Telefonieren über WLAN

Die deutschen Mobilfunknetze gelten im europäischen Vergleich als nicht sonderlich gut ausgebaut. Diese Kritik betrifft meist ländliche Regionen. Doch Netzlücken gibt es auch in Städten – etwa, wenn dicke Decken oder Mauern den Empfang stören. Ein Rezept dagegen ist Telefonieren über WLAN.

Das Wichtigste in Kürze

  • WLAN-Calls funktionieren ohne zusätzliche App bzw. Installation.
  • Gespräche werden nahtlos ins Handynetz und zurück übergeben.
  • Gespräche kosten genauso viel wie im normalen Handytarif.
  • In der Regel nur in Laufzeittarifen bei den Netzbetreibern verfügbar.

Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten

WLAN-Telefonie (auch WLAN Calls oder Wifi Calling genannt) ist nicht gleichbedeutend mit Internet-Telefonie, wie sie zum Beispiel von Diensten wie Skype, FaceTime oder WhatsApp bekannt ist. Gespräche über diese Services können natürlich auch im WLAN geführt werden. Doch um WLAN-Calls zu nutzen, ist keine App erforderlich. Damit können Gespräche über die ganz normale Handynummer auch dort geführt werden, wo das Mobilfunknetz Lücken hat – etwa in stark abgeschirmten Gebäuden, in Kellerräumen oder Fabrikhallen. Auch bei Großveranstaltungen, zum Beispiel im Fußballstadion, kann WLAN-Telefonie eine Alternative zu überlasteten Handynetzen darstellen.

Können WLAN-Calls auch im ICE genutzt werden?

Weniger geeignet ist der Dienst hingegen, wenn das WLAN ähnlich überlastet ist wie das Handynetz – zum Beispiel in Zügen, wenn sich viele Reisende gleichzeitig einwählen. Die Gesprächsqualität ist über WLAN aber in der Regel richtig gut, oft sogar besser als im Mobilfunknetz.

Das Angebot der drei Netzbetreiber ist nicht deckungsgleich: Telekom und Telefonica bieten WLAN-Calls ohne Zusatzkosten an, in manchen Vodafone-Tarifen hingegen fallen für die Nutzung 2,99 Euro im Monat an. Bei kleineren Anbietern und in Prepaidtarifen ist der Dienst meist nicht nutzbar.

Gespräche werden von Netz zu Netz übergeben

Nutzer von WLAN-Telefonie sind wie genau sonst über ihre eigene Handynummer erreichbar. Anrufer müssen also nichts beachten. Der Rufaufbau ist flott. Ein laufender WLAN-Call wird automatisch ins Handynetz übergeben, wenn der Telefonierende das WLAN verlässt – und umgekehrt. Das ist das so genannte Handover. Bei Diensten wie Skype oder Whatsapp ist dies nicht möglich. Noch sind WLAN-Calls hierzulande wenig bekannt - in den USA beispielsweise wird dieser Dienst intensiver beworben und gilt als selbstverständlich. In Deutschland denken die meisten Verbraucher beim Thema Telefonieren im WLAN in der Regel an Skype & Co., deren Anwendung jedoch nur via App funktioniert – und meist nur zwischen Nutzern, die den jeweiligen Dienst beide installiert haben. Dies entfällt bei WLAN-Calls, das ist ein klarer Pluspunkt.

So funktioniert Telefonieren über WLAN

Gespräche über WLAN-Telefonie werden wie „normale“ Anrufe übers Mobilfunknetz geführt, also mit der grünen Hörertaste angenommen und der roten beendet. Wer Kunde bei Vodafone oder Telefonica ist, kann WLAN-Telefonie direkt in den Handy-Einstellungen einschalten und sofort nutzen; Telekom-Kunden aktivieren zuerst die kostenfreie Option „WLAN Call“ und ändern dann die Handy-Einstellungen. WLAN-Gespräche sind mit den meisten aktuellen Smartphones möglich. Sowohl das Gerät als auch der Tarif müssen LTE-fähig sein.

LTE ist Voraussetzung für nahtloses Handover

Voraussetzung für eine nahtlose Übergabe vom WLAN ins Handynetz ist eine LTE-Verbindung des eigenen Anbieters vor Ort. Sollte nur eine UMTS- oder GSM-Verbindung bestehen, würde das Gespräch beim Verlassen des WLAN-Netzes abbrechen. Hintergrund: Die so genannte Netzarchitektur ist bei LTE eine ganz andere als bei UMTS oder GSM; die Netzstandards „erkennen“ sich untereinander nicht. Den Übergang vom einen Netz ins andere bemerken Anwender manchmal an einem etwas veränderten Klang; evtl. können Echo-Effekte auftreten. Grundsätzlich ist die Gesprächsqualität übers WLAN jedoch gut bis sehr gut.

Eingehende Gespräche werden bevorzugt übers WLAN aufgebaut, wenn der Dienst aktiviert ist und der Nutzer sich in einem stabilen Netz befindet. Für die Telefonate sind bereits sehr geringe Bandbreiten von 70-80 Kilobit pro Sekunde ausreichend – das ist nur ein Bruchteil üblicher DSL-Geschwindigkeiten. Bereits bekannte WLAN-Netze merkt sich das Smartphone und nimmt diese automatisch.

WLAN-Telefonie ist nicht kostenlos

Anders als Skype & Co., die häufig kostenfreie Gespräche der Nutzer untereinander anbieten, ist Wifi-Calling kein Service zum Kostensparen. Der Schwerpunkt von WLAN-Calls liegt eindeutig auf der Qualität und im (zumeist) nahtlosen Handover zwischen WLAN und Handynetz, was Internetdienste via App nicht ermöglichen. Doch kostenlos sind die Gespräche nicht: WLAN-Telefonie wird zu den gleichen Preisen abgerechnet wie Gespräche übers normale Handynetz. Das bedeutet, wenn ein Tarif eine Flatrate beinhaltet, gilt diese auch für WLAN-Gespräche.

Was passiert im Ausland?

Rein technisch ist der Ausgangspunkt eines WLAN-Telefonats übrigens immer Deutschland, auch wenn sich der Nutzer gerade im Ausland aufhält. Das kann Gespräche im Ausland sogar verteuern, weil auch Gespräche innerhalb eines Landes so abgerechnet werden wie Telefonate von Deutschland ins Ausland. Seit der Abschaffung der Roaming-Zusatzkosten in der EU wäre dann ein Gespräch übers normale Handynetz vielfach günstiger. Anrufe nach Deutschland oder eingehende Gespräche lohnen sich über WLAN-Telefonie hingegen fast immer. Allerdings: WLAN-Calls im Ausland werden nicht von allen Anbietern angeboten.

Technische Einschränkungen beim Telefonieren über WLAN

Notrufe sind über WLAN-Calls gar nicht möglich, weder im In- noch im Ausland. Gleiches gilt für standortbasierte Services, also zum Beispiel einem Anruf beim Pannendienst oder einer Suche nach Restaurants in der Nähe. Ebenfalls nicht nutzbar ist WLAN-Telefonie, wenn der Router des genutzten Netzes eine Sim-Karte hat. Falls sich mehrere WLAN-Netze überlagern oder das WLAN während des Telefonats gewechselt wird (etwa in Bürogebäuden oder Mehrfamilienhäusern), kann die Gesprächsqualität leiden.