Google Pixel im Test: Ist das Android-7-Handy besser als das iPhone?

21.10.2016

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg – Google mag sich offenbar nicht länger von Partnern in die Entwicklung seiner Smartphones hineinreden lassen: Die Ära der Nexus-Telefone ist vorbei. Stattdessen hat man das neue Pixel vollständig alleine entwickelt, vom Design bis zur Ausstattung – HTC fungiert lediglich als Auftragsfertiger und tritt nach außen hin nicht in Erscheinung. „Made by Google“ lautet der offizielle Slogan. Das Pixel stellt mithin das dar, was Google sich unter einem idealen Mobiltelefon vorstellt. Und das Design mit Aluminium-Unibody und runden Kanten erinnert an das iPhone, ebenso wie die kräftig gestiegenen Preise. Wie sich das Pixel in der Praxis schlägt, was Android 7 an neuen Funktionen mitbringt und ob Google damit das iPhone 7 aus dem Rennen schlagen kann, sagt der Test von Verivox.

Auf den Weltmärkten sind sie Erzfeinde, in Kalifornien Nachbarn: Die Zentralen von Google in Mountain View und Apple in Cupertino trennen weniger als zehn Meilen. Und in Sachen Hardware scheint sich der Internet-Gigant mehr und mehr an den Rivalen mit dem angebissenen Apfel anzunähern: Jedes Jahr im Herbst gibt es eine neue Generation Mobiltelefone, ein großes und ein kleines, beide ohne erweiterbaren Speicher und natürlich bestückt mit einer neuen Version des Betriebssystems, wie bei Apple. Nun zieht Google in zwei weiteren Punkten nach: Im Gegensatz zu den bisherigen Nexus-Geräten entscheidet man jetzt erstens allein über alles, vom Design bis zur Ausstattung. Kein Partner, der seine Erfahrungen einbringt. HTC operiert rein als Auftragsfertiger und tritt in keiner Weise in Erscheinung. Und zweitens entsprechen die Preise des Pixel exakt jenen des iPhone 7: Die Variante mit 32 (netto: 22) Gigabyte Speicher kostet 759 Euro, die mit 128 Gigabyte 869 Euro. Da fällt es langsam schwer, die Parallelen als Zufall abzutun. Allein ein Pixel mit 256 Gigabyte Gedächtnis für 979 Euro fehlt. Bisher.

Display

Das Design erinnert ebenfalls stark an das der Apfelhandys, vom Aluminium-Unibody bis hin zu den abgerundeten Kanten. Das kann auch die Glas-Abdeckung, welche das obere Drittel der Rückseite einnimmt, nicht kaschieren. Aber das ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Auf der praktischen Ebene bedeutet dies eine enorm solide Bauweise, dank der das Pixel im Verwindungstest keinen Mucks von sich gibt, das Deckglas drückt sich nirgends auf das Panel durch. Robust ist das Pixel also definitiv. Und auch die Funk-Ausstattung samt LTE mit bis zu 600 Megabit pro Sekunde, WLAN ac, Bluetooth 4.2 und NFC fällt gleich aus – Ehrensache. Die Stereo-Lautsprecher des iPhone 7 findet man auf dem Pixel allerdings nicht, auch wenn die beidseitigen Aussparungen in der Unterkante Gegenteiliges vermuten lassen. Ferner wartet das Pixel mit einem Schutz vor Staub und Wasser nach IP 53 auf, also einem Spritzwasserschutz. Das iPhone 7 punktet hier mit IP 67 einem etwas weitreichenderen Schutz. Allerdings schließt die Garantie beider Hersteller Schäden aufgrund von Flüssigkeiten aus. Der Unterschied in der Praxis ist mithin allein, dass das iPhone 7 womöglich etwas mehr Wasser aushält. In die Pfütze fallen sollten beide jedoch tunlichst nicht. Sollte das Telefon Schaden nehmen, muss der Kunde selbst die Kosten tragen, er muss sich also in beiden Fällen gleichermaßen vorsehen.

Auflösung

Der Touchscreen des Google Pixel misst 4,98 Zoll oder 127 Millimeter und ist damit in der Fläche 13 Prozent größer als die 4,7-Zoll-Mattscheibe des iPhone 7. Noch deutlicher ist der Unterschied in Bezug auf die Auflösung: Mit 1080 x 1920 Bildpunkten kommt das Pixel auf 303 Pixel pro Quadratmillimeter (442 ppi), das Apple lediglich auf 165 (326 ppi). Das macht ergo eine fast doppelt so hohe Pixeldichte, was man natürlich nicht nur im direkten Vergleich sieht. Darüber hinaus ist der Kontrast des Google-Telefons dank AMOLED-Panel wesentlich höher, rund 44.000 statt 1.000:1 im Schachbrett-Test. Allerdings dreht die Bildschirm-Beleuchtung des iPhone 7 in hellen Umgebungen auf bis zu 597 Candela pro Quadratmeter auf, das Pixel schafft aufgrund der OLED-Technik nur 444 Candela. Das ist für ein OLED-Telefon 16 Prozent mehr als im Schnitt, absolut gesehen aber klar weniger als beim iPhone, das sich deshalb beispielsweise im Sonnenschein besser ablesen lässt – das können die erheblich kräftigeren Kontraste des Pixel nicht gänzlich kompensieren.

Prozessor

In der Disziplin Prozessorleistung steht der Sieger von vornherein fest, denn da sticht Apple regelmäßig die komplette Konkurrenz um Längen aus – auch wenn das Pixel mit dem Snapdragon 821 ausgeliefert wird, dem brandneuen Flaggschiff aus dem Hause Qualcomm. Dieser verfügt zwar nur über vier Kerne, die zur Hälfte mit bis zu 2,2 und 1,6 Gigahertz getaktet, aber bärenstark sind. Unterstützt werden sie vom ebenfalls enorm mächtigen Grafikmodul Adreno 530 sowie von strammen 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Damit erzielt der Proband in der Gesamtwertung von mehr als 50 Werten aus 15 der bekanntesten Benchmarks ein Ergebnis, das 57 Prozent über dem Durchschnitt aller in den letzten 24 Monaten getesteten Smartphones liegt. Ein hervorragendes Resultat, das Rang 15 der Tempo-Charts bedeutet. Dennoch ist es im Vergleich zu den 216 Prozent des iPhone 7 weit abgeschlagen. Um es noch einmal klarzustellen: Für Android ist das aber immer noch ein gutes Ergebnis, das den Allermeisten völlig ausreichen sollte.

Akku

Umso entscheidender werden die Ergebnisse des Akkulaufzeit-Tests. Bei der Wiedergabe eines Videos mit auf 200 Candela gedimmtem Display im Flugmodus hält das Google Pixel 594 Minuten durch und liegt damit 20 Prozent über dem aktuellen Mittelwert. Das iPhone 7 erzielt unter identischen Bedingungen 556 Minuten und rangiert damit 13 Prozent über dem Schnitt. 7 Prozent Differenz sind nicht die Welt, beide spielen in derselben Liga. Denn für beide gilt gleichermaßen, dass Normalnutzer durch den Tag kommen sollten, während Intensivnutzer in vielen Fällen zwischentanken müssen.

Ladezeiten

Beim Laden ergeben sich indes deutliche Unterschiede, was bei einem Netzteil mit 3 statt 1 Ampere auch kein Wunder ist: Der zuvor vollständig entladene Stromspeicher zeigt nach 15 Minuten bereits wieder einen Stand von 27 Prozent an, nach 30 Minuten sind es 51 Prozent und nach einer Stunde 78 Prozent. Für die komplette Ladung benötigt das Pixel 110 Minuten, was angesichts der Akkukapazität immerhin 11 Prozent schneller ist als üblich. Das iPhone 7 kommt nach 15 Minuten auf 14 Prozent und benötigt für die volle Ladung 138 Minuten, was relativ zur Akkukapazität 38 Prozent langsamer ist als der Schnitt. Wer tagsüber nachtanken muss und dafür meist nur wenig Zeit hat, ist mit dem Pixel daher besser beraten. Allerdings sollten alle Interessenten bedenken, dass Apple einen guten Grund hat, hier nicht mehr Gas zu geben: Denn das schnelle Laden schädigt nach aktuellem Kenntnisstand die Batterie fünfmal mehr als üblich, siehe hierzu die Ausführungen im Test des Sony Xperia X.

Foto

In der Königsdisziplin Kamera liegen die Kontrahenten auf dem Papier gleichauf: Fotos mit 12 Megapixel, Videos in Ultra HD und auf der Front Selfies mit 8 (iPhone 7: 7,2) Megapixel sowie Videos in Full HD. Doch wie immer sind die Details das Zünglein an der Waage. So fehlt beim Pixel ein Videomodus mit 60 Bildern pro Sekunde. Der Zeitlupen-Modus kommt zwar mit Full-HD-Auflösung, schafft aber nur 120 Bilder pro Sekunde, während das iPhone die doppelte Bildrate, doch lediglich 720p liefert.

Bildqualität

Bei der Sichtprüfung der Fotos kann das Pixel überzeugen: Die Aufnahmen sind ungemein scharf, die Detailtreue hoch. Belichtung, Kontraste und Dynamik gefallen klar besser als auf dem iPhone, nicht zuletzt auch, weil sich der Kontrastoptimierer HDR bei Bedarf automatisch zuschaltet, sofern erwünscht. Der macht in der Praxis enorm viel aus, gerade beim Pixel. Die Ergebnisse sind wirklich beeindruckend! Bei Tageslicht erweist sich das Pixel mithin als überlegen. Bereits bei mittleren Lichtbedingungen, wie in geschlossenen Räumen, und erst recht unter schlechten, wie am Abend, rutscht das Pixel allerdings ab: Weil ein optischer Bildstabilisator fehlt, verwackeln etliche Fotos, während das iPhone noch locker scharfe Aufnahmen generiert. Das Bildrauschen ist beim Pixel zwar geringer, doch das kann die Schärfeverluste nicht aufwiegen. Daher reicht es dem Pixel unterm Strich „nur“ zu einem strammen „Gut“. Sieger ist das iPhone 7 mit einem knappen „Sehr gut“.

Video

Bei den Videoaufnahmen in Full HD erzeugt das Pixel die schärferen und detailreicheren Ergebnisse, in 4K sind sich die Kontrahenten dagegen ebenbürtig. Allerdings gefällt das Bild des Pixel weitaus besser, weil es nicht so milchig wie beim iPhone erscheint, sondern sehr viel knackiger. Der digitale Stabilisierer macht zwar einen guten Job, kommt aber nicht ganz an das Ergebnis des optischen Systems im iPhone 7 heran. Vor allen Dingen aber wird bei größeren Displays wie auf dem 65-Zöller des Sichttests, einem Panasonic TX-65CZW954, ein Flackern in den Aufnahmen des Pixel sichtbar, das beim Apple nicht vorhanden ist. Auf kleineren Displays wie dem des Telefons selbst merkt man davon hingegen nichts. Das Pixel fährt daher noch ein gnädiges, hauchdünnes „Gut“ ein, das iPhone 7 liegt mit einem knappen „Sehr gut“ ein wenig darüber.

Audio

In der Abteilung Akustik punktet das iPhone 7 mit Stereo-Lautsprechern. Dafür benötigt man beim Pixel keinen Adapter, um kabelgebundene Kopfhörer anzuschließen. Im Hörtest auf dem Referenz-Headset, den Ultimate Ears Reference Monitors, liegt der Klang aber gleichauf: Kräftig, natürlich, ausgewogen und mit voluminösen Bässen versehen, verbreiten beide Kombattanten Freude. Allerdings sind die Höhen beim iPhone 7 doch noch eine Winzigkeit präsenter und präziser. Aber das hört man allenfalls im direkten Vergleich und mit bestem Equipment. Für ein glattes „Sehr gut“ reicht es auch beim Pixel locker.