HTC U Play: echter Hingucker – mit schwerer Zukunft

Heidelberg - Das HTC U Play ist die kleine Variante des U Ultra: ohne zweites Display, dafür erheblich kompakter. Welche weiteren Unterschiede es gibt und warum es das U-Mini schwer haben dürfte.

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Bild: HTC U Play Bild: ©HTC Corporation / Text: Verivox

Ein Hingucker ist das HTC U Play ebenso wie sein großer Bruder, das U Ultra: gläserne Rückseite, stark abgerundete Kanten, Metallrahmen ringsum – die Familienzugehörigkeit lässt sich nicht leugnen. Wo das Ultra mit 5,7-Zoll und Zweit-Display Interessenten zu groß ist, springt das Play mit erheblich kompakteren Maßen ein: 73 x 146 x 7,9 Millimeter, um genau zu sein. Auch das Gewicht von 144 statt 171 Gramm fällt spürbar geringer aus.

Display

Möglich wird das primär durch den geschrumpften Touchscreen, der 5,15 statt 5,72 Zoll oder 131 statt 145 Millimeter misst. Das macht in der Fläche ein Minus von 19 Prozent bei rund einem Viertel weniger Gesamtvolumen. Bedeutet in der Praxis, dass sich die Mattscheibe des Play auch mal mit einer Hand bedienen lässt. Die Auflösung schrumpfte von 1440 x 2560 auf 1080 x 1920 Pixel und mithin die Schärfe von 408 auf 284 Pixel pro Quadratmillimeter (von 513 auf 428 ppi), woraus sich eine Verringerung der Pixeldichte um glatte 30 Prozent ergibt. Doch selbst damit liegt die Schärfe noch 7 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones. Blickwinkelstabilität und Kontraste können sich aufgrund des Dual-Domain-IPS-Panels sehen lassen, doch anders als beim Ultra dürfte die Helligkeit gern etwas kräftiger ausfallen. In der Mitte werden 382 statt 495 Candela pro Quadratmeter gemessen, einen „Sun Boost“-Modus in hellen Situationen gibt es nicht. Damit rangiert das Play 21 Prozent unter dem Mittel, das Ultra immerhin 2 Prozent darüber. Das stellt zwar kein Ausschlusskriterium dar, doch bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich die Anzeige nicht ideal ablesen. An dieser Stelle sei jedoch ergänzt, dass unter solchen Umständen nicht die Leuchtkraft des Monitors die Hürde darstellt, sondern das stark reflektierende Deckglas: Bei allen Smartphones kommen nämlich nicht etwa matte, sondern glänzende Oberflächen zum Einsatz, damit die Darstellung in Verkaufsräumen möglichst überzeugend wirkt.

Prozessor

Unter der Haube steckt als Prozessor nicht der Qualcomm Snapdragon 821 Pro, sondern der Helio P10 von Mediatek. Dieser hat zwar 8 statt 4 Kerne, die jedoch mit maximal 1,95 Gigahertz statt 2,15 und 2,0 Gigahertz getaktet sind. Auch lassen sich maximal vier Kerne gleichzeitig mit maximaler Taktrate betreiben, die anderen vier bleiben bei 1,2 Gigahertz. Des Weiteren fasst der Arbeitsspeicher 3 statt 4 Gigabyte, und anstelle des Adreno 530 kommt als Grafikmodul die Mali T860 MP2 zum Einsatz. In der Gesamtwertung von mehr als 50 Einzelwerten aus 15 Benchmarks rangiert das U Play damit 15 Prozent unter dem aktuellen Durchschnitt, das U Ultra satte 148 Prozent darüber. Die beiden HTC-Modelle spielen leistungstechnisch also definitiv nicht in derselben Liga! Was aber mitnichten bedeutet, das Play sei zu schwach auf der Brust: Normalnutzer werden die Leistung sogar mehr als ausreichend finden. Das zeigt der Praxistest anhand des grafisch aufwändigen Spiels „Dead Trigger 2“: Hier erzielt der Kandidat 55 von 60 möglichen Bildern pro Sekunde, die Darstellung darf daher durchaus als flüssig bezeichnet werden.

Akku

Der fest verbaute Stromspeicher des Play weist laut HTC eine Kapazität von 2.500 Milliamperestunden auf, Apps lesen jedoch 2.435 Milliamperestunden aus den Systemangaben aus. Derlei Unterschiede resultieren daraus, dass Hersteller die minimale, typische oder maximale Kapazität eines Akkus kommunizieren können. Im Fall des Play hat sich HTC anscheinend für die maximale Leistung entschieden während im System die typische hinterlegt wurde. Doch solche Tricks sind ohnehin reine Papiertiger: Allein entscheidend ist schließlich, wie lange die Kraftzelle in der Praxis durchhält. Das testet Verivox anhand der Videowiedergabe mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus, um die absolute Vergleichbarkeit aller Resultate zu gewährleisten. Hier hält der Kandidat 483 Minuten lang durch und liegt damit 6 Prozent unter dem Schnitt. Das reicht, um Normalnutzer durch den Tag zu bringen, doch Intensivnutzer werden in tagsüber zwischentanken müssen. Das Play schlägt sich damit ebenso wie das Ultra – allerdings mit dem Unterschied, dass Normalnutzer die primäre Zielgruppe des Play sein dürften, weshalb die Laufzeit für die meisten Interessenten in Ordnung gehen sollte. Andererseits ist dafür der Preis von 449 Euro zu hoch: In Relation dazu müsste die Laufzeit erheblich besser sein.

Ladezeiten

Das U Play wird mit einem Netzteil ausgeliefert, das maximal 10 Watt liefert. An diesem ist der zuvor vollständig entladene Akku nach 15 Minuten wieder bei 21 Prozent angelangt, nach 30 Minuten sind es 42 Prozent und nach einer Stunde 78 Prozent. Für die komplette Ladung benötigt der Proband 115 Minuten: angesichts der Akkukapazität 8 Prozent länger als üblich.

Speicher

Der interne Speicher des HTC U Play beträgt 32 Gigabyte, von denen nach Aktualisierung aller vorinstallierten Komponenten noch 21,2 Gigabyte netto übrigbleiben. Wiederum etwas knauserig für den Preis: 14 Prozent unter dem Mittel. Die Ablage kann mittels Micro-SD-Karten erweitert werden, offiziell um bis zu 2 Terabyte; derzeit gibt es jedoch erst Chips mit „nur“ 512 Gigabyte. Wie schon beim großen Bruder beobachtet, fasst der Hybrid-Slot zwar auch eine zweite Nano-SIM, doch unterstützt die Software des hierzulande vertriebenen Modells Dual-SIM leider nicht. Anders als USB-On-the-Go, es lassen sich also mithilfe eines optionalen Adapters beispielsweise USB-Sticks anschließen. Zu beachten ist hierbei, dass es sich um einen USB-Anschluss des neuen „Typ C“ handelt. Ein Adapter ist ebenfalls erforderlich, wenn altes Zubehör wie etwa Netzteile weiterhin verwendet werden soll.

Sonstiges

In LTE-Netzen empfängt das Play Daten mit nominal bis zu 300 Megabit pro Sekunde – und damit auf dem Papier halb so schnell wie das Ultra. In der Praxis dürfte das aber nur selten einen Unterschied ausmachen, weil die hiesigen Netze noch längst nicht flächendeckend 600 Megabit unterstützten. Auch spielt weit nicht jeder Vertrag beim maximalen Datentempo mit. Die weitere Ausstattung samt WLAN ac, Bluetooth 4.2 und NFC entspricht derjenigen des großen Bruders. Der SAR-Wert von 0,40 liegt nur knapp über den 0,374 Watt pro Kilogramm (Kopf) des Ultra und bleibt damit ebenfalls erfreulich niedrig. Der Fingerabdruck-Scanner verbirgt sich wie beim Ultra unter dem ovalen Sensor, der gleichzeitig als Home-Button dient.

Foto

Die Frontkamera nimmt wie das Ultra Selfies mit 16 Megapixel auf, und auch die Nutzeroberfläche der Kamera-App entspricht in Konzept und Funktionsumfang derjenigen des großen Bruders. Auch das Play bietet beispielsweise Auto-HDR und diverse Modi wie Panorama, Hyperlapse oder den „Pro“-Modus mit zahlreichen manuellen Einstellungen an. Die Hauptkamera haben die Entwickler jedoch ausgetauscht: Anstelle der 12,6 Millionen besonders großen und damit lichtstarken “Ultrapixel” des U Ultra sitzt im U Play ein Sensor mit 16,4 regulär großen Megapixel. Außerdem weist das Objektiv beim Play einen Blendenwert von f 2,0 statt 1,8 auf, schattet also etwas mehr ab. Der optische Stabilisator blieb jedoch erhalten, sodass etwas längere Belichtungszeiten nicht gleich zu verwackelten Fotos führen. Auf der Rückseite findet sich auch beim Play eine zweifarbige LED, welche aber den Nahbereich etwas schwächer ausleuchtet als das Ultra. Auch Sensor und Objektiv sind nicht ganz so lichtstark. Unter Blitz ist das Ultra zwar ebenfalls weit vom Optimum entfernt, doch fallen Schärfe und Bildrauschen immerhin besser aus als beim Play.

Bei guten Lichtverhältnissen wie tagsüber im Freien fallen die Unterschiede naturgemäß geringer aus: Hier schneiden beide HTC-Modelle ordentlich ab, wenngleich sich beide in puncto Detailtreue nicht gerade mit Ruhm bekleckern. Farben wirken auf dem Ultra jedoch etwas natürlicher.

Alles in allem schneidet das HTC U Play in sämtlichen Lebenslagen schlechter ab als das U Ultra, wobei der Abstand größer wird, je schlechter die Lichtverhältnisse sind. Daher reicht es am Ende lediglich zu einem knappen „Befriedigend“ für das Play.

Video

Bewegtbilder nimmt der Kandidat nicht wie der große Bruder in Ultra HD auf, sondern lediglich in Full HD, also mit 1920 x 1080 Pixel. Was aber den allermeisten vollauf reichen dürfte. Doch selbst wenn man die Videos mit den Full-HD-Clips des Ultra vergleicht, so kann das Play qualitativ nicht mithalten: Schärfe und Details lassen teils deutlich zu wünschen übrig. Außerdem gelingen Kontraste und Farben nicht ideal, wie schon bei den Fotos moniert. Der Gesamteindruck ist daher deutlich schwammiger. Nicht zuletzt fällt der Ton weit dünner und nicht so klar verständlich aus wie beim Ultra mit seinen vier Mikrofonen. Einen Vorteil kann das Play aber für sich verbuchen, und dabei handelt es sich um ein Primärkriterium: Der Autofokus zieht signifikant seltener nach. Deshalb erntet das Play trotz aller Kritik noch ein knappes „Ausreichend“ in der Videowertung.

Audio

Auch dem Play liegt der „U Sonic“-Kopfhörer des Ultra bei, welcher das Ohr mittels Schallimpulsen sowie die Umgebungsgeräusche analysiert und den Klang entsprechend optimiert. Für ein Headset, das einem Smartphone beiliegt, ist der Klang des U Sonic vergleichsweise ordentlich. Interessenten sollten indes beachten, dass dem Play ebenfalls die klassische Audiobuchse zum Anschluss kabelgebundener Kopfhörer fehlt: Wer einen anderen Hörer verwenden möchte, benötigt daher einen entsprechenden USB-C-Adapter. Im Test funktionierten jedoch die meisten Adapter von Drittherstellern nicht, weshalb Interessenten beim Kauf besser gleich zum Original-Adapter von HTC greifen sollten. Ein UKW-Radio fehlt beim Play ebenfalls.

Während beim Ultra „Stereo“-Lautsprecher anzutreffen sind, verwendet das Play den Telefonie-Lautsprecher oben auf der Front nicht für die Wiedergabe von Multimedia-Signalen, der Ton kommt also allein aus dem Mono-Lautsprecher in der Unterkante. Das stellt jedoch kein signifikantes Manko dar, denn der stereoskopische Effekt konnte auf dem Ultra ohnehin nicht überzeugen.

An den Referenz-Kopfhörern, den Ultimate Ears Reference Monitors, erzeugt das Play einen kräftigen, natürlichen Sound mit spritzigen, räumlichen Höhen und kräftigen, präzisen Bässen. Das entspricht exakt dem Klangeindruck des Ultra, weshalb auch das Play in der Audiowertung ein glattes „Sehr gut“ abräumt.

Verarbeitung

Wie immer bei den Topmodellen von HTC, kann sich die Verarbeitungsqualität rundum sehen lassen. Der so gut wie nahtlose Übergang des Deckglases in den Metallrahmen ringsum respektive von diesem in die gläserne Rückseite macht das Play zu einem Handschmeichler. Allerdings nicht zu einem sonderlich stabilen, denn im Verwindungstest beweist der Proband wie das Play eine Menge Spiel.

Funktionen

Die grundsätzliche Handhabung des U Play unterscheidet sich nicht von jener des Ultra, sieht man einmal vom fehlenden Zweit-Display ab, das jedoch wie im Test des U Ultra gesehen in der Praxis ohnehin nur wenig praktischen Nutzen hat. Das schließt auch Funktionen wie „Tap 2 Wake“ und die weiteren „Motion Launch Gesten“ mit ein. Auch der „Sense Companion“ ist beim Play mit von der Partie, der ja bereits im Test des Ultra erklärt wurde und inzwischen über den App Store von Google verfügbar ist. Ein paar Funktionen sucht man beim Play jedoch vergebens: Das betrifft aber lediglich den Handschuhmodus und die Größenanpassung der Display-Elemente. Auch wird das Play mit Android 6 statt 7 ausgeliefert, weshalb der Split-Screen-Modus fehlt – der auf einem Display mit 5,2 Zoll aber nicht wirklich sinnvoll scheint, weil der Platz für zwei Apps nebeneinander etwas knapp wäre.

Fazit

Das HTC U Play hat alles, was ein Normalnutzer braucht, darunter einen Bildschirm mit 5,2 Zoll, 32 (netto: 21) Gigabyte erweiterbaren Speicher, LTE, WLAN ac, Bluetooth 4.2 und NFC. Die Prozessorleistung reicht vollkommen aus, ebenso die Akkuleistung. Positiv erwähnt sei zudem der vergleichsweise ordentliche „U Sonic“-Kopfhörer.

Bei der Kamera ist Kompromissbereitschaft gefragt: Die 16-Megapixel-Fotos könnten mehr Schärfe und vor allem Details vertragen weshalb sie nur ein knappes „Befriedigend“ ernten, die Videos in Full HD gar nur ein „Ausreichend“. Immerhin kann der Klang am Kopfhörerausgang ein „Sehr gut“ einfahren. Interessenten sollten zudem wissen, dass eine klassische Klinkenbuchse als Audioausgang fehlt und kabelgebundene Kopfhörer ausschließlich am USB-C-Adapter von HTC funktionieren.

Des Weiteren wird das Play mit Android 6 statt 7 ausgeliefert, Verarbeitung, Design und Handhabung sind in weiten Teilen identisch. Wie beim Ultra fällt auch die hohe Flexibilität des Play auf, weshalb man sich beispielsweise nicht regelmäßig mit dem Telefon in der Hose hinsetzen sollte. Nicht zuletzt fällt die Mattscheibe eine ganze Ecke dunkler aus als jene des Ultra.

Unterm Strich stellt das HTC U Play ein angenehm kompaktes, edles, ordentliches Mobiltelefon dar, das jedoch aus technischer Sicht keinerlei Besonderheiten aufweist. Dafür scheint die Preisempfehlung von 449 Euro ziemlich hoch gegriffen. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis startet der Kandidat 33 Prozent unter Durchschnitt, was ein besseres Ergebnis darstellt als erwartet. Das Play ist also weder Schnäppchen noch überteuerter Luxusbrummer.

Und doch hat HTC ein Problem: Denn inzwischen bekommt man das Samsung Galaxy S7 zum selben Preis, und das ist dem Play in so ziemlich jeder Hinsicht klar überlegen. Wer sollte da noch zum HTC greifen? Interessant wird das Play ab 299 Euro: Da durchbricht es nämlich den Durchschnitt im Preis-Leistungs-Verhältnis – doch bis dahin wird wohl noch eine ganze Weile vergehen.

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