Moto G4 Plus im Test: Aufpreis und Abstriche

29.06.2016

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Fingerabdruck-Sensor, Fotos mit 16 statt 13 Megapixel und eine kürzere Akkuladezeit: Das Motorola Moto G4 Plus hat mehr zu bieten als das Basis-G4 und das bei gerade mal 50 Euro Aufpreis. Lohnt sich die Zusatzausgabe? Oder müssen Käufer auch mit Abstrichen rechnen? Das zeigt der Test.

Um ein potenzielles Missverständnis gleich zu Beginn zu vermeiden: Das „Plus“ steht nicht etwa für einen größeren Touchscreen. Der ist mit 5,46 Zoll respektive 139 Millimeter nämlich schon enorm üppig – noch mehr kann man für 299 Euro nicht erwarten. Auch Prozessor, Dual-SIM, LTE, NFC, Bluetooth 4.1 sowie WLAN n sind absolut identisch, Verarbeitung und Handhabung des nativen Android 6 sowieso. Deshalb sei für all dies auf den Test des Moto G4 verwiesen. Im Folgenden werden die Unterschiede behandelt.

Laufzeit etwas kürzer

Der erste kommt überraschend, denn in beiden Varianten steckt ein fest verbauter Akku mit 3.000 Milliamperestunden. Trotzdem gehen beim Moto G4 Plus nach 564 statt 580 Minuten die Lichter aus, mithin 3 Prozent früher als beim Moto G4. Diese Differenz darf man aber getrost vernachlässigen, zumal das Plus auch mit diesem Resultat immer noch 16 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones liegt. Damit kommt Otto Normalnutzer locker durch den Tag, womöglich sogar über den zweiten. Bei Intensivnutzern hängt es davon ab, welche Aufgaben anliegen und wie extrem es zur Sache geht. Aber die Allermeisten sollten mit dem Moto G4 Plus entspannt in den Abend gelangen.

Turbo-Lader

Darüber hinaus hat das Plus ein dickes Ass im Ärmel: Im Gegensatz zum Basis-G4 unterstützt es nämlich schnelles Laden! Damit zeigt der zuvor vollständig entladene Stromspeicher nach 15 Minuten am serienmäßig beiliegenden Netzteil bereits wieder 21 Prozent an, nach 30 Minuten sind es 42 Prozent, nach einer Stunde 84 Prozent. Die volle Ladung benötigt 104 Minuten: Angesichts der Kapazität ist das 28 Prozent schneller als der Schnitt. Das Moto G4 braucht dafür ganze 307 Minuten und ist damit 57 Prozent langsamer als üblich. Für alle, die tagsüber meist nur wenig Zeit zum Zwischentanken haben, bietet sich das G4 Plus damit ganz eindeutig an. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass solches Turbo-Tempo den Akku schädigen kann, weshalb dieser bereits nach 100 Ladevorgängen nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität aufweist – bei täglichem Laden wäre das nach rund 14 Wochen. Siehe hierzu die Ausführungen im Test des Sony Xperia X.

Fingerabdruck-Sensor

Der Fingerabdruck-Sensor entsperrt das G4 Plus schnell und komfortabel – auf diesen Luxus muss das reguläre G4 verzichten. Allerdings führt die Schaltfläche mit dem quadratischen Rahmen ringsum zu der Annahme, sie fungiere auch als Home-Button. Was nicht der Fall ist: Das geht allein über die Navigationsleiste innerhalb des Touchscreens. Kein Beinbruch, daran hat man sich schnell gewöhnt. Trotzdem schade.

32 GB-Version als Schnäppchen

Vorteil Nummer drei: Anders als beim Moto G4 steht für das G4 Plus auch eine Version mit 64 Gigabyte internem Speicher zum Preis von 344 Euro ohne Vertrag zur Auswahl. Alle G4-Versionen lassen sich zwar mittels Micro-SD-Karte erweitern, doch Manchem kann es ja nie genug sein. Für die Meisten vermutlich noch spannender: Im Webshop von Motorola ist das G4 Plus (derzeit?) mit 32 Gigabyte Speicher zum Preis von 299 Euro zu haben – das ruft der Hersteller eigentlich für die kleine Variante mit 16 Gigabyte auf. Letztere findet sich so auch tatsächlich im freien Handel. Doch wer kauft schon fürs selbe Geld das kleine Modell, wenn er dafür 32 Gigabyte bekommt? Zumal sich das Telefon auf der Motorola-Website im „Moto Maker“ auch noch individuell gestalten lässt.

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Fotos mit 16 Megapixel

Last but not least löst die Kamera des Plus mit 16 statt 13 Megapixel auf. Das sieht man natürlich, zumindest wenn man die Fotos auf größeren Bildschirmen als dem des Telefons betrachtet. Auf die Distanz von wenigen Metern unterstützt zudem der Laser-Autofokus den Scharfstell-Vorgang, weshalb manche Nahaufnahme etwas knackiger gelingt. Auf der anderen Seite führt die höhere Auflösung aber auch zu kleineren Dioden auf dem Foto-Sensor, weshalb diese weniger Licht einfangen. Das wiederum erfordert entweder längere Belichtungszeiten (die mangels optischem Stabilisator zu verwackelten Ergebnissen führen würden) oder zu höheren ISO-Zahlen, also einer höheren Empfindlichkeit des virtuellen Films. Eine Testaufnahme bei wenig Licht demonstriert das deutlich: Während sich das G4 für ISO 1250 entscheidet, muss das G4 Plus zu ISO 2000 greifen. Das Resultat sind ein gröberes Korn sowie ein höheres Bildrauschen beim G4 Plus. Trotzdem ist der Gesamteindruck beim Plus etwas besser, es bleibt beim „Gut“ in der Foto-Wertung.

Videos in Full HD

Videos nimmt das Plus ebenfalls in Full HD (1920 x 1080 Pixel) auf, doch fallen die Clips wesentlich unschärfer aus als beim regulären Moto G4. Zumindest teilweise: Bei etwa zwei Drittel der Testaufnahmen arbeitet der Autofokus schlichtweg falsch. Mitunter zieht er nach einer Weile nach, beispielsweise nach rund 30 Sekunden, doch bei manchem Clip reagiert er auch nach vier Minuten noch nicht. Üblicherweise würde die Videowertung deshalb auf „Mangelhaft“ abgewertet. Doch erstens tritt der Fehler wie beschrieben nicht immer respektive nicht immer dauerhaft auf, und zweitens bleibt der Autofokus wirklich extrem stabil und pumpt nicht: Sowas sieht man leider allzu selten bei Smartphones. Nicht zuletzt: Wenn der Autofokus sauber arbeitet, sind die Ergebnisse wirklich wunderbar scharf für Full HD. Weshalb dem Moto G4 Plus ein gnädiges und maximal knappes „Ausreichend“ zuteil wird, verbunden mit der Aufforderung an den Hersteller, das Problem schnellstmöglich per Software-Update zu beheben. Das Basis-G4 fährt für seine Video-Qualität hingegen ein „Gut“ ein, das Plus verliert in dieser Disziplin also deutlich an Boden.

Audio: Ein Lautsprecher für alles

Wie schon beim Geschwister-Modell kommt lediglich ein einziger Lautsprecher zum Einsatz, der gleichzeitig zum Telefonieren als auch für die Wiedergabe von Klingeltönen oder Musik herhalten muss. Üblicherweise werden heutzutage dafür zwei getrennte, unterschiedliche Lautsprecher verbaut. Hinsichtlich potenzieller Probleme der Motorola-Konstruktion sei erneut auf den Test des Moto G4 verwiesen.

Am Kopfhörer-Ausgang unter Verwendung des Referenz-Headsets, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt das Plus einen kräftigen, natürlichen Klang. Die Höhen tönen spritzig und klar, aber auch eine Spur „kratzig“, die Bässe sind satt und druckvoll ohne zu dröhnen. Das gibt ein glattes „Sehr gut“, wie schon beim Basis-G4.

Fazit

Es wäre doch so schön gewesen! Das Motorola Moto G4 Plus ist eigentlich klar das bessere G4: Fingerabdruck-Sensor, schärfere Fotos, superschnelles Laden und dann auch noch 32 statt 16 Gigabyte interner Speicher – für gerade mal 50 Euro mehr. Da dürfte jedem die Entscheidung leichtfallen.

Leider müssen aber auch zwei Rückschritte verzeichnet werden. Der erste ist noch marginal: Denn auch wenn der fest verbaute Akku des Plus eine um 3 Prozent kürzere Laufzeit im Test liefert, so liegt auch dieses Ergebnis immer noch 16 Prozent über dem Durchschnitt und dürfte damit die Allermeisten locker durch den Tag bringen.

Manko Nummer zwei betrifft die Videoqualität: Die Clips sind teilweise leider recht unscharf, weil der Autofokus nicht immer sauber arbeitet. Das gibt nur mit sehr viel Wohlwollen noch ein hauchdünnes „Ausreichend“.

Wer beide Kritikpunkte mit einem Achselzucken abtun kann, findet im Moto G4 Plus definitiv das bessere G-Modell.

Abschließend sei noch einmal der Tipp wiederholt, dass – zumindest derzeit – im Webshop von Motorola das Moto G4 Plus mit 32 Gigabyte Speicher für 299 Euro zu haben ist, mithin zum selben Preis wie die 16-Gigabyte-Version im freien Handel.