Moto Z Play im Test: Längste Laufzeit oder Power-Prozessor?

Heidelberg - Das Motorola Moto Z Play ist ähnlich gut ausgestattet wie das Moto Z, kostet aber deutlich weniger. Dazu erzielt es einen neuen Bestwert bei der Akku-Laufzeit! Dennoch macht die Mutterfirma Lenovo dem Kunden die Kaufentscheidung nicht leicht. Was ist wichtiger - Akkulaufzeit oder Prozessorleistung? Ob es einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt, untersucht der Test.

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Bild: Motorola Moto X Bild: ©Motorola Mobility LLC / Text: Verivox

Das Motorola Moto Z zählt zu den interessantesten Neuerscheinungen des Jahres, den praktischen „Mods“ sei Dank. Die cleveren Zusatzmodule lassen sich schnell und einfach per Magnet an der Rückseite anheften. Und auch sonst konnte das Moto Z im Test rundum überzeugen. Lediglich eine kleinere Schwäche zeigte sich: Aufgrund seiner enorm dünnen Bauweise fällt der Akku ein wenig knapp aus, die Laufzeit rangiert lediglich 9 Prozent über dem Durchschnitt. Damit kommt Otto Normalnutzer gut durch den Tag, doch wer sein Mobiletelefon häufiger oder länger zur Hand nimmt, wird zwischentanken müssen. Oder er greift zum Akku-Mod mit weiteren 2.200 Milliamperestunden, der dann aber das ultradünne Design ruiniert.

Der neue Laufzeit-Champion

Von daher verdient die Mutterfirma Lenovo ein dickes Lob, dies gleich bedacht zu haben und Interessenten mit dem Motorola Moto Z Play eine Alternative zu bieten. Das kommt nämlich mit einem Akku, der 3.510 statt 2.600 Milliamperestunden fasst. Im Gegenzug fällt das Moto Z Play mit 7,0 statt 5,2 Millimetern etwas dicker aus und auch das Gewicht von 163 statt 138 Gramm hat merklich zugelegt. Trotzdem immer noch erheblich handlicher, schicker und leichter als das Moto Z plus Akku-Mod.

Damit kommt der Proband im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit auf 200 Candela pro Quadratmeter gedimmtem Display im Flugmodus auf sensationelle 819 Minuten und setzt so einen neuen Bestwert. Kein Smartphone im Test lief bisher länger! Genauer gesagt liegt das Moto Z Play damit 68 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Mobiltelefone. Im Vergleich zum Moto Z hält das Play 54 Prozent länger durch. Interessenten haben mithin die Wahl zwischen dem ultraschlanken Moto Z mit ordentlicher Laufzeit und dem etwas üppigeren Moto Z Play, das selbst Intensivnutzer locker über den Tag bringt.

Geringere Auflösung

Bis hierher wäre die Entscheidung für die meisten Interessenten eine leichte. Wenn denn der Akku der einzige Unterschied wäre! Doch haben die Entwickler noch einiges mehr geändert, was die Kaufentscheidung nicht ganz so einfach macht, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Die erste Differenz dürften die Allermeisten noch mit einem Achselzucken abtun: Der ebenfalls knapp 5,5 Zoll (139 Millimeter) große AMOLED-Touchscreen weist nämlich eine Auflösung von 1080 x 1920 statt 1440 x 2560 Bildpunkten auf. Damit kommt das Moto Z auf eine Schärfe von 250 Pixel pro Quadratmillimeter (402 ppi) und rangiert 6 Prozent unter dem Mittel.

Das Moto Z hingegen schafft 448 Pixel pro Quadratmillimeter (538 ppi) und ist damit 80 Prozent knackiger. Wobei sich nun die Frage stellt, ob man dieses Plus an Schärfe wirklich braucht beziehungsweise wie viel man davon in der Praxis sieht. Ja, im direkten Vergleich erkennt man bei genauem Hinsehen ein paar Details mehr auf dem Moto Z, doch reicht auch die Auflösung des Play rundum aus, selbst für Fotos und Videos.

Lädt langsamer

Des Weiteren klappt das Laden nicht ganz so schnell wie beim Zwillingsmodell, obwohl dem Play ebenfalls ein kraftvolles Netzteil mit 3 Ampere beiliegt. Dennoch weist der zuvor vollständig entladene Akku daran nach 15 Minuten einen Stand von 7 Prozent auf, nach 30 Minuten sind es 17 Prozent und nach einer Stunde 53 Prozent. Für die volle Ladung benötigt das Play 118 Minuten, was unter Berücksichtigung der Kapazität 31 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Ein hervorragender Wert, dennoch deutlich weniger als das superschnelle Moto Z, das satte 56 Prozent über dem Mittel rangiert. Wer für das Laden meist nur wenig Zeit zur Verfügung hat, braucht da beim Play mehr Geduld.

Auf der anderen Seite wird es kaum jemanden geben, der bei der grandiosen Akkulaufzeit des Play tagsüber nachtanken müssen wird. Deshalb bleibt diese Diskussion weitgehend theoretisch. Hinzu kommt, dass schnelles Laden nach aktuellem Stand der Erkenntnisse ohnehin den Akku schädigt, siehe hierzu die Ausführungen im Test des Sony Xperia X. Da ist dann sogar das Play noch zu fix, ein Netzteil mit um die 1 Ampere schont den Stromspeicher besser. Kurzum: Auch diese Abweichung stellt in der Praxis keinen Nachteil des Play dar.

Mittelklasse-Prozessor

Das ändert sich jedoch, sobald man die Abteilung Rechenleistung betritt. Denn im Moto Z Play steckt der Qualcomm Snapdragon 625 statt 820. Damit verbunden ist das Grafikmodul Adreno 506 statt 530, außerdem verfügt das Play über 3 statt 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Mit dieser Kombination erzielt der Proband in der Gesamtwertung aus mehr als 50 erfassten Einzelwerten von 15 der bekanntesten Benchmarks einen Wert, der 10 Prozent über dem Durchschnitt liegt. Zum Vergleich: Das Moto Z schwebt aktuell stolze 64 Prozent darüber.

Ein dermaßen großer Unterschied macht sich natürlich in der Praxis bemerkbar – zumindest bei leistungshungrigen Apps. Als Praxisbeispiel im Test dient das grafisch anspruchsvolle Spiel „Dead Trigger 2“, und da erzielt der Kandidat immerhin 56 von möglichen 60 Frames pro Sekunde. Bedeutet, dass auch das Moto Z Play für die allermeisten Interessenten genügend PS unter der Haube hat. Nur wer wirklich außergewöhnliche Ansprüche an die Rechenleistung hat, braucht mehr.

Höhere Auflösung, kein OIS

Auch an der Kamera haben die Entwickler geschraubt: Diese schießt Fotos mit knapp 16 statt 13 Megapixel. Auf der Front ist es bei 5 Megapixel samt LED-Blitz geblieben. Allerdings fällt dafür beim Moto Z Play der optische Bildstabilisator weg, außerdem weist die Linse einen Blendenwert von f 2,0 statt f 1,8 auf, lässt also weniger Licht durch. Dadurch ergeben sich für die Bildqualität signifikanten Unterschiede, die sich bereits bei mittleren Lichtbedingungen wie in geschlossenen Räumen offenbaren: Da zeigen die Fotos des Play nämlich ein weit höheres Bildrauschen als jene des Moto Z.

Unter schlechten Lichtverhältnissen wie am Abend wird der Unterschied noch ausgeprägter: Wo das Moto Z noch halbwegs Details in besonders dunklen Bildsegmenten preisgibt, sieht das Play nur noch Schwarz. Auch der zweifarbige Blitz auf der Rückseite hellt den Nahbereich weniger auf und färbt diesen zudem deutlich wärmer ein – um nicht zu sagen mit einem kräftigen orangefarbenen Stich. Das wird von den Messungen bestätigt: Während der LED-Blitz des Moto Z auf 70 Lux kommt, erreicht das Moto Z Play nur 53 Lux.

Überraschender Gewinner

Aufnahmen bei Tageslicht zeugen indes von einer höheren Detailtreue – kein Wunder bei rund 3 Megapixel mehr. Doch auch die Schärfe scheint beim Play etwas höher zu sein: Ecken und Kanten wirken präziser. Nicht zuletzt fallen Kontraste und Dynamik beim Play in aller Regel etwas höher aus, was den Eindruck der knackigeren Schärfe noch verstärkt. Wer also vornehmlich tagsüber fotografiert, ist mit dem Play besser beraten, alle anderen mit dem Moto Z. In der Gesamtwertung der Fotoqualität überwiegen Schärfe und Detailtreue, weshalb das Moto Z Play mit hauchdünnem Vorsprung als Sieger aus dem Geschwisterduell hervorgeht. Es bleibt wie beim Moto Z bei einem „Gut“ für die Fotoqualität.

Videos in 4K

Wie das Moto Z nimmt auch das Play Videos wahlweise in Full HD (1920 x 1080 Pixel) oder Ultra HD (3840 x 2160 Pixel) mit 30 Bildern pro Sekunde auf, der Modus in Full HD mit 60 Bildern pro Sekunde fehlt indes. In Full HD wirken die Clips nicht ganz so scharf und detailreich wie jene des Moto Z, dafür gelingen die Farben besser. In Ultra HD verhält es sich genau umgekehrt: Da fertigt das Play die knackigeren Clips an. Wie beim Zwilling fällt auch hier der enorm stabile Autofokus auf, der quasi niemals pumpt. Deshalb erzielt das Moto Z Play in der Videowertung sogar ein knappes „Gut“ anstelle des „Befriedigend“ des Moto Z. Zu mehr reicht es nicht, weil Aufnahmen aus der freien Hand mangels optischem Stabilisator nicht ganz so ruhig ausfallen und die Schärfe im Vergleich zur Konkurrenz sichtlich zurückbleibt.

Kopfhörerbuchse an Bord

Im Gegensatz zum Moto Z verfügt das Play über den (noch) regulären 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss für Kopfhörer, es muss also kein Adapter verwendet werden. Am Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt der Kandidat einen kräftigen Sound, wenngleich das Moto Z nochmal ein paar dB mehr zu bieten hat – worauf es auf diesem Niveau aber wirklich nicht ankommt. Der Klang wirkt beim Play ein wenig trockener, schärfer als beim Moto Z. Nicht im positiven Sinne, denn die Höhen sind identisch mit jenen des Moto Z, auch auf dem Play scheint also der Frequenzgang am oberen Ende früher einzubrechen als beim Referenz-Gerät, dem Samsung Galaxy Note 4. Vielmehr fehlt es dem Play an Bässen, während das Moto Z hier erfreulich volle und voluminöse Tieftöne liefert. Deshalb wirken die Höhen auf dem Play ein wenig überrepräsentiert.

Doch all diese Kritik spielt sich auf hohem Niveau ab, hörbar allein im direkten Vergleich und mit exzellentem Equipment. Deshalb fährt das Moto Z Play ein „Gut“ in der Audiowertung ein, wird also die allermeisten Nutzer rundum zufriedenstellen. Audiophile Zeitgenossen hingegen, die auch von ihrem Mobiltelefon einen optimalen Sound erwarten und deshalb auch zu teuren Headsets greifen, dürften mehr erwarten. Hier bieten sich beispielsweise HTC 10, LG G5 oder die Galaxy-Modelle der S6- und S7-Reihe an, alle auf demselben Niveau wie die Hörtest-Referenz.

Weitere Unterschiede

Die restliche Ausstattung ist weitgehend identisch. So fasst der interne, erweiterbare Speicher 32 (netto: 21,7) Gigabyte. Allerdings handelt es sich nicht um einen Hybrid-Slot wie beim Moto Z, sondern um echtes Dual-SIM: Der Anwender kann also sowohl zwei Nano-SIMs als auch eine Micro-SD-Karte einlegen. Das gilt zumindest für die im „Moto-Maker“ erworbenen Geräte, also im Online-Shop von Motorola. Alle anderen Shops vertreiben hingegen die Single-SIM-Version des Play. Auf der anderen Seite beherrscht das Play nicht WLAN ac und auch den Infrarot-Sender zur Nutzung des Telefons als Fernbedienung für TV & Co. sucht man beim Play vergebens. Außerdem beherrscht das Play laut Hersteller Bluetooth 4.2 statt 4.1 – die Unterschiede liegen primär in der optimierten Unterstützung von „Bluetooth Low Energy“ („BLE“) für stromsparendes Zubehör. LTE mit 300 Megabit pro Sekunde, WLAN n inklusive des 5-Gigahertz-Bandes, NFC und das Nano-Coating aller Bauteile zum Schutz vor Feuchtigkeit – nicht zu verwechseln mit einer echten IP-Zertifizierung – sind wie beim Moto Z an Bord.

Der für viele vermutlich entscheidende Punkt aber ist der Preis: Während Motorola für das Moto Z eine unverbindliche Preisempfehlung von 669 Euro aufruft, sind es beim Moto Z Play „nur“ 449 Euro. Angesichts eines solch erheblichen Unterschiedes dürfte dann womöglich doch mancher Interessent auf WLAN ac und den optischen Bildstabilisator zu verzichten bereit sein, vor allem bei einem dermaßen ausdauernden Akku.

Fazit

Mutterfirma Lenovo macht es Kunden wirklich nicht leicht: Das Motorola Moto Z ist ultra-flach und bärenstark, die Akkulaufzeit reicht aber allenfalls Normal-, nicht jedoch Intensivnutzern aus. Das Moto Z Play wiederum kann die längste Laufzeit aller bisher getesteten Smartphones vorweisen, doch wer Wert auf maximale Rechenkraft legt, wird mit dem durchaus guten Prozessor nicht ganz zufrieden sein. Die geringere Auflösung des mit 5,5 Zoll identisch großen Touchscreens des Play darf man getrost ignorieren. Es bleibt also beim klassischen Dilemma: Prozessorleistung oder Akkulaufzeit?

Die Kamera mit 16 statt 13 Megapixel hat Vor- und Nachteile: Bei guten Lichtverhältnissen sind die Fotos schärfer als beim Moto Z, das dafür aber dank seines optischen Stabilisators unter schlechten Lichtbedingungen weit bessere Resultate liefert. Unterm Strich ernten beide ein „Gut“. Die UHD-Videos sind beim Play schärfer, beim Moto Z aber ruhiger, weshalb der Proband ein „Gut“ anstelle eines „Befriedigend“ absahnt. Der Klang am Kopfhörerausgang gefällt beim Moto Z aufgrund der ausgeprägteren Bässe ein wenig besser, doch auch das Play kassiert noch ein „Gut“ statt eines „Sehr gut“.

Daher wird am Ende des Tages für viele Interessenten wohl der Preis entscheidend sein, denn mit einer Empfehlung von 449 statt 699 Euro ohne Vertrag ist das Moto Z Play eine ganze Ecke günstiger. Weshalb es auch im Preis-Leistungs-Verhältnis klar besser abschneidet: 22 statt 49 Prozent unter Durchschnitt. Zur Einordnung: Die meisten Neuheiten der Mittel- und Oberklasse starten zwischen 30 und 60 Prozent unter dem Mittel. Käufer bekommen beim Moto Z Play also 27 Prozent mehr für ihr Geld als beim Moto Z.

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