HTC One Mini 2 im Test: Eine Nummer kleiner

26.05.2014

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Unmittelbar nach dem One (M8) schickt HTC nun mit dem One Mini 2 auch eine neue Miniaturversion seines Flaggschiffs ins Rennen – selbstverständlich für einen günstigeren Preis. Der Touchscreen des Ablegers schrumpfte von 5 auf 4,5 Zoll, entsprechend kompakter wurde auch das Gehäuse. Darüber hinaus haben die Taiwaner die Kamera des One (M8) mit vier Millionen Ultrapixel und Entfernungssensor gegen eine reguläre Kamera ausgetauscht, die dafür aber eine Auflösung von satten 13 Megapixel bietet. Damit könnte sich das One Mini 2 für Fotofans als die bessere Wahl erweisen. Ob HTC noch weitere Merkmale des M8 geändert hat, verrät der Test.

Auf dem Papier scheinen die Abmessungen des HTC One Mini 2 mit 64,7 x 137,3 statt der 70,5 x 146,4 Millimeter des One (M8) nur marginal geringer. Doch das täuscht, denn die knapp sechs Millimeter weniger machen einen verblüffend deutlichen Unterschied. Hinzu kommt das geringere Gewicht von 137 statt 160 Gramm. Die Ergonomie ist ebenso gelungen wie beim Flaggschiff. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil HTC dieses Mal dasselbe Aluminium-Unibody-Gehäuse wie beim M8 verwendet, das sich handschmeichlerisch um sämtliche Kanten herum zieht. Nicht zuletzt bleibt die hervorragende Stabilität des Originals erhalten.

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Deutlich kompakter

Die Preisfrage lautet nur, mit welchen Kompromissen Kunden die Komprimierung des Formfaktors erkaufen müssen. Ein kleines Display ist da immanent, in der Fläche wird ein Minus von stolzen 19 Prozent gemessen. Das Mini erzielt eine Diagonale von 113 Millimetern (4,45 Zoll).

Auflösung reduziert

Der entscheidende Unterschied betrifft vielmehr die Auflösung: Diese haben die Entwickler nämlich von 1080 x 1920 auf 720 x 1280 Pixel reduziert. Das ergibt eine Schärfe von 169 Pixel pro Quadratmillimeter (330 ppi). Während das M8 zu den besten Darstellungskünstlern gehört, rangiert das Mini 2 hingegen elf Prozent unter dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Das bedeutet jedoch mitnichten, dass sich beispielsweise kleine Texte auf dem Mini nicht lesen ließen, nur fehlt das letzte Quäntchen an Schärfe, in etwa vergleichbar mit dem Unterschied zwischen DVD und BluRay. Hinzu kommt aber, dass beim Mini eine andere Panel-Technologie Verwendung findet, namentlich Super-LCD 2 statt 3. Die Bezeichnung IPS ist markenrechtlich geschützt, weshalb HTC seine eigene Terminologie nutzt, technisch gesehen handelt es sich jedoch um das identische Prinzip. Bei Super-LCD 3 liegt eine Dual-Domain-Matrix vor, was bedeutet, dass die einzelnen Bildpunkte auf beiden Achsen besonders blickwinkelstabil sind, weshalb die Darstellung auf dem Mini 2 etwas früher und intensiver abweicht, sobald man nicht mehr lotrecht, sondern aus zunehmend flacherem Blickwinkel auf den Bildschirm sieht. Auch hierbei handelt es sich um eher geringfügige Differenzen in der Anzeigequalität, doch es summiert sich und man erkennt, wo der Hersteller gespart hat.

Weitgehende Identität

Was die Funkausstattung samt LTE Cat 4 für Datenempfangsraten von nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde, DC-HSPA für maximal 42 Megabit in UMTS-Netzen, WLAN n inklusive 5-Gigahertz-Band, Bluetooth 4.0 und NFC betrifft, so fiel lediglich der allerneueste Standard WLAN ac weg, was allerdings die meisten Interessenten verkraften können dürften, da dieser erst von wenigen Routern unterstützt wird. Selbst der interne Speicher blieb mit 16 Gigabyte unangetastet, von denen nach Aktualisierung sämtlicher vorinstallierten Apps netto noch 10,1 Gigabyte frei verfügbar sind. Das reicht locker, zumal sich in der Flanke ein Slot für Micro-SD-Karten mit bis zu 128 Gigabyte findet und die meisten Apps ausgelagert werden können.

Kleinerer Prozessor

Bis hierher dürften die meisten Interessenten noch am Ball geblieben sein, doch leider hat HTC auch den Prozessor ausgetauscht: Anstelle des mächtigen Snapdragon 801 mit vier Kernen à 2,3 Gigahertz und seines Grafikchips Adreno 330 kommt nun das Gespann Snapdragon 400 mit 4-mal 1,2 Gigahertz plus Adreno 305 zum Einsatz, das zudem von nur 1 statt 2 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt wird. Daher überrascht es wenig, dass das Mini 2 in den Benchmarks schlechter abschneidet. Vor allen in Grafiktests wie „Ice Storm Unlimited“ von 3DMark hinkt das Mini mit seinen knapp 4.690 Punkten dem M8 und dessen rund 20.770 Punkten doch erheblich hinterher. Und so rangiert das Mini 2 in der Gesamtwertung von zwölf der bekanntesten Benchmarks 38 Prozent unter dem aktuellen Durchschnitt, während das M8 satte 59 Prozent darüber liegt. Für Alltags-Apps wie WhatsApp, Maps oder Browser reicht das locker, auch im Multitaskingbetrieb. Selbst Spiele wie „Riptide GP“ und „Asphalt 8“ laufen auf dem Mini flüssig; bei Letzterem werden übrigens die Onscreen-Tasten vollständig ausgeblendet. Vorbildich! Lediglich sehr anspruchsvolle Aufgaben respektive Games dürften an die Leistungsgrenzen des Prozessors stoßen.

Schlapper Akku

Der fest verbaute Akku fasst nun 2.100 statt 2.600 Milliamperestunden, wobei die Relation zur Größe des Displays, dem hungrigsten Stromfresser, exakt identisch blieb, nämlich drei Prozent über Durchschnitt. Umso verblüffender, dass der Knirps im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit maximaler Displayhelligkeit im Flugmodus lediglich 339 Minuten lang durchhielt; das M8 schaffte unter identischen Bedingungen 486 Minuten. Das macht 21 Prozent unter Durchschnitt gegen 14 Prozent darüber.  Im direkten Vergleich geht dem Mini 2 also deutlich früher die Puste aus – trotz des bescheideneren Prozessors und wesentlich weniger Pixel. Wer Wert auf eine möglichst lange Laufzeit legt, sollte sich daher eindeutig an das One (M8) halten.

Enttäuschende Kamera

Womöglich kann ja die 13-Megapixel-Kamera über solche Defizite hinwegtrösten, denn beim One (M8) kommt bekanntlich ein Modul mit vier Millionen besonders großen Sensorpixeln zu Einsatz. Diese werden begleitet von einem optischen Bildstabilisator und einer Zweitlinse, welche die Entfernung zu den Objekten ermittelt. Beim Mini 2 mit mehr als dreimal so vielen Bildpunkten zeigen die Fotos mehr Details und wirken schärfer, weil um fast die Hälfte verkleinert. Umgekehrt fallen beim M8 die Farben kräftiger und meist auch natürlicher aus, was auf kleinen Bildschirmen zusammen mit der höheren Dynamik den Eindruck einer höheren Schärfe erweckt. Doch auch wenn die Schärfe des Mini 2 höher ist als die des M8, so lässt sie doch im Vergleich zu anderen 13-Megapixelern zu wünschen übrig: Da hat man schon sehr viel Besseres gesehen. Zumal bei vielen Aufnahmen ein deutlicher Rotstich zu erkennen ist.

Hinzu kommt, dass bei mäßigen und vor allem schlechten Lichtverhältnissen oftmals nur noch ein weitgehend schwarzes oder zumindest unscharfes Motiv beim Mini 2 herauskommt. Auch fällt das Bildrauschen beim M8 signifikant geringer aus. Die Fotos des One (M8) mit ihren natürlicheren Farben und besseren Kontrasten schneiden unterm Strich besser ab als jene des Mini 2, das lediglich ein arg enttäuschendes „Ausreichend“ kassiert.

Passable Videos

Videoaufnahmen fertigen beide Modelle in Full HD an, also mit 1920 x 1080 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde. Auch hier fällt der Rotstich des Mini 2 auf. Außerdem sind die Clips des M8 einen Hauch schärfer. Der nur selten nachziehende Autofokus verdient auch beim Mini 2 ein besonderes Lob; dieser kann zudem in den Einstellungen vollständig fixiert werden. Videos erzielen dafür ein solides „Befriedigend“.

Kräftiger Klang

In der Front des Mini 2 sitzen kräftige Stereo-Lautsprecher. „BoomSound“ sorgt auch beim Schrumpfmodell für einen vollen Klang, zumindest für Smartphone-Verhältnisse. Das UKW-Radio benötigt zum Empfang jedoch Kopfhörer, weshalb das Telefon nicht als Transistorradio-Ersatz taugt. Am Referenz-Kopfhörer produziert der Proband denselben rundum natürlichen Sound wie das M8 mit spritzigen Höhen und voluminösen Bässen. Dafür gibt es selbstverständlich ein „Sehr gut“.

Das Beste fehlt: Kein Motion Launch

Die Bedienung entspricht haargenau jener des One (M8), denn auch diesmal legt HTC seine Nutzeroberfläche Sense 6 über Android 4.4.2. Einziger Unterschied: Dem Mini fehlen die „Motion Launch Gesten“, zu denen unter anderem die Möglichkeit zählt, das Telefon durch einen Doppeltipp auf den Touchscreen aus dem Standby-Modus zu wecken. Diese Funktion stellt jedoch die komfortabelste Neuerung des M8 dar, weshalb die Handhabungswertung des Mini 2 schlechter ausfällt.

Fazit: M8 und M7 sind die besseren Alternativen

Der Lerneffekt von HTC in Bezug auf die Kritik am ersten One Mini beschränkt sich leider auf Design und Materialien, denn auch beim One Mini 2 haben die Taiwaner im Vergleich zum großen One (M8) mehr reduziert als bloß die Größe. Neben der niedrigeren Display-Auflösung kommt eine nicht ganz so hochwertige Panel-Technologie zum Einsatz, sodass die Darstellungsqualität insgesamt geringer ist. Vor allem aber wurde der Prozessor ausgetauscht: Anstelle des Hochleistungs-Chips Snapdragon 801 steckt im Mini der Snapdragon 400, der sich als rund zweieinhalbmal schlapper erweist. Die 13-Megapixel-Kamera enttäuscht ebenfalls: Da hat man schon Besseres in dieser Liga gesehen, und die Knipse des One (M8) erweist sich in Situationen mit mäßigen und schlechten Lichtverhältnissen als weit überlegen. Die Kamera des Mini kann die Prozessordegradierung daher nicht kompensieren. Nicht zuletzt fehlt die entscheidende Funktion zum Wecken des Telefons aus dem Standby-Modus per Doppeltipp auf den Touchscreen, weshalb das One Mini 2 insgesamt klar schlechter abschneidet als das Flaggschiff.

Auch den Vergleich mit dem ersten One (M7) verliert das Mini 2, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis bei einer Preisempfehlung von 449 Euro aktuell fünf Prozent unter dem Durchschnitt liegt. Das M7 mit annähernd gleichen Maßen, 4,7-Zoll-Display in Full HD, außerhalb des Touchscreens residierenden Tasten und aktuell 390 Euro ohne Vertrag ist daher nicht nur deutlich günstiger, sondern liegt im Preis-Leistungs-Verhältnis auch 14 Prozent über dem Durchschnitt. Dessen Snapdragon 600 hat 40 Prozent mehr PS unter der Haube als die CPU des Mini 2, einzig beim Speicherkartenslot kann der Knirps punkten, weil dieser dem M7 fehlt. Da müssten die Straßenpreise für das Mini 2 schon unter 380 Euro rutschen, um mit dem M7 gleichzuziehen.

Wer also das beste One sucht, sollte zum M8 greifen, in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis hat das alte One derzeit die Nase vorn.

Ausstattung                 160 von 175

Foto                             16 von 25

Video                           17 von 25

Musik                          23 von 22

Handhabung                198 von 250

gesamt                        414 von 500