Strompreiserhöhungen: Staat kassiert 300 Millionen Euro zusätzlich

Heidelberg. Die Strompreise für private Verbraucher sind im Jahresvergleich um rund 5 Prozent angestiegen. Als Grund geben die Versorger erhöhte Beschaffungspreise für Strom an. Doch neben den Versorgern nimmt auch der Fiskus durch die Strompreiserhöhungen mehr ein. Die Tarifexperten von Verivox haben errechnet, dass private Verbraucher in diesem Jahr rund 300 Millionen Euro zusätzliche Mehrwertsteuer bezahlen werden.

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Bild: Hand am Taschenrechner Bild: ©Natee Meepian / Adobe Stock / Text: Verivox

Kleiner Anstieg der Mehrwertsteuer mit großer Wirkung

Der durchschnittliche Strompreis lag im Jahr 2018 bei 27,82 Cent pro Kilowattstunde (kWh), im Jahr 2019 ist er auf durchschnittlich 29,23 Cent/kWh gestiegen. Der Anteil der Mehrwertsteuer hat sich daher von 4,44 Cent/kWh auf 4,67 Cent/kWh erhöht, was zusätzlichen Einnahmen von 0,23 Cent/kWh entspricht.

Das klingt nicht viel, doch laut Umweltbundesamt verbrauchen die deutschen Haushalte jährlich rund 129 Milliarden Kilowattstunden.

„Der kleine Betrag von zusätzlich 0,23 Cent pro Kilowattstunde summiert sich auf rund 300 Millionen Euro zusätzlicher Steuereinnahmen“, sagt Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox.

Über die Hälfte des Strompreises geht an den Staat

Aktuell machen Steuern, Umlagen und Abgaben über die Hälfte des Strompreises (54 Prozent) aus. Der Rest des Strompreises teilt sich zwischen den Netzgebühren (23 Prozent) und dem Anteil der Stromversorger (23 Prozent) auf.

„Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wird auf den Nettopreis aufgeschlagen, der bereits Posten wie die Konzessionsabgabe, die EEG-Umlage und die Stromsteuer enthält“, sagt Valerian Vogel. „Jeder Anstieg des Netto-Strompreises führt daher zwangsläufig auch zu einer höheren Mehrwertsteuer.“

Strom gilt nicht als lebensnotwendig

Die Umsatzsteuer liegt seit dem Jahr 2007 bei 19 Prozent, Güter des lebensnotwendigen Bedarfs, wie beispielsweise die meisten Nahrungsmittel, fallen jedoch unter einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent.

„Unsere alltägliche Lebenswelt ist auf der Voraussetzung aufgebaut, dass bezahlbarer Strom jederzeit verfügbar ist. Ohne Strom geht nichts mehr. Daher kann man Elektrizität durchaus als lebensnotwendig bezeichnen“, sagt Valerian Vogel. „Würde er entsprechend besteuert, würde jeder Haushalt in Deutschland schlagartig 10 Prozent weniger für Strom bezahlen.“

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