Unterm Strich erweist sich die Kamera jedoch als einzige Schwäche des OnePlus 5, alles andere kann sich sehen lassen. Und gerade in den wichtigen Disziplinen Prozessorleistung sowie Akkulaufzeit erweist sich der Chinese gar als erstklassig. Wer Videoaufnahmen Full HD ausreichend findet und auch bei den Fotos nicht so genau hinsieht, dürfte mit dem OnePlus 5 rundum glücklich werden. Ja, der Speicher lässt sich mangels Micro-SD-Slot nicht erweitern, doch steht neben dem Standardmodell mit 64 (netto: geschätzt etwa 58) Gigabyte für 499 Euro noch eine Luxusversion mit 128 (netto: 110) Gigabyte für 559 Euro zur Wahl.

Und selbst diese teurere Variante schneidet im Preis-Leistungs-Verhältnis bereits einigermaßen passabel ab: Das OnePlus 5 steigt hier nämlich 34 Prozent unter Durchschnitt ein – während die meisten Neuheiten der Mittel- und Oberklasse zwischen 30 und 60 Prozent unter Mittel starten. Das „kleine“ OnePlus 5 mit 6 Gigabyte RAM und 64 Gigabyte Speicher für 499 Euro bleibt gar nur 19 Prozent unter dem Schnitt.

Damit spielt das OnePlus 5 durchaus auf dem Niveau seiner Vorgänger: Das OnePlus 3T startete nämlich im Preis-Leistungs-Verhältnis 16 Prozent unter dem Mittel, das OnePlus 3 glatte 20 Prozent. Auch wenn das 5 teurer ist als seine Ahnen, bekommen Käufer also in etwa gleich viel für ihr Geld und etwas mehr als bei den großen Herstellern.

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