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Kaltreserve in Österreich: drei Kraftwerke für den Notfall

09.01.2012 | 10:00

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa

Berlin - Wenn der deutschen Stromversorgung der Zusammenbruch droht, werden in Österreich alte Öl- und Gaskraftwerke hochgefahren. Die Stromreserven im Nachbarland sind niedriger als bislang angenommen. Doch die Lage ist beherrschbar.

Die von Deutschland gebuchte Kraftwerks-Reserve in Österreich ist nach Medieninformationen kleiner als bislang angenommen. Statt der ursprünglich von der Bundesregierung eingeplanten vier Reserve-Kraftwerke mit insgesamt 1075 Megawatt Leistung stünden in Österreich tatsächlich nur drei Kraftwerke mit 935 Megawatt zur Stabilisierung des deutschen Stromnetzes zur Verfügung, berichtete die "Welt".

Verhandlungen sind geplatzt

Verhandlungen des deutschen Netzbetreibers Tennet mit dem Kraftwerksbetreiber Wien Energie seien geplatzt: Ein eigentlich eingeplantes Wiener Gaskraftwerk mit 140 Megawatt Leistung stehe nicht zur Verfügung, berichtete die Zeitung und berief sich auf einen Sprecher der Wien Energie GmbH. Mit einer Leistung in dieser Größenordnung lässt sich laut dem Bericht der Strombedarf von rund 140 000 Verbrauchern decken. Sinkt die Kraftwerksreserve, steigt das Risiko von Instabilitäten im deutschen Stromnetz.

Österreich hilft dabei, dass die deutsche Energiewende nicht in einem großen Blackout mündet. An manchen Wintertagen müssen in dem Nachbarland alte Öl-und Gaskraftwerke angefahren werden, weil sonst ein Zusammenbruch an bestimmten Stellen des deutschen Netzes droht. "Die Netzsituation ist nach wie vor angespannt", hatte ein Sprecher der zuständigen Bundesnetzagentur am Freitag gesagt.

Die Kosten trägt der Verbraucher

Der Hintergrund: An Tagen mit ungewöhnlich starker Windkraft-Einspeisung in Norddeutschland kann die unzureichende Nord-Süd-Trasse des deutschen Stromnetzes überlastet sein - so geschehen am 8. und 9. Dezember. Im Süden, wo mehrere Atomkraftwerke abgeschaltet wurden oder wegen Wartung zeitweise stillstehen, fehlen dann Kraftwerkskapazitäten, um dem Stromfluss aus Norddeutschland entgegenzuwirken.

Geregelt werden die Stromautobahnen von Norddeutschland über Hessen bis nach Bayern von Tennet. Deren Sprecherin Ulrike Hörchens sagte, die Lage sei weiter beherrschbar. Allerdings habe Tennet 2011 an 306 Tagen 990 Mal eingreifen müssen, um das fast 11 000 Kilometer umfassende Höchstspannungsnetz stabil zu halten. Der etwa von RWE-Chef Jürgen Großmann befürchtete größere Stromausfall in Deutschland ist trotz des Atom-Aus bisher ausgeblieben - auch dank der Nachbarhilfe aus Österreich. Die Kosten dafür sind über den Strompreis zu zahlen.