Vodafone und O2 planen Kabel-Allianz gegen die Telekom

Düsseldorf/München – Die Deutsche Telekom könnte beim schnellen Internet einen weiteren bundesweiten Konkurrenten erhalten. Weil die EU-Kommission Bedenken gegen den Deal hat, zieht Vodafone-Chef Ametsreiter einen Joker. Vodafone will sein Kabelnetz dem Rivalen Telefónica Deutschland (O2) öffnen, um die Zustimmung der EU-Kommission zur milliardenschweren Übernahme von Unitymedia zu erreichen, wie der Konzern am 7. Mai in Düsseldorf mitteilte.

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Bild: Glückliches junges Paar vor Laptop Bild: ©Nebosja / Adobe Stock / Text: dpa, Verivox

Vodafone hatte im Frühjahr angekündigt, die Kabelnetze von Liberty Global – in Deutschland unter dem Namen Unitymedia im Geschäft – auch in Ungarn, Tschechien und Rumänien für insgesamt etwa 18,4 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Die EU-Kommission hatte Bedenken gegen den Zusammenschluss in Deutschland geäußert und eine vertiefte Prüfung des Deals eingeleitet.

Vodafone will Kabelzugang für O2 freigeben

Vodafone habe einen Großhandelsvertrag mit Telefónica geschlossen, sagte Vorstandschef Hannes Ametsreiter. Wenn die EU-Kommission die Unitymedia-Übernahme frei gebe, könne Telefónica eigene Kabelprodukte über das Vodafone-Netz an 23,7 Millionen Haushalte in Deutschland verkaufen und zu einem "weiteren starken, bundesweiten Wettbewerber" der Telekom werden. Telefónica bekomme Zugang zu Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde. Das sei schneller als die aktuell schnellsten VDSL-Angebote im Markt. "Unser Maßnahmenpaket in Deutschland hebt den Wettbewerb auf eine ganz neue Stufe", sagte Ametsreiter. Es sei gut für Verbraucher, Wettbewerb und TV-Kanäle.

Starke Kampfansage an die Telekom

Die Telekom sieht die Ankündigungen von Vodafone kritisch. "Der Vorschlag von Vodafone ist offenbar der Versuch, eine Fusion zu retten, die bei der EU-Kommission auf große Bedenken stößt", teilte der Bonner Konzern mit. Durch den Vertrag zwischen Vodafone und Telefónica werde kein einziger zusätzlicher Breitbandanschluss gebaut. "Problematisch könnte sein, dass der Ausbau von Glasfaser bis ins Haus gebremst wird", sagte ein Sprecher. Ein intensiverer Infrastrukturwettbewerb zum Ausbau von Glasfaser wäre aber gerade für Deutschland besonders wichtig.

United Internet sieht in der Vereinbarung einen "Schritt in die richtige Richtung". Vodafone rüste sein Kabelnetz auf Gigabit-Geschwindigkeiten auf, stelle Telefónica aber nur Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von maximal 300 Megabit zur Verfügung. Das werde den Wettbewerb nicht wirklich beleben. "Ohne den fairen Zugang aller Wettbewerber zum fusionierten Kabelnetz ändert sich nichts an der grundlegenden Problematik der geplanten Übernahme", sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth.

Positive Entwicklung für Verbraucher

„Wir sehen in der Ankündigung von Vodafone eine grundsätzlich positive Entwicklung für Verbraucher: einen tatsächlich bundesweiten Wettbewerb für Highspeed-Angebote über Kabelnetze zu ermöglichen. Inwieweit die notwendige Investitionsbereitschaft gegeben ist, auch den Glasfaser-Ausbau dadurch voranzutreiben, bleibt jedoch abzuwarten,“ sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox.

Vodafone kommt Brüsseler Bedenken auch beim Fernsehen entgegen. Fernsehsender könnten künftig Kundenbeziehungen über das Internet völlig unabhängig von Vodafone und seiner TV-Plattform eingehen. Vodafone verpflichte sich zudem, Sendern die Verbreitung ihrer Inhalte im Internet nicht einzuschränken.

Vodafone gehört seit 2014 das Netz von Kabel Deutschland. Der Konzern würde mit der Übernahme auch das verbliebene Kabelfernsehnetz in Deutschland kontrollieren, da Unitymedia große Teile der Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg gehören.

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