HTC Desire 820 im Test: Tabphone zum Sparpreis

02.02.2015

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Das HTC Desire 820 lockt mit einem 5,5 Zoll großen Display zum vergleichsweise kleinen Preis von 329 Euro. Und legt noch einen Octa-Core-Prozessor, LTE sowie eine 13-Megapixel-Kamera obendrauf. Der Test von Verivox.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Schon das Desire 816 fuhr einen 5,5 Zoll oder umgerechnet 139 Millimeter großen Touchscreen auf, scheiterte aber am viel zu kleinen internen Speicher, der netto lediglich 3,2 Gigabyte fasste und das Modell dadurch allenfalls für Wenignutzer interessant machte. Außerdem rief HTC seinerzeit noch eine Preisempfehlung von 379 Euro auf. Doch die Taiwaner haben dazugelernt: Beim Desire 820 beträgt die Preisempfehlung 329 Euro, die Preise dürften also schon kurz nach dem Start unter die 300-Euro-Marke sinken. Und der Speicher ist nun mit 16 Gigabyte doppelt so groß, da bleiben nach Aktualisierung aller vorinstallierten Apps immerhin gut 7,9 Gigabyte netto frei. Einen Slot für Micro-SD-Karten gibt es ebenfalls wieder: Offiziell werden bis zu 64 Gigabyte unterstützt, im Test akzeptierte der Proband aber auch einen 128-Gigabyte-Chip anstandslos. Das reicht selbst für eine extensive Multimedia-Nutzung.

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Nicht blickwinkelstabil

Geblieben ist die recht geringe Auflösung von 720 x 1280 Pixel, die bei einem derart ausladenden Monitor zu einer schwachen Dichte von 112 Pixel pro Quadratmillimeter oder 269 ppi führt. Damit liegt der Proband 45 Prozent unter dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones: Die Darstellung ist also nur halb so scharf wie üblich. Das hört sich jedoch tragischer an als es in der Praxis ist: Auch auf dem Desire 820 wirken Fotos oder Videos prima und selbst kleine Schriften lassen sich problemlos lesen. Es fehlt lediglich die Brillanz von Topmodellen wie beispielsweise dem LG G3 mit 447 Pixel pro Quadratmillimeter, die dafür aber auch eine ganze Ecke teurer sind. Man kann sich das in etwa vorstellen wie den Unterschied zwischen DVD und Blu-Ray. Viel entscheidender ist da schon die Tatsache, dass im Desire 820 ein anderes Panel steckt als im Vorgänger: Die Mattscheibe erwies sich im Test nämlich als enorm blickwinkelinstabil. Wer nicht lotrecht darauf blickt, sieht das Bild je nach Winkel und Ausrichtung dunkler, Farben verändern sich deutlich. Wer primär liest, wird davon bei schwarzem Text auf hellem Grund herzlich wenig mitbekommen. Doch wer etwa ein Video in Bett, Bahn oder Flugzeug sehen möchte und dabei in aller Regel schräg auf das Display blickt, wird die Abweichungen gewiss registrieren.

Akku nicht austauschbar

Den Akku haben die Entwickler auch nicht geändert: Im Desire 820 steckt wieder ein fest verbauter Lithium-Polymer-Stromspeicher mit 2.600 Milliamperestunden. Das erwies sich bereits beim Vorläufer als unterdimensioniert, und das Desire 820 schneidet sogar noch schlechter ab. Im Laufzeittest bei der Videowiedergabe mit maximaler Displayhelligkeit im Flugmodus erzielte der Proband magere 287 Minuten und liegt damit 21 Prozent unter dem Durchschnitt. Das Desire 816 brachte es immerhin auf 329 Minuten. Ähnlich die Situation im genormten Test bei düsteren 200 Candela pro Quadratmeter: 374 statt 404 Minuten lautet hier die Laufzeit, das bedeutet 27 Prozent unter dem Mittel. Beim Desire 820 gehen also sowohl mit hellem als auch mit dunklem Bildschirm vergleichsweise früh die Lichter aus. Damit eignet sich auch dieses Desire nicht für Intensivnutzer – wenngleich aus anderen Gründen als das 816.

Brandneuer Prozessor

Ursache für die mäßigen Akkulaufzeiten dürfte der neue Octa-Core-Prozessor sein: Der Snapdragon 615 kommt im Desire 820 erstmals hierzulande zum Einsatz. Vier seiner Kerne sind mit 1,0, die anderen vier mit 1,5 Gigahertz getaktet. Hinzu kommt das Grafikmodul Adreno 405 sowie zwei Gigabyte Arbeitsspeicher; beim Vorgänger war es noch die Hälfte. In den Benchmarks landet der Kandidat in der Gesamtwertung von zwölf der bekanntesten Tempotests mit mehr als 50 erfassten Einzelwerten sieben Prozent unter dem aktuellen Mittel – angesichts des relativ moderaten Preises eine akzeptable Leistung. Gleichzeitig aber auch ein wenig enttäuschend: Von einem Achtkerner erwartet man eigentlich etwas mehr. Allerdings steckt im Snapdragon 615 noch Potenzial, denn theoretisch beherrscht er 64 Bit. Das bringt momentan noch nichts, weil erst Android 5.0 die 64-Bit-Technologie unterstützt, und das Desire 820 wird mit Android 4.4.4 ausgeliefert. Darüber hinaus müssen auch erst noch die Apps entsprechend angepasst werden, was eine ganze Weile dauern wird. Mit Android 5.0 und 64-Bit-Apps dürfte das Desire 820 aber vermutlich noch einen Zahn zulegen.

Kein schlechtes Paket

Die restliche Ausstattung entspricht der des Desire 816, darunter vor allem LTE für Downloads mit nominal bis zu 150 Megabit pro Sekunde, DC-HSPA für den Datenempfang in UMTS-Netzen mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde, Bluetooth 4.0, NFC und Sprühwasserschutz nach IP x3. Lediglich bei WLAN ac muss das Desire 820 passen: Der neueste Flurfunk-Standard bleibt aus ungeklärten Gründen dem Vorgänger vorbehalten. Immerhin beherrscht der Kandidat WLAN n auch im 5-Gigahertz-Band.

13-Megapixel-Fotos

Das Kameramodul hat HTC ebenfalls unverändert gelassen, lediglich die Frontkamera schießt nun Selfies mit maximal 8 statt 5 Megapixel. Die Haupt-Optik nimmt Schnappschüsse wie schon beim Vorgänger je nach gewähltem Format mit 4224 x 2368 (16:9, 10,0 Megapixel), 4224 x 3136 (4:3, 13,25 Megapixel) oder 3136 x 3136 Bildpunkten (1:1, 9,83 Megapixel) auf. Die Software kennt erfreulicherweise die Funktion „Split Aufnahme“, die schon auf dem Desire Eye für Freude sorgte: Hierbei wird das Bild in eine linke und eine rechte Hälfte für die Ansicht von Front- und Rückkamera unterteilt. Anders als beim Eye müssen die Aufnahmen jedoch nacheinander erfolgen, können also nicht zeitgleich festgehalten werden. Bei Videos ist zudem die Aufnahmedauer auf 15 Sekunden fixiert: Weder längere noch kürzere Clips sind möglich. Positiv wiederum, dass sich auf dem Touchscreen zwei separate Auslöser für Fotos und Videos finden, sodass der Nutzer den Modus nicht mühselig über die Modus-Einstellungen wechseln muss: Das spart wenn es darauf ankommt wertvolle Sekunden.

Die Qualität der Fotos beeindruckt durch hohe Schärfe und Detailtreue, auch Belichtung, Kontraste, Dynamik und Farben stimmen in den allermeisten Fällen. Darüber hinaus bleibt das Bildrauschen vergleichsweise dezent: Alles prima somit. Das gilt nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei bewölktem Himmel, was keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt. Lediglich in geschlossenen Räumen oder am Abend treten teilweise die für Handys typischen Verwackler aufgrund der langen Belichtungszeiten auf. Damit reicht die Leistung für ein „Gut“.

Enttäuschende Videos

Sowohl die Rück- wie auch die Frontkamera nimmt Videos mit Full HD auf, also mit 1920 x 1080 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde. Wie bei HTC üblich, kann der Autofokus mithilfe der ab Werk aktivierten Option „Fokus während der Aufnahme sperren“ fixiert werden, um das lästige Pumpen zu verhindern. Dann stellt die Automatik lediglich zu Beginn der Aufnahme scharf und danach nie wieder, das macht die Clips angenehm ruhig. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, dass der Nutzer unter Umständen den Fokus manuell durch einen Tipp auf den Touchscreen reaktivieren muss, beispielsweise bei einem Schwenk von einem nahen auf ein fernes Motiv. Auf diese Weise kann der Anwender selbst wählen, welches für ihn das geringere Übel darstellt.

Die Schärfe der Videos enttäuschte im Test ein wenig: Da waren die Full-HD-Clips anderer HTC-Modelle der jüngsten Vergangenheit wie beim Desire Eye oder One (E8) deutlich knackiger. Auch wenn die Qualität ansonsten in Ordnung geht, gibt es dafür nur ein „Ausreichend“.

Kräftiger Klang

Mittlerweile scheinen sich Stereo-Fontlautsprecher bei HTC als Standard durchgesetzt zu haben, weshalb auch das Desire 820 einen vergleichsweise kräftigen, vollen Klang vorweist. Der Audio-Pushup „BoomSound“ sollte bei der Wiedergabe über Kopfhörer jedoch deaktiviert werden, da er den Sound arg verändert. Zum Hörtest werden ohnehin stets sämtliche Equalizer deaktiviert: Dann erzeugt der Proband am Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference Monitors, den gewohnt kräftigen, harmonischen Klang. Die Höhen sind spritzig und filigran, da reicht der Frequenzgang offenbar an den der Referenz heran, des Samsung Galaxy Note 4. Am unteren Ende bricht er aber ein ganzes Stück früher ein, denn den Bässen fehlt es ein wenig an Druck und Volumen. Doch das sind Unterschiede auf hohem Niveau, die sich auch nur im direkten Vergleich und mit erstklassigen Kopfhörern erfassen lassen: Auch dem Desire 820 reicht es für ein „Sehr gut“.

Das Tabphone macht seinem Namen Ehre

Haptisch und optisch entspricht der Kandidat rundum seinem Vorgänger. Das bedeutet auf der einen Seite eine hervorragende Verarbeitung und Stabilität, auf der anderen aber auch eine nur sehr eingeschränkte Bedienbarkeit mir einer Hand: Bei Maßen von 79 x 157 x 7,7 Millimetern erreicht der Finger nicht einmal das gegenüberliegende Ende des Touchscreens. Bei einer Spannweite von 70 Millimetern deckt der Daumen gerade mal 47 Prozent des Touchscreens ab, damit liegt der Taiwaner 17 Prozent unter dem Durchschnitt. Aber das ist durchaus üblich bei Tabphones mit so großem Bildschirm. Dabei bleibt das Desire 820 mit gerade mal 153 Gramm erstaunlich leicht: Wer es das erste Mal zur Hand nimmt, wird positiv überrascht sein. Das bestätigen die Daten: 12,35 Gramm pro Quadratmillimeter Gehäuse liegen stramme 20 Prozent unter dem aktuellen Mittelwert und stellen einen neuen Rekordwert auf!

Sechster Sinn

Was die Bedienung betrifft, so bleibt HTC seiner Gewohnheit treu, über das Betriebssystem seine eigene Nutzeroberfläche namens Sense 6 zu legen, die schon von zahlreichen Vorgängern bekannt ist. Für Details sei daher auf die Tests etwa von One (E8), One (M8), Desire Eye oder Desire 816 verwiesen. Kurz zusammengefasst steht diese unter anderem für große, editierbare Schnellzugriffe, ein Hauptmenü in dem sich die Apps wahlweise selbst anordnen oder nach Alphabet sortieren lassen sowie für die „Szenen“, mit denen sich das komplette Design der Oberfläche durch einen einzigen Klick ändern lässt. Wie schon beim Desire 816 fehlen allerdings die „Motion Launch Gesten“, zu denen das Entsperren des Telefons durch einen Doppeltipp auf den Touchscreen zählt. Das ist ungemein schade, denn damit könnte man sich das lästige Suchen des Ein-/Aus-/Standby-Tasters ersparen. Wenigstens sitzt dieser beim Desire 820 gut erreichbar in der rechten Flanke.

Fazit

Grundsätzlich hat das HTC Desire 816 eine attraktive Kombination anzubieten: Ein Smartphone mit 5,5-Zoll-Display, LTE, Octa-Core-Prozessor, 13-Megapixel-Kamera, 16 Gigabyte erweiterbarem Speicher und weitgehend intuitiver Bedienung findet man in dieser Preisklasse nicht allzu oft. Auch ernten die Qualität von Fotos und Musik ein „Sehr gut“ – nur die Videos lassen ein wenig an Schärfe vermissen und kassieren dafür lediglich ein „Ausreichend“. Doch finden sich freilich auch einige Einschränkungen: Die Auflösung der Mattscheibe ist gering, womit man sich aber problemlos arrangieren kann. Das Display erweist sich außerdem als recht blickwinkelinstabil, was weniger kritischen Kunden jedoch vermutlich nicht einmal auffallen wird. Die Leistung des Achtkern-Prozessors bleibt knapp unter dem aktuellen Mittelwert, reicht aber selbst für grafisch aufwändige Spiele aus. Kurzum: Bis hierher dürfte das Gros potenzieller Kunden noch im Rennen sein. Die Geister scheiden wird wohl die mit 27 Prozent unterdurchschnittliche Akkulaufzeit: Intensivnutzer dürften damit kaum über den Tag kommen. Ein Normalnutzer wird mit aktivierter Beleuchtungsautomatik aber voraussichtlich keine Probleme haben.

Im Vergleich zum Vorgänger, dem Desire 816, hat sich das Desire 820 stark verbessert: Da steht der Sieger eindeutig fest. Interessenten sollten sich jedoch überlegen, ob sie nicht rund 60 Euro mehr anlegen wollen für das HTC One (E8): Dessen Mattscheibe ist mit 5 Zoll ebenfalls recht groß, deren Qualität erheblich besser, ebenso die der Videos. Und die Bedienung gefällt dank der „Motion Launch“-Gesten besser.

Ausstattung                 166 von 175

Foto                             20 von 25

Video                           14 von 25

Musik                          22 von 25

Handhabung                199 von 250

gesamt                        421 von 500