Wie düster ist die Zukunft der Energiekonzerne?

30.12.2010 | 09:49

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Frankfurt - Die deutschen Energiekonzerne galten bisher als zwar langweilige, aber solide und sichere Investments. Kontinuierlich steigerten sie ihre Gewinne in Milliardenhöhe - häufig zu Lasten der Umwelt und der Verbraucher, wie Kritiker ihnen vorwerfen. Doch sind die Zeiten der hohen Dividenden für Aktionäre jetzt vorbei? Die Atomsteuer, Verluste im Gasgeschäft, steigende Kosten für CO2-Verschmutzungsrechte und sinkende Margen in der Stromerzeugung werden der Branche nach Ansicht von Marktbeobachtern in den nächsten Jahren schwer zusetzen. Die Energiekonzerne suchen daher bereits jetzt nach neuen Strategien.

Noch stehen die großen Vier - E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall - mit satten Gewinnen da. 2010 dürften zumindest die operativen Ergebnisse noch einmal steigen. Doch von 2011 an geht es den Unternehmen an den Kragen. Branchenbeobachter rechnen mit deutlich sinkenden Gewinnen. Diese Entwicklung nahm die Börse 2010 bereits vorweg. Während der deutsche Leitindex Dax um gut 17 Prozent zulegte, verloren die Aktien von E.ON und RWE ein Viertel an Wert.

Gar nicht gut kamen an der Börse die Bedingungen für die umstrittene Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke an. Die Bundesregierung führt eine Steuer auf die Brennelemente ein, die 2,3 Milliarden Euro in die Staatskassen spülen soll. Allein RWE rechnet nach eigenen Angaben mit jährlichen Ergebnisbelastungen von bis zu 700 Millionen Euro. E.ON geht davon aus, dass das operative Ergebnis erst 2013 wieder den Wert von 2010 erreicht.

Kaum Planungssicherheit

Planungssicherheit gibt es in der hochpolitisierten Branche ohnehin kaum. Zwar hat Bundespräsident Christian Wulff (CDU) das umstrittene schwarz-gelbe Gesetzespaket zum Energiekonzept Anfang Dezember unterschrieben. Mehrere SPD-regierte Länder wollen aber vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Laufzeitverlängerung von im Schnitt 12 Jahren für die 17 deutschen Atomkraftwerke klagen. Bei einem möglichen Regierungswechsel nach der Bundestagswahl 2013 steht ohnehin wieder alles in den Sternen.

Gaspreise unter Druck

Das lange so lukrative Gasgeschäft macht den Konzernen seit einiger Zeit ebenfalls erhebliche Probleme. Der Grund ist eine unerwartete Gasschwemme in Europa - so kommt immer mehr verflüssigtes Gas per Schiff aus den Staaten am Persischen Golf an. Das setzt die Preise unter Druck. Darauf können E.ON und RWE als Importeure aber bislang kaum reagieren. Sie sind an langfristige Lieferverträge etwa mit dem russischen Gasriesen Gazprom gebunden. Darin ist noch eine Bindung an den wieder gestiegenen Ölpreis festgeschrieben. Und die Russen haben sich bislang kaum bereit erklärt, von dieser Regelung abzurücken. E.ON rechnet für seine Gassparte 2011 mit einem Verlust, bei RWE sieht es laut Analysten kaum besser aus.

Milliardenbelastung durch CO2-Zertifikate

Ein weiterer Einschnitt steht den Konzernen 2013 bevor, wenn die CO2-Verschmutzungsrechte erstmals vollständig bezahlt werden müssen. Das wird vor allem RWE mit seinem großen Kohlekraftwerkspark treffen. Die Rede ist von weiteren Milliardenbelastungen. Und auch die gesunkenen Preise an der Strombörse dürften die Unternehmen nach Experteneinschätzung künftig belasten. Bislang spürten sie das kaum, weil sie ihre Stromproduktion stets Jahre im Voraus an die Vertriebsgesellschaften verkaufen. Dieser positive Effekt ebbt nun aber ab.

Energiekonzerne richten sich neu aus

Die Folge sind tiefgreifende Kurswechsel bei den Versorgern. E.ON etwa sucht sein Heil künftig eher im Ausland und hat dabei die Schwellenländer im Blick. Dagegen kommt das alte Kerngeschäft auf den Prüfstand. Bis 2013 will der Konzern durch Verkäufe rund 15 Milliarden Euro einnehmen. Vor allem das regulierte Geschäft - der Betrieb der Strom- und Gasnetze - steht dabei zur Disposition. Einen Teil hat E.ON bereits verkauft, etwa sein Höchstspannungsnetz in Deutschland und die Gasleitungen in Italien.

Auch RWE rückt - auch auf Druck der Wettbewerbsbehörden - zunehmend davon ab, von der Energieproduktion über den Transport bis zum Vertrieb alles aus einer Hand anzubieten. Sein Ferngasnetz hat das Unternehmen im Dezember bereits an eine Investmentbank verkauft, auch für das Stromübertragungsnetz gibt es dem Vernehmen nach Gespräche mit Interessenten. Der Konzern will seine neue Strategie im Frühjahr vorstellen. Dabei dürften auch geplante Investitionen in Deutschland auf dem Prüfstand stehen.