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EU-Taxonomie: 61 Prozent der Deutschen sind gegen Gas- oder Atomkraft als nachhaltige Geldanlage

03.02.2022 | 08:08

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Im Zuge der sogenannten Taxonomie will die EU-Kommission Investitionen in neue Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Voraussetzungen als klimafreundlich einstufen. Doch wie eine repräsentative Verivox-Umfrage zeigt, fänden es 61 Prozent der Deutschen falsch, wenn nachhaltige Anlageprodukte in Gas- oder Atomkraft investieren dürften.

Nur jeder Fünfte ist mit den EU-Plänen einverstanden

36 Prozent der Befragten sind der Ansicht, nachhaltige Finanzprodukte sollten weder in Gas- noch in Atomkraft investieren. Unter den Befragten mit abgeschlossenem Hochschulstudium ist sogar beinahe die Hälfte (45 %) dieser Auffassung. Für 19 Prozent der Befragten wären Investitionen in neue Gaskraftwerke akzeptabel, aber nicht in Atomkraftwerke. Umgekehrt fänden es 6 Prozent in Ordnung, wenn nachhaltige Anlageprodukte Gelder in neue Atomkraftwerke investieren, aber für sie wären Investitionen in Gaskraftwerke tabu. Nur rund ein Fünftel (21 %) der insgesamt gut 1.000 Befragten unterstützen den Kurs der EU und somit die Einstufung von Gas- und Atomkraft als klimafreundliche Geldanlage.

Nachhaltige Geldanlagen haben ein Glaubwürdigkeitsproblem

Auch heute schon befürchten viele Menschen einen Etikettenschwindel, wenn Anlageprodukte als nachhaltig beworben werden. Nur eine Minderheit von 46 Prozent hält es bei nachhaltigen Geldanlagen für verlässlich, dass wirklich nur in Unternehmen und Projekten investiert wird, die wichtige Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Insgesamt 36 Prozent der Befragten glauben das „auf keinen Fall“ (8 %) oder „eher nicht“ (28 %). Knapp ein Fünftel (18 %) „weiß nicht“, ob man sich darauf verlassen kann. Drei von vier Befragten (75 %) wünschen sich ein staatliches Gütesiegel, an dem Anleger sofort erkennen, dass ein Finanzprodukt verbindliche Mindest-Standards im Bereich Nachhaltigkeit erfüllt.

„Die Idee hinter der EU-Taxonomie, verbindliche Kriterien für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften zu definieren, ist absolut richtig“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. „Aber mit der Einstufung von Gas- und Atomkraft als klimafreundliches Investment erweist die EU-Kommission der Glaubwürdigkeit von nachhaltigen Geldanlagen einen Bärendienst.“

Großes Interesse an nachhaltigen Geldanlagen

Grundsätzlich steht ein Großteil der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer nachhaltigen Geldanlagen wohlwollend gegenüber. Vier von fünf Befragten (80 %) in der Verivox-Umfrage interessieren sich eigenen Angaben zufolge für Finanzprodukte, bei denen das Geld ausschließlich in Unternehmen und Projekte fließt, die ökologische, soziale und ethische Mindest-Standards erfüllen. Zwei Drittel (66 %) dieser grundsätzlich Interessierten wäre zugunsten von Nachhaltigkeits-Standards sogar bereit, Einbußen bei der Rendite in Kauf nehmen.

Methodik

Im Auftrag von Verivox hat das Marktforschungsinstitut Innofact Ende Januar 2022 insgesamt 1.029 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren online befragt. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.

Umfrageergebnisse zum Download (PDF)