Sony Xperia Z3+ im Test: Kleines Upgrade mit Tücken

09.07.2015

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Nomen est omen: Das Sony Xperia Z3+ stellt kein überarbeitetes Modell, sondern lediglich ein Update des Z3 dar. Beispielsweise steckt ein neuer Prozessor unter der Haube. Doch genau der sorgt für Ungemach.

Die Z-Serie von Sony ist optisch so unverwechselbar wie ein Porsche 911 oder die Glatze von Kojak. Kantig, flach, edel, Glasbeschichtung auf Vorder- sowie Rückseite. Und natürlich State-of-the-Art-Technik. Weil jedoch die Versionssprünge bei den Vorgängern eher moderat ausfielen, beugt Sony potenziellen Unkenrufen dieses Mal gleich vor und nennt sein jüngstes Flaggschiff nicht Z4, sondern Z3+. Das nimmt Kritik den Wind aus den Segeln. Eine gute Entscheidung, denn das Xperia Z3+ entspricht weitgehend seinem Vorgänger, dem Xperia Z3.

Touchscreen hochwertig

So blieb der IPS-Touchscreen mit einer Diagonale von 5,15 Zoll (131 Millimeter) exakt gleich, ebenso wie die Auflösung von 1080 x 1920 Pixel, dank der die Mattscheibe auf eine gute Schärfe von 428 ppi (283 Pixel pro Quadratmillimeter) kommt. Weil es sich um ein qualitativ hochwertiges Dual-Domain-Panel handelt, bei dem die roten, grünen und blauen Subpixel in zwei Achsen angeordnet sind, kann sich die Blickwinkelstabilität sehen lassen. Einzig die Helligkeit sank leicht von 614 auf 558 Candela pro Quadratmeter, doch selbst damit liegt der Proband immer noch stramme 39 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Ein exzellenter Bildschirm also.

Kamera hochauflösend

Die Kamera blieb ebenfalls unverändert, Fotos nimmt auch das Z3+ mit 20,7 Megapixel auf. Allerdings fällt die Software bei jedem Start der Kamera auf die Einstellung „Überlegene Automatik“ zurück, bei der die maximale Auflösung 8,3 Megapixel beträgt. Für die vollen 20,7 Megapixel muss man also jedes Mal in den manuellen Modus wechseln. Die Qualität ist ordentlich, doch ein „Gut“ ist für die enorm hohe Auflösung ein wenig enttäuschend. Für Details sei auf den Test des Xperia Z3 verwiesen. Die Auflösung der Frontkamera erhöhten die Entwickler von 2 auf 5 Megapixel. Bestand haben auch die Videoaufnahmen mit wahlweise Full HD (30 oder 60 Bilder pro Sekunde) oder 4K (3840 x 2160 Pixel). Auch hier bleibt die Schärfe hinter den Erwartungen zurück, weshalb in dieser Disziplin ebenfalls nur ein „Gut“ herausspringt. Ebenso wie für den Klang des Musikplayers, der sich sogar ein klein wenig verschlechtert hat: Die Bässe hören sich leicht aufgepumpt an und dröhnen daher minimal, beinahe so, als habe man per Software nachgeholfen. Für ein „Gut“ reicht es aber trotzdem noch.

Knäckebrot: Dünn und leicht

Selbst die Größe des Telefons variiert nur um Haaresbreite: Aus 72,4 x 146,4 wurden 71,7 x 146,1 Millimeter – derlei macht sich subjektiv nicht bemerkbar. Als Bauhöhe gibt Sony 6,9 Millimeter an, tatsächlich gemessen werden konnten allerdings „nur“ 7,1 Millimeter; in jedem Fall fühlt sich das Z3+ nicht deutlich dünner an als das Z3 mit seinen 7,4 Millimetern. Was sich jedoch ohne Messinstrumente feststellen lässt, ist das geringere Gewicht von 144 statt 152 Gramm.

Schneller Datenturbo

Optimiert wurde die Datenrate: In LTE-Netzen beträgt das Tempo nun nominal 300 Megabit pro Sekunde, damit ist das Z3+ doppelt so schnell wie sein Vorgänger. Außerdem wird Bluetooth jetzt mit Version 4.1 unterstützt, also in der aktuellen Ausführung. DC-HSPA für den Datenempfang in UMTS-Netzen mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde, WLAN ac und NFC beherrscht bereits das Z3. Wirklich signifikant ist allein die Verdopplung des internen Speichers auf nunmehr 32 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps netto noch 19,78 Gigabyte verfügbar sind. Wie gehabt lässt sich das Gedächtnis mittels Micro-SD-Karten um bis zu 128 Gigabyte erweitern.

Prozessor: Achtkerner

Die entscheidende Veränderung hat beim Prozessor stattgefunden, denn anstelle des Snapdragon 801 werkelt nun der aktuelle Snapdragon 810 von Qualcomm im superflachen Gehäuse des Z3+. Vier dessen Kerne sind mit 2,0, die restlichen vier mit 1,5 Gigahertz getaktet. Neu ist zudem das Grafikmodul Adreno 430. Dieses Gespann steckt bereits im HTC One M9 sowie im LG Flex 2. Ergänzt wird es von satten 3 Gigabyte Arbeitsspeicher. Damit erzielt der Kandidat in der Gesamtwertung von zwölf der bekanntesten Benchmarks mit mehr als 50 erfassten Einzelwerten ein Resultat, das 33 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Eigentlich kein schlechter Wert, doch im Vergleich zum One M9 und Flex 2 schon ein wenig überraschend: Die beiden Snapdragon-810-Kollegen liegen nämlich aktuell 50 Prozent über dem Mittel. Und selbst das stellt noch nicht die Speerspitze dar: Die wird vom Samsung Galaxy S6 (Edge) sowie dem iPhone 6 und 6 Plus gebildet, die zwischen 82 bis 90 Prozent über dem Mittel rangieren. Kurzum: Das Xperia Z3+ liefert eine ordentliche Performance, setzt aber keine neuen Maßstäbe. Das Z3 rangiert derzeit 15 Prozent über dem Durchschnitt, macht also einen Zugewinn an Leistung von lediglich 18 Prozent für das Z3+.

Akku bleibt kurzatmig

Trotzdem könnte man ein Auge zudrücken, sofern die Akkulaufzeit stimmt: Schließlich dürfte der großen Mehrheit aller Kunden die Rechenkraft vollauf ausreichen. Deshalb stellt der Ausdauertest den spannendsten Aspekt der Untersuchung dar. Hierfür muss jeder Proband ein Video in Full HD bei einer mäßigen Displayhelligkeit von 200 Candela pro Quadratmeter im Flugmodus wiedergeben. Dabei hält der – wie immer fest verbaute und mit 2.930 statt 3.100 Milliamperestunden leicht reduzierte – Stromspeicher 358 Minuten lang durch. Damit macht das Z3+ glatte 23 Prozent früher schlapp als üblich! Der Vorgänger schafft unter identischen Bedingungen immerhin 567 Minuten, das macht eine Differenz von sage und schreibe 58 Prozent! Dem gegenüber steht besagter Leistungsgewinn des Prozessors von lediglich 18 Prozent – die Waagschale neigt sich somit klar zugunsten des fast ein Jahr alten Z3. Die Verkleinerung des Akkus für ein marginal geringeres Gewicht und eines 0,3 Millimeter flacheren Gehäuses darf somit als schlechte Entscheidung gewertet werden.

Heißsporn bei längerem Betrieb

Ein Gutteil des Dilemmas dürfte aber auf das Konto des Snapdragon 810 gehen, denn auch das One M9 und Flex 2 erlitten im Test bereits ähnliche Einbußen der Akkulaufzeit im Vergleich zu ihren Vorgängern. Das dürfte kaum Zufall sein. Hinzu kommt, dass die ermittelten Leistungswerte nur bei kühlem Gerät zustande kommen: Je länger der Prozessor nämlich kräftig beansprucht wird, desto schlechter fallen die Ergebnisse aus, weil die Software die Taktung nach und nach reduziert, um Überhitzungen zu vermeiden. So lieferte beispielweise Antutu auf dem Z3+ zu Beginn noch rund 51.900 Punkte, nach fünf Durchgängen lagen die Ergebnisse bereits unter 46.000 Punkten – ein Minus von rund 12 Prozent. Auch reichen nur wenige Minuten 4K-Videoaufnahme oder mit dem „AR-Effekt“, um die Rückseite des Telefons unangenehm heiß werden zu lassen. Nicht, dass man sich daran verbrennen könnte, doch liegen die Außentemperaturen deutlich über dem unter solchen Umständen Üblichen. Deshalb tendiert die Leistung des Z3+ im Langzeitbetrieb noch mehr in Richtung Z3, der Vorsprung des neuen Modells schmilzt somit zunehmend.

Zwangsabschaltung

Nicht zuletzt hat die Wärme-Entwicklung noch einen unschönen Nebeneffekt: Sobald eine gewisse Grenze überschritten ist, schaltet die Software die Kamera ab, um Hitzeschäden vorzubeugen – je nach Temperatur von Prozessor und Umgebung für wenige Sekunden bis hin zu mehreren Minuten. Das kann teilweise lediglich die 4K-Videos und den „AR-Effekt“ betreffen, unter Umständen aber sogar die Kameranutzung vollständig verhindern: Dann können nicht einmal mehr einfache Videos oder Fotos aufgenommen werden ehe das Gerät nicht abgekühlt ist. Dass 4K-Videoaufnahmen den Prozessor stark beanspruchen, ließ sich bereits bei früheren Modellen auch anderer Hersteller feststellen, allerdings nicht in solchem Ausmaß und Tempo wie beim Z3+.

Freiliegend

Auch wenn das Z3+ seinem Vorgänger zum Verwechseln ähnelt, so gibt es doch noch einen weiteren Unterschied: Sony hat nämlich die Abdeckung über dem Micro-USB-Slot entfernt – gegen Staub und Wasser geschützt nach IP65/68 ist das Z3+ trotzdem weiterhin. Nutzer müssen also nicht länger vor und nach jedem Ladevorgang mit der fummeligen Plastikkappe kämpfen. Im Gegenzug fiel der magnetische Port in der linken Flanke weg, über den sich bei den Vorgängern eine optionale Dockingstation ankoppeln ließ. Wer solches Zubehör besitzt, kann dieses nach Erwerb des Z3+ nicht weiter nutzen.

Doppeltipp

Die Bedienung gestaltet sich wie gewohnt, da Sony seine bekannte Nutzeroberfläche über Android 5.0.2 legt. Diese bringt an Neuerungen primär die Funktion „Zum Aufwecken tippen“ mit, dank der sich das Telefon durch einen Doppeltipp auf den Touchscreen aus dem Standby-Modus wecken lässt. Derlei kennt man bei anderen Herstellern schon seit Längerem und erweist sich als nahezu unentbehrlich, weil man sich binnen kürzester Zeit daran gewöhnt. Schließlich ist der Doppeltipp sehr viel schneller und komfortabler als die Suche nach dem Ein-/Aus-/Standby-Taster, zumal der durchschnittliche Nutzer statistisch gesehen mehr als 150 Mal am Tag sein Smartphone einschaltet. Endlich, kann man da nur sagen! Dieses Feature kommt mit dem Update auf Android 5.0.2 aber auch auf das Z3.

Fazit

Die Neuerungen des Sony Xperia Z3+ beschränken sich auf einige Details wie den doppelten internen Speicher, doppeltes LTE-Downloadtempo, Bluetooth 4.1 und die Frontkamera, die Selfies nun mit 5 statt 2 Megapixel schießt. Alles schön und gut, aber mitnichten ein Grund, vom Vorgänger auf das neue Flaggschiff umzusteigen. Zumal dieses jetzt zum Start knapp 700 Euro ohne Vertrag kostet, während das fast ein Jahr alte Z3 inzwischen ab rund 460 Euro zu haben ist.

Ja, der neue Snapdragon-810-Prozessor liefert 18 Prozent mehr Leistung als sein Vorgänger, kann aber trotzdem nicht mit Topmodellen à la iPhone oder Samsung Galaxy S6 (Edge) mithalten. Vor allem aber sank die Akkulaufzeit im Vergleich zum Z3 um satte 58 Prozent! Im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz liegt die Laufzeit des Z3+ damit 23 Prozent unter dem Durchschnitt. Besitzer eines Z3 dürften also kaum das Bedürfnis verspüren, auf das Z3+ umzusteigen. Und auch Neuerwerber fahren mit dem preisgünstigeren Z3 klar besser.

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Ausstattung                 173 von 175

Foto                             19 von 25

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Handhabung                212 von 250

gesamt                        443 von 500