Das OnePlus 3T im Test: Kleines Update – großes Upgrade

Heidelberg – Zwischenmodelle haben oft kaum mehr zu bieten als das Original. Viele Besitzer warten daher lieber auf das nächste neue Serienmodell. Auch OnePlus hat seinem OnePlus 3 mit dem Nachfolger 3T lediglich ein Update beschert. Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert: An fünf Stellschrauben – Prozessor, Akku, Preis, Foto und Video – haben die Chinesen im Vergleich zum Vorgängermodell gedreht. Ob das OnePlus 3T die 40 Euro mehr wert ist und warum das kleine Update ein richtiges Upgrade mit sich bringt, erfahren Sie im Test. 

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Bild: OnePlus 3T Bild: ©OnePlus / Text: Verivox

Ausstattung

Bis auf die wenigen Unterschiede entsprechen alle anderen Faktoren haargenau jenen des OnePlus 3. So misst der AMOLED-Touchscreen weiterhin 5,48 Zoll (139 Millimeter) und die Auflösung beträgt 1920 × 1080 Pixel. Auch LTE mit 300 Megabit pro Sekunde war schon an Bord, ebenso wie WLAN ac, Bluetooth 4.2 und NFC. Über Android 6.0.1 legt der Hersteller die Benutzeroberfläche „Oxygen OS“. Sogar Optik, Haptik und Verarbeitung gleichen exakt dem Vorgänger. Im Folgenden geht es also rein um die Unterschiede zum Vorgängermodell. Alle anderen Details gibt es direkt im Test des OnePlus 3.

Prozessor

Neu ist zunächst der Prozessor: Anstelle des Snapdragon 820 sitzt nun der 821 unter der Alu-Hülle. Dessen vier Kerne sind mit 2,34 und 2,2 statt mit 2,15 und 1,6 Gigahertz getaktet. Als Grafikeinheit kommt der identische Adreno 530 zum Einsatz und auch 6 Gigabyte Arbeitsspeicher stecken bereits beim Vorgänger unter der Haube. In der Gesamtwertung von mehr als 50 erfassten Einzelwerten aus 15 der bekanntesten Benchmarks erzielt der Proband ein Ergebnis, das 83 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones liegt. Das ist ein bisschen mehr als beim Vorgänger, der aktuell 64 Prozent darüber rangiert. Damit belegt das 3T Rang 7 der Tempo-Charts, während das OnePlus 3 aktuell Rang 9 innehat – kein riesiger Sprung nach vorn. Das belegt auch der Praxisversuch mit dem grafisch aufwändigen Spiel „Dead Trigger 2“: Dort kommt das 3er-Modell auf 59 von 60 möglichen Bildern pro Sekunde, das 3T auf die vollen 60 Bilder pro Sekunde. Diesen marginalen Unterschied dürfte kaum jemand in der Praxis bemerken.

Akku

Änderung Nummer zwei betrifft den Akku: Dieser fasst nun 3.400 statt 3.000 Milliamperestunden. Dennoch sank das Gewicht von 160 auf 159 Gramm. Im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela pro Quadratmeter gedimmtem Bildschirm im Flugmodus tut sich Erstaunliches: Der Proband erzielt 686 Minuten und liegt damit 38 Prozent über dem Schnitt. Das macht Rang 6 in der Hitliste der ausdauerndsten Smartphones! Damit sollten selbst Intensivnutzer locker durch den Tag kommen, Normalnutzer werden vermutlich sogar zwei Tage ohne Nachtanken schaffen. Im Vergleich zum Vorläufer ist das eine erhebliche Verbesserung: Dieser kommt nämlich auf nur 549 Minuten und schippert damit lediglich 11 Prozent über dem Durchschnitt – sicher nicht genug für Intensivnutzer. Besitzer des OnePlus 3, die regelmäßig im Laufe des Nachmittags mit dem Akku in Schwierigkeiten geraten, dürften daher ernsthaft einen Umstieg auf das 3T in Erwägung ziehen – denn damit sollten sie in aller Regel den Abend erreichen.

Ladezeiten

Serienmäßig liegt dem Kandidaten ein Netzteil mit satten 4 Ampere bei, üblich sind 1 bis 1,5 Ampere, in Ausnahmefällen auch mal 3. Das bedeutet, dass die Stromstärke beim OnePlus weit höher ist als üblich, was den Akku schneller lädt. In Zahlen ausgedrückt: Der zuvor vollständig entladene Stromspeicher weist nach 15 Minuten bereits wieder einen Stand von 27 Prozent auf, nach 30 Minuten sind es 55 Prozent und nach einer Stunde 91 Prozent. Für die komplette Ladung benötigt der Proband 95 Minuten, was angesichts der Akkukapazität 58 Prozent schneller ist als im Schnitt. Damit ist er erstaunlicherweise etwas langsamer als sein Vorgänger, der 76 Minuten für die komplette Ladung braucht, was in Relation zur Kapazität 74 Prozent über dem Mittel liegt – schnell sind damit aber beide. Dabei sei allerdings angemerkt, dass nach bisherigem Kenntnisstand ein derart schnelles Laden die Kraftzelle fünfmal schneller abnutzt als ohnehin (mehr dazu im Test des Sony Xperia X). Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher ein schonenderes Netzteil mit 1 bis 1,5 Ampere verwenden.

Zwei Modelle

Zum dritten hat sich im Vergleich zum Vorgänger auch der Preis verändert: Der Hersteller ruft für den Nachfolger mit 64 (netto: 52) Gigabyte Speicher 439 Euro auf, also 40 Euro mehr als für das OnePlus 3, das ab sofort nicht mehr verkauft wird. Darüber hinaus steht nun auch ein Modell mit 128 Gigabyte Speicher zur Wahl, für das 479 Euro fällig werden. Das dürfte für einige spannend sein, denn auch beim 3T lässt sich der Speicher wieder nicht erweitern. Weitere Eindrücke und Information dazu gibt es im folgenden ausführlichen Hands-on-Video zum OnePlus 3T:

Foto

Die vierte Neuerung betrifft die Frontkamera, die nun Selfies mit 16 statt 8 Megapixel schießt. Die Hauptkamera löst weiterhin mit 16,2 Megapixel auf und punktet mit einem optischen Bildstabilisator. Mehr zu den Kameradetails gibt es im Test des OnePlus 3. Die rückwärtige LED liefert mit 93 Lux nahezu dieselbe Lichtstärke wie das 3er-Modell und leuchtet damit den Nahbereich recht ordentlich aus.

Wie schon beim Vorgänger bestechen auch die Aufnahmen des OnePlus 3T mit hoher Schärfe und Detailtreue bis in die Ecken. Belichtung, Kontraste, Dynamik und Farben können ebenfalls überzeugen. Allein die leichten Komprimierungsartefakte auf großen Flächen, wie an Himmel oder Wolken, müssen beanstandet werden – das war aber alles auch schon beim OnePlus 3 zu beobachten. Bei mittleren Lichtbedingungen wie in geschlossenen Räumen und erst recht bei schlechten Beleuchtungsverhältnissen macht sich der optische Bildstabilisator positiv bemerkbar. Er sorgt auch noch am Abend trotz langer Belichtungszeiten für meist knackige Fotos. Im Vergleich zum Vorläufer hat das Bildrauschen sichtlich nachgelassen und die Kanten wirken etwas schärfer. Um diese Unterschiede zu bemerken, muss man aber schon ganz genau hinsehen. Deshalb fällt die Fotowertung auch nur marginal besser aus: Es bleibt beim knappen „Sehr gut“.

Video

Bewegtbilder zeichnet der Kandidat in Full HD (1920 × 1080 Pixel) bei 30 oder 60 Bildern pro Sekunde oder in Ultra HD/4K (3840 × 2160 Pixel) auf. Die Frontlinse geht bis Full HD mit. Anders als bei den Fotos macht sich bei Videos die vom Hersteller angekündigte Verbesserung der Bildqualität – Neuerung Nummer fünf – deutlich bemerkbar: Während die Clips beim 3er-Modell „schwimmen“, tritt dieses Phänomen beim 3T nicht mehr auf. Auch die heftigen Artefakte bei Schwenks sind passé, was der erhöhten Datenrate bei UHD-Clips von 42 auf 56 Megabit zu verdanken ist. Geblieben ist leider das leichte Grieseln sowie das gelegentliche dezente Pumpen des Autofokus. Somit reicht es am Ende „nur“ zu einem strammen „Befriedigend“, doch das ist immerhin deutlich besser als das „Mangelhaft“ des OnePlus 3.

Audio

Beim Klang am Kopfhörerausgang kann hingegen keinerlei Verbesserung festgestellt werden: Da fehlt es noch immer massiv an Höhen, die Bässe klingen unpräzise und überpräsent, weshalb der Gesamteindruck dumpf und matt wirkt. Wie beim Vorgänger setzt es dafür ein „Mangelhaft“. Wer jedoch ohnehin nur einfache Kopfhörer mit knappem Frequenzgang nutzt, wird davon wenig mitbekommen. Lediglich für Musikliebhaber, die auch unterwegs einen guten Sound erwarten, könnte dieser Patzer ein Ausschlusskriterium darstellen.

Fazit

Es ist verständlich, dass OnePlus mit diesem Upgrade nicht bis zum 4 warten wollte: Das 3T wartet zwar mit wenigen, aber entscheidenden Verbesserungen im Vergleich zum OnePlus 3 auf. Vor allem punktet die Akkulaufzeit, die sich um glatte 25 Prozent verbessert hat und nun auch Intensivnutzer ohne Zwischentanken über den Tag bringen sollte. Der Prozessor legt mit 19 Prozent ebenfalls tüchtig zu. In der Praxis dürfte davon aber kaum jemand etwas bemerken, da auch der Vorläufer nach wie vor enorm kräftig ist.

Dezent fällt auch die Optimierung der 16-Megapixel-Fotos aus. Die Videos in UHD konnten sich hingegen von „mangelhaft“ auf ein strammes „Befriedigend“ verbessern. Der Klang am Kopfhörerausgang kassiert weiterhin ein „Mangelhaft“. Die Selfies haben dagegen von 8 auf 16 Megapixel zugelegt.

Nicht zuletzt stehen Interessenten jetzt vor der Wahl zwischen einer Version mit 64 und 128 Gigabyte Speicher – und weil dieser nicht erweiterbar ist, dürfte so mancher zur großen Variante tendieren.

Allerdings sind auch die Preise gestiegen: von 399 auf 439 respektive 479 Euro. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bleibt dennoch nahezu unverändert: Das OnePlus 3T steigt 16 Prozent unter dem Durchschnitt ein; das OnePlus rangiert aktuell 15 Prozent darunter. Da aber Smartphones der Mittel- und Oberklasse meist zwischen 30 und 60 Prozent beginnen, bieten beide Modelle weit mehr für ihr Geld als in dieser Liga üblich. Oder anders ausgedrückt: Das 3T ist den Aufpreis von 40 Euro absolut wert.

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