Vermögensaufbau: Sparen in der mittleren Lebensphase

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Wenn die Ausbildung beendet ist und das Einkommen steigt, haben die meisten Menschen zwischen 30 und 50 Jahren die Möglichkeit, regelmäßig einen größeren Betrag vom Girokonto zur Seite zu legen. Wie man dieses Geld anlegt, hängt aber auch davon ab, welche persönlichen Ziele man verfolgt. Zum Festgeld-Vergleich Zum Depot-Vergleich

Zunächst sollte man dafür sorgen, dass man einen ausreichenden Versicherungsschutz hat und Kredite und weitere Schulden abbezahlt, empfiehlt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Man sollte zunächst teure Darlehen zurückzahlen, bevor man das Geld anlegt." Wie man sein Geld zum Vermögensaufbau dann konkret investiert, hängt nach Meinung von Nauhauser von der individuellen Situation ab.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Wichtig sei es in jedem Fall, das Risiko zu minimieren, dass heißt, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Das sieht auch Nauhausers Kollege Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf so: "Wir raten Verbrauchern, das Vermögen auf verschiedene Produktklassen zu streuen."

Wer nur auf ein Produkt setze, hänge ausschließlich von dessen Entwicklung ab, sagt der Düsseldorfer Verbraucherschützer: "Ist die Geldanlage ein risikoreiches Produkt wie ein geschlossener Fonds, kann das aufgebaute Vermögen ganz verloren gehen. Wer dagegen alles in eine risikolose Anlage wie ein Sparbuch einzahlt, erhält meist nur eine minimale Rendite."

Nauhauser empfiehlt einen Mix aus verschiedenen Arten der Geldanlage wie Bankprodukten, Wertpapieren sowie anderen Sachanlagen wie Immobilien oder Rohstoffen. Wie hoch der Anteil der einzelnen Anlageklassen dabei ist, hänge von der persönlichen Risikobereitschaft ab. Anleger sollten aber jeweils darauf achten, dass sie in möglichst günstige Produkte investieren: "Bei Banksparplänen etwa sollte man die Zinssätze vergleichen. Bei Investmentfonds sollten die Management-Gebühren niedrig sein."

Riester-Rentenversicherung

Wer im Alter zwischen 30 und 50 Jahren noch keinen Vertrag über eine Riester-Rente abgeschlossen hat, hat nicht mehr so viel Zeit, um eine große Summe zusammenzusparen. Hier kann sich daher anders als bei ganz jungen Sparern eine Riester-Rentenversicherung lohnen, wie Karin Baur, Redakteurin der Zeitschrift "Finanztest" erklärt. Sie bringt neben der Kapitalgarantie, die alle Riester-Produkte bieten, eine garantierte Mindestrendite von 1,75 Prozent auf den Sparanteil, sagt Baur: "Schon bei Abschluss ist klar, welche Rente Sparer mindestens erhalten werden."

Garantiezins bei Kapitallebensversicherungen ist gering

Eine solche Sicherheit für Menschen, die nicht flexibel sein müssen, bieten auch Renten- und Kapitallebensversicherungen. Damit binden sich Anleger langfristig, können damit aber mit einer garantierten Rente oder Kapitalauszahlung rechnen. "Lukrativ ist das nicht unbedingt, weil der Garantiezins gering ist", sagt Baur.

Derzeit liegt er noch bei 1,25 Prozent. Ab dem 01. Januar 2017 liegt der Garantiezins sogar nur noch bei 0,9 Prozent - er sinkt demnach deutlich. Auch bei der zusätzlich gewährten Überschussbeteiligung gehe der Trend derzeit nach unten, sagt Baur: "Man sollte nie zu viel Geld in Kapitallebensversicherungen binden." Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät sogar grundsätzlich von kapitalbildenden Lebensversicherungen ab.

Wie viel soll ich sparen?

Wie viel man von seinem insgesamt verfügbaren Einkommen auf die hohe Kante legen sollte, lässt sich nach Ansicht von Scherfling nicht pauschal sagen: "Wer zum Beispiel eine selbst genutzte Immobilie erwirbt, für den steht nicht das Sparen im Vordergrund, sondern die Tilgung des Darlehens." Wer später mit der Altersvorsorge beginnt, müsse mehr sparen, um das gewünschte Ziel zu erreichen, als jemand, der frühzeitig damit anfängt.

Es gibt allerdings Faustformeln für die Höhe des Sparanteils, die im Auftrag des von der Deutschen Bank finanzierten Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) in Berlin ausgerechnet wurden. Demnach sollten Wohneigentümer durchschnittlich acht und Mieter neun Prozent ihres Bruttoeinkommens sparen, um spätere Einkommenslücken zu füllen.

Allerdings hängt es laut DIA-Studie auch von der tatsächlichen Einkommenshöhe ab, wie viel davon zurückgelegt werden sollte. So wird bei einem Brutto-Einkommen von 2000 Euro eine Sparquote von mindestens 5,5 Prozent bei Wohneigentümern und 7 Prozent bei Mietern empfohlen. Gutverdiener mit einem Einkommen von mehr als 4000 Euro hingegen sollten als Eigenheimbesitzer mindestens neun Prozent und als Mieter elf Prozent pro Monat sparen.