Wiko Ridge 4G im Test: Sehr solide Smartphone-Leistung

13.04.2015

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Schick, schlank, leicht und dank spezieller Rückseitenbeschichtung ein echter Handschmeichler: Das Wiko Ridge 4G punktet nicht nur mit Dual-SIM, LTE und 13-Megapixel-Kamera, sondern auch mit attraktiver Optik und Haptik. Der Test.

Schon die Maße des Wiko Ridge 4G sind verführerisch: 7,3 Millimeter schlank, 121 Gramm leicht – für einen Fünfzöller ist das quasi Size Zero. Verwindungsversuchen trotzt der Proband dabei problemlos, ohne dass sich das Deckglas auf das Panel durchdrücken würde. Wer den Flachmann einmal in die Hand genommen hat, wird ihn nie wieder hergeben wollen, denn die Rückseite ist mit einem Kunststoff beschichtet, der sich so warm und weich anfühlt wie Samt. Und dabei dennoch enorm robust ist: Eventuelle Gebrauchsspuren werden einfach weggerubbelt. Hinzu kommt, dass die Oberfläche sehr stumpf ist und damit den Fingern einen hervorragenden Grip verleiht. Praktisch, schick und angenehm: Was will man mehr?

Aber auch technisch hat der Franzose eine Menge zu bieten: So unterstützt das Ridge als eines der wenigen Handys hierzulande Dual-SIM, kann also mit zwei Mobilfunk-Karten parallel betrieben werden. LTE sorgt für eine schnelle Anbindung ans mobile Internet, und eine 13-Megapixel-Kamera lässt auf schöne Fotos sowie Videos hoffen. Die beste Nachricht aber dürfte für die Meisten der Preis sein: Wiko ruft nämlich für das Ridge eine vergleichsweise moderate Empfehlung von 219 Euro ohne Vertrag auf.

Gutes Display fürs Geld

Dass der erstklassig verarbeitete Franzose nicht nur gut aussieht, beweist die Analyse des Bildschirms, der in der Diagonale 4,98 Zoll oder umgerechnet gut 126 Millimeter misst. Dieser erweist sich nämlich in der Praxis dank IPS als erfreulich blickwinkelstabil und mit gemessenen 478 Candela pro Quadratmeter als angenehm hell und ist somit auch im Freien gut lesbar. Die Auflösung von 720 x 1280 Pixel ergibt zwar eine eher mäßige Schärfe von 135 Pixel pro Quadratmillimeter – Topmodelle wie das Samsung Galaxy S6 und S6 Edge bringen es heutzutage auf bis zu 518 Pixel pro Quadratmillimeter –, doch geht dieser Wert angesichts des Preises von jetzt zum Start knapp 220 Euro ohne Vertrag mehr als in Ordnung. 52 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones liegt das Ridge damit, Kunden erhalten also weit mehr Schärfe für ihr Geld als üblich. Das gilt auch für die Größe des Bildschirms: Hier rangiert die Relation zum Preis sogar satte 81 Prozent über dem Mittelwert.

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Mittelklasse-Prozessor

Als Prozessor kommt der Qualcomm Snapdragon 410 zum Einsatz, dessen vier Kerne mit 1,2 Gigahertz getaktet sind und der unterstützt wird vom Grafikmodul Adreno 306. Der Arbeitsspeicher fasst 2 Gigabyte; in dieser Preisklasse hätte auch die Hälfte nicht verwundert. Trotzdem erzielt der Mittelklasse-Chip in der Gesamtwertung aus zwölf der bekanntesten Benchmarks mit mehr als 50 erfassten Einzelwerten eine Leistung, die 39 Prozent unter dem Durchschnitt liegt. Das entspricht dem Niveau etwa eines Samsung Galaxy A3 und A5 oder Motorola Moto G 2. Doch auch hier ändert sich die Situation, wenn man den Preis berücksichtigt: Dann nämlich liegt das Ridge mit seinem Ergebnis immerhin sieben Prozent über dem Mittel. Also nicht top, aber rundum akzeptabel.

Prima Akkulaufzeit

Der fest verbaute Lithium-Polymer-Akku fasst 2.400 Milliamperestunden. Im Laufzeittest mit der Wiedergabe eines Videos im Flugmodus bei düsteren 200 Candela pro Quadratmeter hielt der Proband 513 Minuten durch und landet damit acht Prozent über dem Schnitt. Sicherlich kein neuer Rekord, aber für ein dermaßen flaches und leichtes Smartphone mit 5-Zoll-Mattscheibe überaus respektabel! Normalnutzer sollten damit locker über den Tag kommen.

Speicher erweiterbar

Hinsichtlich der restlichen Ausstattung schlägt sich das Ridge weitgehend gut: So beherrscht es Dual-SIM, kann also mit zwei Mobilfunk-Karten parallel betrieben werden. Ein Szenario, dass nicht nur im Fall von privater und beruflicher SIM-Karte interessant ist, sondern es etwa auch ermöglicht, Sprach- und Datentarif von unterschiedlichen Anbietern zu kombinieren. In LTE-Netzen werden Daten mit nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde empfangen, dank DC-HSPA in UMTS-Netzen mit maximal 42 Megabit pro Sekunde. Allerdings unterstützt das Wiko weder den aktuellen Standard WLAN ac, noch das 5-Gigahertz-Band bei WLAN n. Dass NFC fehlt, dürfte hingegen kaum jemanden ernsthaft stören. Multimedia-Schnittstellen wie MHL oder DLNA kennt der Proband nicht, und Exchange lässt die Synchronisierung von Aufgaben vermissen. Der interne Speicher fasst ordentliche 16 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps noch 11,4 Gigabyte netto frei verfügbar sind. Unter dem Akkudeckel findet sich ein Slot für Mikro-SD-Karten, die offiziell bis zu 64 Gigabyte fassen dürfen, doch im Test akzeptierte das Ridge auch einen Chip von SanDisk mit 128 Gigabyte anstandslos.

Mehr erwartet

Fotos nimmt der Kandidat mit maximal 4160 x 3120 Bildpunkten oder 12,98 Megapixel auf, bei der Frontkamera sind es bis zu 2592 x 1944 Bildpunkte respektive 5,04 Megapixel. Die Ausstattung der Kamera-App entspricht dem regulären Funktionsumfang, also zum Beispiel diverse Szenenprogramme, HDR oder Gesichtserkennung, auf der Rückseite sitzt eine LED zum Ausleuchten des Nahbereichs. Besonders gefällt die Tatsache, dass der Autofokus durch ein Quadrat anzeigt, wenn er eingerastet ist, ebenso wie die Gesichtserkennung – beides leider immer noch nicht selbstverständlich für Mobiltelefone. Die voreingestellte Auslöseverzögerung ist mit rund 0,7 Sekunden hingegen selbst für ein Smartphone zu lang. Um diese zu deaktivieren, müssen Nutzer die entsprechende Einstellung manuell vornehmen. Die Fotos werden unter guten Lichtbedingungen erfreulich scharf, doch hat man schon Besseres gesehen in der 13-Megapixel-Liga. Außerdem hatte sich bei einigen Testaufnahmen ein leichter Farbstich eingeschlichen. Belichtung und Dynamik passen fast immer. Soweit alles ordentlich also. Allerdings fällt das Bildrauschen recht hoch aus, selbst bei Aufnahmen im Freien. Darüber hinaus sollte man Motiven nicht allzu nahe kommen, weil der Autofokus sonst nicht scharfstellen kann. Bilder in geschlossenen Räumen oder am Abend weisen die für Handy typischen leichten Unschärfen aufgrund der langen Belichtungszeiten auf. Somit reicht es unterm Strich zu einem „Befriedigend“, was jedoch für diese Liga etwas unterdurchschnittlich ist.

Schwache Vorstellung

Videos zeichnet das Ridge mit maximal 1920 x 1080 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde auf, also in Full HD. Die Frontkamera geht mit bis zu 1280 x 720 Bildpunkten mit. Die Kamera-App lässt separate virtuelle Auslöser für Fotos und Videos vermissen, der Nutzer muss somit jedes Mal über einen Schiebeschalter wechseln, was wertvolle Sekunden kostet wenn es einmal besonders schnell gehen muss. Die Qualität der Aufnahmen überzeugt mit hoher Schärfe, doch auch hier stört das vergleichsweise hohe Bildrauschen, ja mitunter möchte man beinahe von einem Grieseln sprechen. Das lässt darauf schließen, dass die Software kräftig nachschärft. Hinzu kommt eine etwas zu geringe Dynamik: In dunklen Bildbereichen bleiben nur wenige bis keine Details erkennbar. Nicht zuletzt fällt die Datenrate mit 14 Megabit pro Sekunde zu gering aus für Full HD, was sich in Form von gelegentlichen Komprimierungsartefakten beispielsweise auf Flächen bemerkbar macht. Weil aber der Autofokus so gut wie niemals unnötig nachzieht – was bei Smartphones leider nur extrem selten anzutreffen ist – reicht es trotzdem noch zu einem knappen „Befriedigend“.

Satter Sound

Der Musik-Player produziert am Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference-Monitors, einen angenehm kräftigen, natürlichen Sound. Im direkten Vergleich mit der Referenz, dem Samsung Galaxy Note 4, bleiben Höhen und Bässe jeweils nur einen Hauch dahinter: Solche Unterschiede bemerkt man im Alltag und mit durchschnittlichen Kopfhörern nicht, weshalb auch das Ridge 4G ein „Sehr gut“ erzielt.

Kein Menü mehr

Ausgeliefert wird das Wiko mit Android 4.4.4; zum Update auf Version 5 gibt der Hersteller wie immer keine Auskünfte. Doch darf man fest davon ausgehen, dass die Aktualisierung kommt – die Frage ist nur, wann. Im Unterschied zu früheren Modellen der Franzosen, die auf natives Android setzten, haben die Entwickler nun ein paar Änderungen vorgenommen. Diese betreffen einerseits das Design der quietschbunten Icons, andererseits das Menü: Letzteres existiert nämlich schlicht und ergreifend nicht mehr. So wie schon von Huawei her bekannt, finden sich sämtliche Apps nunmehr ausschließlich auf den Startbildschirmen. Das erspart auf der einen Seite die doppelte Verwaltung, doch fällt andererseits auch die automatische Sortierung nach Alphabet weg, da die Icons auf den Homescreens manuell verschoben werden müssen. Wer diese Funktion vermisst, kann sich aber einen der zahlreichen und oft kostenlosen App Launcher von Google Play installieren – kein Beinbruch somit.

Missglücktes Geschenk

Mit der Zusatz-App „TouchPal“ wollte Wiko seinen Kunden vermutlich etwas Gutes tun, denn Funktionen wie die kontextabhängige automatische Wortvorhersage oder das Weiterwischen über das Ende eines Wortes hinaus durch Einbeziehung der Leerzeichentaste in die Wischbewegung erleichtern das Schreiben von Texten. Leider war es sich im Test aber nicht möglich, die App vom englischen Tastatur-Layout („QWERTY“) auf das deutsche „QWERTZ“ umzustellen, weshalb es sich am Ende als erforderlich erwies, in den Einstellungen auf das Android-Keyboard zu wechseln. Das beherrscht immerhin die swype-ähnliche Wisch-Eingabe.

Fazit

Das Wiko Ridge 4G bereitet keine größeren Enttäuschungen: Ja, die Qualität der Kamera bleibt ein wenig hinter den Erwartungen an 13 Megapixel zurück, doch mit den Fotos und Videos kann man sich arrangieren. Die schlappe Prozessorleistung wiederum dürfte zwar anspruchsvolle Gamer und andere Maximalisten nicht reizen, geht aber angesichts des aktuellen Preises von knapp 220 Euro ohne Vertrag voll in Ordnung. Das knapp 5 Zoll große, helle IPS-Display schließlich bietet weit überdurchschnittlich mehr Fläche und Schärfe als man es für diesen Preis erwarten kann. Der Kandidat punktet zudem mit einem ausdauernden Akku, was bei der flachen und leichten Bauweise des Ridge doppelt Respekt abverlangt. Nicht zuletzt kann sich die Ausstattung samt LTE, DC-HSPA und Dual-SIM sehen lassen.

In der Gesamtwertung erzielt das Ridge ein strammes „Gut“, das Preis-Leistungs-Verhältnis liegt satte 56 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt. Wenig- und Normalnutzer finden im Wiko Ridge 4G somit ein schickes, solides Smartphone mit prima Ausstattung für vergleichsweise kleines Geld, das lediglich bei der Kameraqualität gewisse Kompromisse erfordert.

Ausstattung                 145 von 175

Foto                             18 von 25

Video                           17 von 25

Musik                          22 von 22

Handhabung                205 von 250

gesamt                        407 von 500