Der Gesetzgeber sieht seit einigen Jahren vor, dass Fahranfänger bei Motorrädern nicht gleich in die hohen PS-Klassen einsteigen dürfen. Wer sich dennoch den Wunsch von einer solchen Maschine erfüllen möchte, muss das Motorrad zunächst drosseln.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was ist eine Drossel?
  3. Gründe für die Drosselung
  4. Kosten
  5. Grenzfälle
  6. Eintrag in die Papiere
  7. Strafe bei Manipulation
  8. Verwandte Themen
  9. Weiterführende Links

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Drossel dient der Leistungsminderung eines Motorrades.
  • Eine Drosselung kann bei Führerscheinneulingen notwendig sein, aber auch um Umweltstandards einzuhalten.
  • Die Drosselung kann mechanisch oder über die Elektronik erfolgen.
  • Unerlaubtes Entfernen der Drossel führt zu empfindlichen juristischen Konsequenzen.

Was ist eine Drossel?

Der Zweck einer Drosselung besteht darin, die Höchstleistung eines Motorrades zu verringern oder die Endgeschwindigkeit zu begrenzen.

Warum wird ein Motorrad gedrosselt?

Für die Drosselung gibt es verschiedene Gründe. Der häufigste Grund ist, Fahranfänger nicht gleich den Zugang zu den oberen PS-Bereichen zu ermöglichen. Die jeweilige Fahrerlaubnis limitiert die PS-Zahl oder die Höchstgeschwindigkeit:

  • Klasse A: unbeschränkt
  • Klasse A1: 15 PS /11 kW
  • Klasse A2: 48 PS / 35 kW

Entsprechend der Führerscheinklasse fällt auch das Leistungsgewicht aus. Eine günstigere Einstufung in der Motorradversicherung kann ebenfalls Grund für eine Drossel sein. Die Versicherer unterscheiden zwischen drei Leistungsklassen:

  • 50 PS
  • 78 PS
  • 98 PS

Dazu kann eine freiwillige Leistungsbeschränkung des Herstellers zu einer Drosselung führen. Diese liegt heute bei einer Höchstgeschwindigkeit von 299 km/h.

Ein weiterer Grund für eine Drosselung sind die Zulassungsbeschränkungen. Diese sind von den nationalen Vorgaben in Bezug auf den Motorlärm oder den Abgasausstoß abhängig. Durch eine Drosselung können beide Vorgaben auf die jeweiligen Gesetze im Land angepasst werden.

Was kostet eine Drosselung?

Die Kosten hängen zum einen davon ab, ob der Halter nur das Material kauft, oder die Drossel durch eine Werkstatt einbauen lässt. Für Material fallen zwischen zehn und 200 Euro an. Führt eine Werkstatt die Drosselung durch, muss man mit 50 Euro bis 200 Euro rechnen. Die Abnahme durch den TÜV schlägt noch einmal mit 50 Euro zu Buche. Die unterschiedlichen Kosten ergeben sich aus den verschiedenen Möglichkeiten, das Motorrad zu drosseln. Folgende Optionen stehen zur Verfügung:

  • Ansaugkanal: Das Einströmen des Benzin-Luftgemischs in die Brennräume wird vermindert.
  • Veränderung des Auspuffkrümmers: Senkung der einströmenden Gemischmenge.
  • Austausch der Nockenwelle: Die Ventile öffnen nicht mehr so weit, die ein- und austretende Gemischmenge wird reduziert.
  • Gaswegbegrenzung: Die Öffnung des Gashahns wird eingeschränkt.
  • Elektronisch: Durch einen Eingriff in die Motorelektronik wird die Einspritzmenge vermindert.
  • Veränderung der Übersetzung: Ein verkürztes Getriebe führt dazu, dass die höchste Drehzahl im letzten Gang vor Erreichen der eigentlichen Höchstgeschwindigkeit greift.

Was sind Grenzfälle?

Angenommen, die PS-Zahl liegt leicht über der im Rahmen der Drosselung anvisierten Leistungsstärke. In diesem Fall empfiehlt es sich, beim TÜV eine Leistungsmessung zu beantragen. Üblicherweise weichen die tatsächlichen Zahlen von den Herstellerangaben ab, so dass die Maschine trotz offizieller Angaben im zulässigen PS-Bereich liegen kann.

Wie erfolgt die Eintragung der Drosselung in die Papiere?

Für den korrekten Eintrag sind drei Schritte notwendig:

  1. Einbau der Drossel durch eine Werkstatt mit Bescheinigung oder eigener Einbau.
  2. Vorführen der Maschine bei TÜV oder Dekra. Wichtig ist die Vorlage des Gutachtens, welches mit dem Drosselungsmechanismus mitgeliefert wurde. Möglicherweise möchte der Prüfer die Teile oder die Werkstattrechnung sehen.
  3. Die Abnahme muss der zuständigen Straßenzulassungsbehörde sofort mitgeteilt werden. Der Halter bekommt dann neue Papiere, welche die aktuellen Daten berücksichtigen.

Unverzichtbar ist auch eine Meldung an die Versicherung, dass eine Drosselung erfolgte.

Manipulation der Drosselung: Welches Strafmaß gibt es?

Wer die Drossel seines Motorrades unerlaubt entfernt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Grundsätzlich führt ein Entfernen der Drossel ohne TÜV-Eintrag und Benachrichtigung der Versicherung zum Erlöschen der Fahrerlaubnis.

Im harmlosesten Fall droht der Eintrag von drei Punkten in das Flensburger Zentralregister zuzüglich des entsprechenden Bußgeldes. War die Drossel aufgrund eines recht jungen Führerscheins verbaut, droht eine Anzeige wegen Fahrens ohne (entsprechende) Fahrerlaubnis. Die Folge sind sechs Punkte in Flensburg, eine Anzeige, eine Nachschulung und die Verlängerung der Führerscheinprobezeit.

Verursacht ein Motorradfahrer einen Unfall mit einer Maschine, deren Drossel unerlaubt entfernt wurde, wird die Versicherungsgesellschaft zwar den Schaden gegenüber dem Dritten regulieren, aber ihren Versicherungsnehmer in Regress nehmen.

Vor diesem Hintergrund sollte sich der Käufer eines gebrauchten Motorrades vom Verkäufer immer schriftlich bestätigen lassen, dass die Drossel, wenn verbaut, in ordnungsgemäßem Zustand ist.